Phishing und Datenklau-Warnung

„Finanzmarktaufsicht“: Achtung vor Abzockermails!

Ein nicht-existentes Unternehmen namens „Finanzmarktaufsicht“ gibt (vermeintlichen) Opfern von unseriösen Trading-Plattformen per Mail die Hoffnung, dass sie ihr Geld wiederbekommen, doch in Wahrheit wird man noch mehr abgezockt.

Ralf Nowotny, 14. November 2022

Habt ihr mal auf einer unseriösen Trading-Plattform Geld verloren? Nein? Macht nichts, denn per Mail behauptet ein angebliches Unternehmen namens „Finanzmarktaufsicht“ dann einfach, dass ihr möglicherweise Geschädigte*r seid und bietet Hilfe an – für die ihr jedoch erst einmal zahlen sollt, aber nie etwas bekommt!

Die Mail der falschen „Finanzmarktaufsicht“

Die derzeit kursierende Mail der „Finanzmarktaufsicht“ wirkt auf den ersten Blick seriös: Man wird mit Vor- und Nachnamen angesprochen, es wird ein Aktenzeichen genannt, nur bei genauerem Hinschauen sind kleinere Rechtschreibfehler zu entdecken:

Die Mail der falschen Finanzmarktaufsicht
Die Mail der falschen Finanzmarktaufsicht

Betreff: [Vorname] [Nachname] Aktenzeichen 520 Js 345/16

Sehr geehrte/r
[Vorname] [Nachname] ,

wir kontaktieren Sie im Zusammenhang mit einer Straftat. Ihre Persönlichen Daten wurden auf konfiszierten Festplatten von Betrügern entschlüsselt. Möglicherweise sind Sie Geschädigter in einem Betrugsfall.

Aufgrund der hohen Anzahl von Geschädigten, gehen wir von einer Bandenkriminalität aus. Mit der Beschlagnahmung von Festplatten und der Verhaftung mehrerer Beteiligter durch die Osnabrücker Bundespolizei, würden wir Sie bitten uns in dem laufenden Verfahren zu unterstützen.

Für eine erfolgreiche Verurteilung benötigen wir ihr mithilfe und vertiefende Informationen zu ihrem Fall.

Füllen Sie unser dafür angefertigtes Onlineformular aus oder kontaktieren Sie uns unter der unten stehen Telefonnummer persönlich.

Der erste Link in der Mail führt auf einen Artikel der Tagesschau vom Februar 2022 (siehe HIER), in dem über die schwierigen Ermittlungsarbeiten gegen die Betreiber von unseriösen Trader-Plattformen berichtet wird. Der zweite Link führt auf ein Antragsformular der angeblichen „Finanzmarktaufsicht“.

Das Antragsformular der angeblichen Finanzmarktaufsicht
Das Antragsformular der angeblichen Finanzmarktaufsicht

So viele rote Flaggen!

Bei genauerem Hinschauen finden sich sehr viele „rote Flaggen“, also Hinweise darauf, dass die ganze Sache nicht koscher ist. Das beginnt bereits mit den kleineren Rechtschreibfehlern in der Mail, die noch zu verschmerzen sind. Hier zeigen wir auf, welche Flaggen da manchmal mehr, manchmal weniger deutlich wehen:

Die URL

Mit der Seite https://whois.domaintools.com/ kann jeder selbst nachschauen, wie lange eine Seite bereits existiert und wer der Inhaber der Domain ist. Dann schauen wir doch mal nach, was bei der Domain der angeblichen Finanzmarktaufsicht herauskommt:

Der Whois-Eintrag der Seite
Der Whois-Eintrag der Seite

Ein Inhaber ist gar nicht eingetragen, die Seite existiert erst seit dem 29. September, die Server stehen in Kanada, obwohl der Sitz der Finanzmarktaufsicht doch laut Impressum angeblich in Berlin ist (dazu kommen wir später noch).

