Seit geraumer Zeit lässt Facebook gemeldete Beiträge von externen Faktencheckern prüfen.

Doch scheint Facebook nicht wirklich an dem Fachwissen und den Bedenken interessiert zu sein, wie derzeitige und ehemalige Faktenchecker dem „Guardian“ gegenüber erzählten.

Vertrauen verloren

Bisher habe die Zusammenarbeit mit Facebook nur zu minimalen Ergebnissen geführt, das Vertrauen zu der Plattform sei verloren gegangen. Einer der Gründe dafür ist, dass sich Facebook wiederholt dagegen gewehrt habe, aussagekräftige Daten über die Auswirkungen der Arbeit der Faktenchecker zu veröffentlichen.

„Facebook nimmt uns nicht ernst“

Brooke Binkowski, ehemalige Chefredakteurin der Seite „Snopes„, über das zerrüttete Verhältnis zu Facebook:

„Im Wesentlichen werden wir für Krisen-PR eingesetzt. Ansonsten nehmen sie uns nicht ernst. Facebook ist mehr daran interessiert, selbst gut auszusehen und die Verantwortung an andere abzugeben… es ist ihnen offensichtlich egal.“

Brooke Binowski verließ Anfang des Jahres 2018 „Snopes“, um ihre eigene Factchecking-Seite „Truth or Fiction“ zu betreiben, die allerdings nicht mit Facebook zusammenarbeitet.

Auch Kim LaCapria, ehemalige Content Managerin bei „Snopes“, zeigt sich frustriert über Facebook. Es schien schnell klar zu sein, dass Facebook nur den Wunsch hatte, Schaden zu vermeiden, ohne dafür selbst etwas zu tun.
Zudem erfuhr LaCapria, dass Facebook „Snopes“ sogar bezahlte, obwohl die Zusammenarbeit eigentlich unentgeltlich sein sollte. Wörtlich sagte sie „Das fühlte sich ekelhaft an … Facebook hat eine Mission, Factchecking-Websites eine ganz andere Mission.

„Wir machten Propaganda“

In mindestens einem Fall, so Brooke Binowski, soll Facebook die Factchecker dazu gedrängt haben, bestimmte Fake News schneller zu debunken, die auf Werbepartner von Facebook zielten. Für sie war an dieser Stelle die Grenze überschritten: „Du machst keinen Journalismus mehr. Du machst Propaganda.

Drohungen nahmen zu

Als „Snopes“ im Jahre 2016 offizieller Factchecking-Partner von Facebook wurde, kam es auch zu einer spürbaren Zunahme von Online-Belästigungen, Morddrohungen und Angriffen von rechtsextremen Nutzern und prominenten Konservativen, so Binowski. „Snopes“ wurden linke Tendenzen vorgeworfen. (Wir von Mimikama kennen das auch zu gut, obwohl wir nicht mit Facebook zusammenarbeiten!)
Wenn Facebook direkt von solchen Drohungen betroffen wurde, gab man die Schuld einzelnen Journalisten, die von Facebook „als Kollateralschaden unter den Bus geworfen“ wurden („to throw somebody under the bus“ = „jemanden den Wölfen zum Fraß vorgwerfen“).

Kritische Berichte über Facebook konnte sich „Snopes“ aufgrund der finanziellen Zusammenarbeit nun auch nicht mehr leisten. Das Risiko sei zu groß gewesen, dass Facebook die Partnerschaft beendet.

Fehlendes Feedback

In einer Erklärung äußerte sich Facebook, dass die Faktenchecker mehr Daten über die Auswirkungen ihrer Arbeit haben möchten. Das habe man aus dem Feedback der Faktenchecker erfahren. Darum habe man begonnen, vierteljährliche Berichte mit benutzerdefinierten Statistiken an die Faktenchecker zu senden.

Doch sowohl Angie Drobnic Holan von „PolitiFact“ als auch David Mikkelson, Gründer und CEO von „Snopes“, sagen aus, dass sie solche Berichte nie bekommen hätten.

Fazit

Facebook hat insgesamt 40 Factchecker weltweit, die helfen sollten, Fake News einzudämmen. Aufgrund der wenigen Aussagen können wir nicht beurteilen, wie gerechtfertigt die Vorwürfe gegenüber Facebook sind. Sie werfen allerdings kein besonders gutes Licht auf Facebook und dessen Geschäftsmethoden.


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