Muss die Definition von Freundschaft im Social-Media-Zeitalter neu überdacht werden?

Diese Frage ergab sich für Doerthe Rayen, gestützt auf eine Studie der Ruhr-Universität Bochum (RUB), die untersuchte, warum Menschen soziale Medien nutzen.

Phillip Ozimek ist Sozialpsychologe an der RUB und forschte gemeinsam mit seinem Team über die persönlichen Strukturen und das Nutzungsverhalten von ca. 500 Facebook-Nutzern.

“Digitale Freunde spielen in der heutigen Welt eine besondere Rolle. Tatsächlich diskutieren Soziologen, Psychologen und Philosophen längst darüber, ob der Begriff von Freundschaft im Zeitalter der sozialen Medien neu verhandelt werden müsste. Dass die Freunde bei Facebook besser als „Kontakte“ bezeichnet werden sollten.”,

so Ozimek.

Facebook und andere soziale Plattformen sind zunächst nützliche Werkzeuge für den Nutzer. Zum Beispiel, um Freundschaften und Kontakte zu pflegen oder um seine oft materialistischen Ziele mit anderen zu vergleichen.

Vor allem, wenn sich das Leben verändert, wie nach dem Abitur oder einer Ausbildung bzw. einem Studium. Ein Klick und man kann sich austauschen.

“Es ist praktisch, über die sozialen Medien noch eine gefühlte Nähe zu haben”,

erklärt Ozimek.

Durchschnittlich hat jeder der rund 31 Millionen deutschen Facebook-Nutzer rund 300 Freunde. Es gibt jedoch Orte auf der Welt, da liegt der Durchschnitt sogar bei 1.000 Freunden pro Nutzer – wie zum Beispiel in den USA. Dies bringt nicht immer Vorteile, denn wer sich mit zu vielen “Freunden” umgibt, gilt schnell als nicht authentisch.

Da ist die Frage, ob man all diese Menschen als seine Freunde bezeichnen kann, durchaus berechtigt.

Facebook als Übungsplatz?

Die Umfrage hat jedoch auch zutage gefördert, dass Facebook sich für Nutzer, die sozial unsicher sind, als gute Chance anbietet, um zu Lernen wie man am besten Kontakte knüpft.

„Menschen mit hohem Selbstwert haben meist offline einen großen Freundeskreis. Für sie sind digitale Freunde nicht so wichtig und wertvoll“,

so Ozimek. Wer eher schüchtern ist und nicht so gern fremde Personen anspricht, kann die Plattform quasi als Trainingsfeld nutzen.

“Die Plattform ist eine gute Übung: Man kann sich genau überlegen, was man liked und wie kommentiert.”

Dass es sich hierbei um gesichtslose Menschen handelt, die man real noch nie gesehen hat, ist für den Nutzer dabei nebensächlich.

Materialismus auf Facebook

Die Studie umfasst aber weitaus mehr, als die Infragestellung von so genannten “Facebook-Freunden”. Laut Ozimek findet auf der Plattform eine Art Materialismus 2.0 statt:

„Die Plattform macht den Vergleich mit anderen sehr einfach und zieht daher materialistische Menschen besonders an, denen solche Vergleiche wichtig sind.”

Urlaub, Restaurant- und Konzertbesuche werden zu Trophäen – Freunde zu Objekten. Der Psychologe verwendet dann gern das Wort “Sozialkapital”, wobei die digitale Welt es den Materialisten einfacher macht, sich selbst darzustellen und dies auch zu zelebrieren.

Und dass Facebook kostenlos ist, reizt diese Menschen umso mehr.


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