Grünen-Selfies auf Demo gegen Rechts lösen Shitstorm aus

Selfies führender Grünen-PolitikerInnen auf einer Demonstration gegen Rechtsruck sorgte wenige Tage nach dem Attentat in Aschaffenburg für heftige Kritik in den sozialen Medien.

Die Behauptung

Die Selfies führender Grünen-PolitikerInnen bei der Demo für Demokratie und gegen Rechtsruck sei angesichts des Attentats von Aschaffenburg unangemessen und pietätlos. Manche Nutzer vermuteten Bildmanipulation oder Künstliche Intelligenz hinter den Fotos.

Faktencheck: Wahr

Die Fotos sind echt. Die Kritik ist nachvollziehbar. Die Selfies waren kommunikativ unklug, eine sensiblere Darstellung hätte die Missverständnisse vermeiden können.

Kurze Faktenübersicht:

  • Die Selfies: Die Bilder sind echt. Sie wurden bei einer Anti-Rechts-Demo am Brandenburger Tor aufgenommen und von den Grünen-Politikerinnen Brantner und Haßelmann selbst veröffentlicht.
  • Die Kritik: Pietätlosigkeit und mangelnde Sensibilität nach der Tragödie von Aschaffenburg.
  • Die Verteidigung: Parteimitglieder betonen, das Foto sei aus dem Kontext gerissen worden, und verteidigen die eigentliche Botschaft der Demo.
  • Expertenmeinung: Strategieberater Hendrik Wieduwilt nennt das Selfie „kommunikativ blöd“, aber moralisch nicht verwerflich.
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Zwei Selfies – und ein Shitstorm

Am vergangenen Samstag demonstrierten führende PolitikerInnen der Grünen, darunter Franziska Brantner, Lisa Paus, Felix Banaszak und Katrin Göring-Eckardt, für Demokratie und gegen den Rechtsruck. Während der Demonstration am Brandenburger Tor entstanden Selfies, die später von Franziska Brantner und Britta Haßelmann auf deren X-Accounts geteilt wurde.

Selfies der Grünen / Screenshots X
Besagte Selfies der Grünen / Screenshots X

Abgesehen davon, dass die Nutzer die Politikerinnen wegen ihrer Teilnehmer-Angabe korrigierten, wurde das fröhliche Lachen auf den Bildern den Grünen zum Verhängnis. Es dauerte nicht lange, bis ein Shitstorm losbrach. Kritiker empfanden diese Bilder – nur wenige Tage nach dem Attentat von Aschaffenburg, bei dem zwei Menschen getötet wurden – als pietätlos und warfen den Grünen vor, die Tragödie nicht ernst genug zu nehmen. Kommentatoren zogen sogar Parallelen zu Armin Laschets „Lach-Eklat“ während der Flutkatastrophe 2021.

Verteidigung der Grünen

Die Grünen wiesen die Vorwürfe zurück. Ein offizielles Statement blieb zwar aus, aber Parteichef Felix Banaszak verteidigte das Selfie im Tagesspiegel: „Die Demokratie verteidigt man nicht mit griesgrämigem Gesicht, sondern mit Zuversicht und gemeinsam.“ Auch NRW-Landeschef Tim Achtermeyer betonte im Kölner Stadt-Anzeiger, dass das Bild bewusst aus dem Kontext gerissen wurde, um die Demo zu diskreditieren. „Es wurde so getan, als wäre das Foto bei einer Trauerveranstaltung entstanden – das entspricht nicht den Tatsachen.“

Dennoch zeigte sich Achtermeyer selbstkritisch: „Das Foto hat Menschen irritiert. Mit einer sensibleren Kommunikation hätte man das vermeiden können.“

Expertenmeinung: Moralisch in Ordnung, kommunikativ ungeschickt

Hendrik Wieduwilt, Strategieberater, bewertete das Foto gegenüber dem WDR als „kommunikativ ziemlich blöd“. Zwar sei das Selfie moralisch nicht verwerflich, aber das Timing und die gewählte Darstellung hätten die öffentliche Wahrnehmung negativ beeinflusst.

https://twitter.com/aktuelle_stunde/status/1883805843482902668

Kontext oder Sensibilität?

Die Debatte zeigt die Herausforderungen der politischen Kommunikation in Krisenzeiten. Einerseits ist es wichtig, klare Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen, andererseits erfordert die Öffentlichkeit nach Tragödien eine feinfühlige Darstellung. Die Diskrepanz zwischen Botschaft und Wahrnehmung sorgte hier für Missverständnisse.

Fazit

Das Selfie bei der Anti-Rechts-Demo zeigt, wie schnell ein Moment aus dem Kontext gerissen werden kann. Doch es offenbart auch die Fallstricke öffentlicher Kommunikation in sensiblen Zeiten. Während die Botschaft der Demo unbestritten wichtig ist, wäre eine zurückhaltendere Darstellung in diesem Fall klüger gewesen.

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