Am 29. November 2025 gründete die AfD in Gießen ihre neue Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD) – begleitet von massiven Protesten. Zehntausende Menschen demonstrierten gegen den politischen Kurs der Partei. Straßen wurden blockiert, der Parteitag begann verspätet. Und die Bewertung dessen, was an diesem Tag geschah, spaltet das Land.
Was in Gießen klar belegt ist
Laut Polizei beteiligten sich mindestens 25.000–30.000 Menschen an Protesten, das Bündnis „Widersetzen“ spricht sogar von über 50.000. Viele Versammlungen verliefen friedlich. Gleichzeitig wurden Busse am Durchkommen gehindert, Straßen blockiert und Absperrungen durchbrochen.
Die AfD schuf mit „Generation Deutschland“ den Nachfolger der im Frühjahr 2025 aufgelösten „Jungen Alternative“ – damals vom Verfassungsschutz als „gesichert extremistisch“ eingestuft. Neu: Mitglied werden kann nur, wer auch AfD-Mitglied und unter 36 ist. AfD-Chefin Alice Weidel nannte das Projekt eine „Kaderschmiede für Regierungsverantwortung“.
Zum Vorsitzenden wurde Jean-Pascal Hohm gewählt – ein Politiker, der bereits wegen rechtsextremer Äußerungen beobachtet wird.
Eskalation auf den Straßen
Die Polizei meldete Steinwürfe und Barrikadenversuche. Blockaden verzögerten den Parteistart um etwa zwei Stunden. Daraufhin setzte die Polizei Wasserwerfer, Schlagstöcke und Pfefferspray ein.
Offizielle Bilanz (Stand 1.12.2025):
- 36 verletzte Demonstrierende
- 10–20 leicht verletzte Polizist:innen
- 3 vorübergehende Festnahmen
- 25 Strafanzeigen
Mehrere Videos kursieren online – teilweise extrem kurz, aus dem Kontext gerissen oder politisch instrumentalisiert.
Beispiel für Desinformation: Das „Polizeipferd“
Behauptung: Demonstrierende hätten ein Dienstpferd verletzt.
Fakt: Das Pferd stürzte ohne Fremdeinwirkung und blieb unverletzt – ebenso die Reiterin.
Die Korrektur verbreitet sich weniger erfolgreich als die Empörung: typischer digitaler Dynamikbruch.
Streit um den Polizeieinsatz
Innenminister Roman Poseck (CDU) verteidigt das Vorgehen scharf:
„Ohne die Polizei wäre es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen gekommen.“
Straßenblockaden zur Verhinderung politischer Veranstaltungen seien laut Rechtsprechung nicht zulässig.
Das Bündnis Widersetzen widerspricht ebenso scharf:
„massive Gewalt“, „Schläge ins Gesicht“, „willkürlich“.
Ein Rechtsanwalt sprach von „offensichtlich rechtswidrigen“ Einsätzen.
Der DGB:
- lobt die Kooperation
- fordert juristische Aufarbeitung aller Verletzungen
Politische Instrumentalisierung
Jede Seite nutzt die Ereignisse zur eigenen Erzählung:
- AfD: „Linker Angriff auf demokratische Grundordnung“
- Protestbündnisse: „Staat schützt Rechtsextremismus“
- CDU: „Linke Gewalt gefährdet Demokratie“
Die Wahrheit liegt dazwischen – und wird trotzdem permanent zur Waffe.
Fakten, Chronologie und offene Punkte
Demonstrationsgröße
- Polizei: 25.000–30.000
- Bündnis Widersetzen: >50.000
Ein objektiv belastbarer Referenzvergleich steht noch aus.
Verletzungen & Anzeigen
- 36 verletzte Demonstrierende (darunter Kopfverletzungen, gebrochene Nase)
- 10–20 verletzte Polizist:innen
- 25 Strafanzeigen, 3 kurze Gewahrsamnahmen
Einsatzmittel der Polizei
- Wasserwerfer
- Pfefferspray
- Schlagstöcke
- Reiterstaffel
(→ Sturz eines Pferdes ohne Verletzungen) - großflächige Verbotszonen & Absperrungen
Weitere bestätigte Ereignisse
- Angriff auf AfD-Abgeordneten
(mutmaßlicher Täter festgenommen) - Journalist:innen teils behindert
(widersprüchliche Angaben verschiedener Teams) - Rettungswagen-Unfall ohne Verletzte
Chronologie der Ereignisse (29.11. – 01.12.2025)
Wochenlange Mobilisierung, juristische Auseinandersetzungen über Verbotszonen.
08:00–11:00 Uhr
Blockaden an Zufahrtswegen, Barrikaden, Verkehrschaos.
11:00–12:30 Uhr
Zweite Großdemo in der Innenstadt. Polizei: „hochdynamische Lage“.
12:30–14:00 Uhr
Wasserwerfereinsatz u. a. an Konrad-Adenauer-Brücke. Parteitag verspätet. Innenminister Poseck verteidigt Räumung.
14:00–17:00 Uhr
Verletzte auf beiden Seiten, Pfefferspray und Schlagstöcke dokumentiert. Angriff auf AfD-Abgeordneten.
17:00–20:00 Uhr
Gründung von „Generation Deutschland“, Wahl von Hohm. Demonstrierende ziehen weiter durch die Stadt.
Polizei beendet Einsatz. Politische Bewertung driftet auseinander. Forderung nach unabhängiger Aufarbeitung.
Offene Fragen (Mimikama recherchiert weiter)
- Wo kam es tatsächlich zu unverhältnismäßiger Gewalt?
- Welche Videos zeigen die Realität – welche Inszenierung?
- Werden Bilder gezielt manipulativ verbreitet?
- Welche politischen Akteure instrumentalisieren den Einsatz?
Wir aktualisieren, sobald neue verifizierte Daten vorliegen.
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