In Österreich gibt es zudem wirklich eine Finanzmarktaufsicht, deren Logo von den Betrügern verwendet wird, deren URL lautet aber https://www.fma.gv.at/. In Deutschland hingegen ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (https://www.bafin.de/) zuständig.

Ein Unternehmen mit geklautem Logo der österreichischen Behörde und einer deutschen Adresse mit Servern in Kanada – macht total Sinn, oder?

Die Telefonnummer im Impressum

Im Impressum der Seite findet sich auch eine Telefonnummer.

Die Telefonnummer
Die Telefonnummer

Zur Überprüfung müssen wir dort nicht einmal anrufen, denn der Nummernblock „800932“ mit Vorwahl Berlins ist als Scam-Nummer bekannt. Unter „Anruferauskunft“ (siehe HIER) finden sich viele Beschwerden, die die Anrufe, die anscheinend aus einem Callcenter kommen, je nach Endziffern als Werbung für Bitcoins oder Aktienfonds beschreiben.

Die Adresse

Gut, dass wir eine Mitarbeiterin in Berlin sitzen haben! Also machte sich unsere Mitarbeiterin und Autorin Elke gleich mal auf den Weg, um die im Impressum angegebene Adresse direkt vor Ort zu überprüfen.
Die gute Nachricht: Die Adresse existiert:

Eine existente Adresse...
Eine existente Adresse…

Seit 1998 hat die IHK dort ihren Sitz, seit 2018 ist die IHK der alleinige Besitzer des Gebäudes. Neben der IHK befinden sich noch andere Unternehmen in dem Gebäude – doch eine „Finanzmarktaufsicht“ kennt auch die IHK nicht.

Die schlechte Nachricht: Es gibt dort gar keine „Finanzmarktaufsicht“:

...aber keine Finanzmarktaufsicht
…aber keine Finanzmarktaufsicht

Also konnte Elke nicht einmal klingeln, um nachzufragen, was dort genau getrieben wird. Schade.

Die Adresse existiert zwar, jedoch findet sich dort keine „Finanzmarktaufsicht“.

Eine bekannte Betrugsmasche: Vorschussbetrug und Identitätsdiebstahl!

Bereits in der Vergangenheit sind Betrüger aufgefallen, die mit unterschiedlichen Internetseiten und Telefonnummern sich immer wieder als Finanzmarktaufsicht ausgaben (wir berichteten HIER). Die Betrugsmasche, eine Kombination aus Vorschussbetrug und Identitätsdiebstahl mit der Behauptung, man könnte Geld bekommen, nennt sich Recovery-Scam.

Die Betrüger locken dabei mit kostenloser Beratung über das Telefon. Nach dem ersten Gespräch verlangen die Kriminellen Vorauszahlungen, damit das verlorene Geld zurückgeholt werden kann. Was nicht erwähnt wird: Die Kriminellen versuchen gar nicht, die Investitionen zurückzuholen. Vielmehr ziehen sie Betroffenen noch das letzte Geld aus der Tasche.

Zudem wird auch oftmals eine Ausweiskopie verlangt, was den Kriminellen ermöglicht, einen kompletten Identitätsdiebstahl zu begehen, indem beispielsweise auf den Namen des Opfers Bankkonten eröffnet und Bestellungen getätigt werden.

Fazit

Bereits im Mai 2021 warnte die echte österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) vor Betrügern, die sich fälschlicherweise als FMA-Mitarbeiter ausgeben (siehe HIER), vor wenigen Tagen warnte auch die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht vor den gefälschten E-Mails (siehe HIER).

Dies wird sicherlich nicht das letzte Auftreten der falschen Finanzmarktaufsicht sein, da dahinter eine professionell organisierte Betrugsmasche von Kriminellen steckt, die anscheinend auch ganze Callcenter damit beschäftigen, potenzielle Opfer mittels Mail und Telefonanrufen um ihr Geld zu bringen.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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