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Flüchtlingskind schläft am Grab der Eltern

Kathrin Helmreich,

Dieses Foto ist herzergreifend: Ein Kind schläft zwischen zwei Gräbern im Sand. Woher das Foto stammt, wissen jedoch die wenigsten.

Bereits vor drei Jahren ging dieses Foto durch die sozialen Medien. Es wundert daher nicht, dass es sich auch im Jahre 2018 wieder auf Facebook gefunden hat und Wellen der Empörung schlägt.

Es geht um das Foto des vermeintlich syrischen Waisenkindes, das am Grab seiner Eltern schläft. Dazu liest sich, heute wie früher, immer wieder der gleiche Text:

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Bild im Klartext:

Surely this is going to be the most thoughtful photo you’ll ever see. A boy sleeping among his parents’ garves in Syria !!! And you think you have problems ????
Don’t care who’s right or wrong.. This needs to stop!!

Das wird sicher das meisten Foto, das du je sehen wirst. Ein Junge, der unter den Gräbern seiner Eltern in Syrien schläft!!! Und du denkst, du hast Probleme????
Egal, wer richtig oder falsch ist.. Das muss aufhören!!

Kollege Andre schreibt dazu:

Eine der ältesten Aussagen dazu stammt von Twitter (Januar 2014) und lautet “Meanwhile in Syria, a child sleeps between his parents.” (Unterdessen schläft in Syrien ein Kind zwischen seinen Eltern). Mit dabei immer die Information, dass es sich um die Gräber der Eltern des Kindes handelt. Auch auf Facebook gibt es unzählige Beschreibungen, welche über das Leid des Kindes klagen, wir können gar nicht alle wiedergeben. Doch stimmt das auch?

Genauer hingeschaut

Ohne groß zu erklären: Das Bild zeigt eine inszenierte Situation. Der Fotograf Abdel Aziz Al-Atibi hat dieses Foto aufgenommen, der abgebildete Junge ist sein Neffe. Er ist kein Waisenkind, die Gräber sind auch nicht echt, sondern Bestandteil eine Fotoprojektes.

Auf dem Portal  “Beirut.com” findet man folgende Aussage:

I’m a photographer and I try to talk about the suffering that is happening in society, it’s my hobby and my exaggeration is intended to deliver my idea
(Ich bin Fotograf, und ich versuche, das Leiden, das in der Gesellschaft geschieht, zu thematisieren. Es ist mein Hobby und meine Übertreibung soll meine Gedanken dazu verdeutlichen.)

Ferner haben das Bild und die Szene in ihrem Ursprung nichts mit dem syrischen Bürgerkrieg zu tun. Nach eigener Aussage schildert Abdel Aziz Al-Atibi, dass dieses Foto häusliche Gewalt (domestic violence) thematisieren sollte, jedoch bald darauf von Dritten in den Kontext des Bürgerkriegs gesetzt wurde.

It’s absurd how people can easily be manipulated without going back to the source and the facts.
Es ist absurd, wie einfach Menschen manipuliert werden können, ohne dass eine Quelle oder fakten genannt werden.

Um zu verdeutlichen, dass es sich bei diesem Bild um eine gestellte Szene handelt, lud der Fotograf ein weiteres Foto aus der Fotosession mit seinem Neffen auf seinen Instagram Account.

image

Zusammenfassend:

Ohne das Leid in Syrien schmälern oder kleinreden zu wollen: Dieses Bild zeigt keine Szene aus einem Bürgerkrieg, der Fotograf aus Saudi Arabien hat diese Aussage auch niemals im Sinn gehabt, sondern ein völlig anderes Thema damit darstellen wollen. Der Fotograf hat völlig bewusst dramatisiert, um die Aussage seines Bildes deutlicher darstellen zu können.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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