Klimaneutrale Produkte

Immer mehr Lebensmittel werden als „klimaneutral“ beworben. So zum Beispiel die Bergbauern-Milch „Gutes Land“ von Netto, der Gut-Bio-Mandeljoghurt, verschiedene Katjes-Produkte und die vegetarischen Mini-Frikadellen von Aldi. Die Bezeichnung klimaneutral ist dabei für viele Verbraucher ein Kauf-Argument. Sie erhoffen sich umweltfreundliche, nachhaltige und klimaneutral produzierte Produkte.

CO2-Zertifikate

Doch einige Produkte sind längst nicht so klimafreundlich, wie sie scheinen. Bei der Verbraucherorganisation Foodwatch beschäftigt sich Manuel Wiemann mit Klimakennzeichnungen: „Klimaneutral wird so verstanden, als würde das Produkt keinerlei Schaden auf das Klima haben. Das ist aber letztlich eine Irreführung und falsch. Denn die Realität ist, dass Unternehmen gar nicht die Emissionen reduzieren müssen, um sich klimaneutral nennen zu können, sondern einfach nur sich freikaufen können durch CO2-Zertifikate.“
Zu den fragwürdigen Produkten, die als klimaneutral verkauft werden, zählt z. B. Wasser von Volvic, das aus Frankreich importiert wird. Hipp Beikost-Gläschen, die Rindfleisch enthalten, werden als klimapositiv gelabelt.

Fragwürdiges Label

Auf vielen Produkten findet sich das „Klimaneutral“-Label von Climate Partner. Das Geschäftsmodell des Münchner Unternehmens: Es hilft Firmen, ihre Emissionen zu berechnen und dann auszugleichen, bspw. mit einem Waldschutzprojekt in Peru. Aber was steckt dahinter? Umweltschützer Simon Counsell hat mithilfe von Satellitenbildern herausgefunden: Nach dem Projektstart in Peru – also zwischen 2010 und 2020 – haben die Waldrodungen in dem Projektgebiet zugenommen.

Climate Partner teilt jedoch mit, dass Waldschutzprojekt sehr wohl Emissionen mindern würden. Zudem sei der Waldverlust im Projektgebiet niedriger als in Vergleichsgebieten.

Es fehlt an Transparenz

Wir telefonieren mit zwei Klimaschutzexpertinnen von Sylvera, die für die Bewertungen von Klimaschutzprojekten zuständig sind und auf die auch Climate Partner verweist. Auch die Expertinnen bestätigen, dass die Waldrodungen in dem Gebiet weitergegangen sind. Die entscheidende Frage sei jedoch, ob ohne das Waldschutzprojekt noch mehr Bäume gefällt worden wären. Das lässt sich hinterher allerdings kaum überprüfen.

Genau diese Intransparenz sei das eigentliche Problem, kritisiert Heike Silber von der Stuttgarter Verbraucherzentrale. Für die Verbraucher sei es schwierig, festzustellen, was hinter den Klimalabels steckt. Daher solle man sich am besten um eine klimafreundliche Ernährung im Allgemeinen Gedanken machen, tierische Produkte bspw. meiden. Außerdem raten Verbraucherschützer: Regional und saisonal einkaufen. Das helfe dem Klima mehr als so manches Label.

Hinweis: Bei diesem Video handelt es sich um eine Auskopplung aus der SWR Marktcheck Sendung vom 22. März 2022: https://youtu.be/Q8yvM_PN660


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