Ein altes Foto neu hochgeladen – die Behauptung bleibt die gleiche …

So erhalten wir sehr viele Anfragen zu einem Foto, auf dem schiffbrüchige Menschen zu sehen sind. Doch einer scheint im Wasser zu stehen.

Der Beitragsersteller schreibt:

Screenshot Mimikama.at
Screenshot Mimikama.at

So werdet ihr verblödet!
Hier werden Schiffbrüchige gerettet und hier kämpfen sie um ihr Leben in 60cm tiefem Wasser.

Der Faktencheck

Bereits im Februar 2016 erhielten wir die ersten Anfragen zu diesem Foto. Kollege Jens führte einige wichtige Punkte an, die in der Zwischenzeit von der Webseite Fake-Hunter noch genauer untersucht wurden.

Erster Hinweis ist die Farbe des Wassers. Die dunkle Farbe weist auf tieferes Gewässer hin. Da man in Zeiten digitaler Kunst die Farbe von Wasser recht schnell ändern kann, ist dies noch lange kein Beweis, dass es sich hier um echte Schiffbrüchige handelt. Also:

Wo befinden sich diese Menschen genau?

Dazu muss man zu aller Erst wissen, dass das Material von der türkischen Küstenwache stammt. Sieht man sich die vergangen Einsätze an, stößt man unter dem Link zum 16. Dezember ( 16 Aralık 2015 MUĞLA/ Bodrum [.doc-Datei] ) auf eine Pressemitteilung inkl. angefragtem Foto.

Abgesehen von diesem Foto beinhaltet die Mitteilung noch ein weiteres Foto und einen Link ( tıklayınız [.zip-Datei] ), der zum Download des Einsatzvideos führt. Dieses Video ist ebenfalls auf der Webseite Aljazeera Turk zu sehen.

In diesem Video sieht man ein Schiff, dass sich den in Seenot geratenen Menschen nähert. Ein solches Schiff in 60 cm tiefem Wasser? Auch die Angabe des Fundortes in der Mitteilung spricht dagegen, dass das Foto in Strandnähe aufgenommen wurde: 3,9 Meilen südöstlich der türkischen Insel Karaada (Kara Ada) = das sind umgerechnet 6,27644 Kilometer.

Warum aber sieht es dann aus, als würde der Mann stehen?

Eine mögliche Erklärung liefert uns die Video- bzw. Fotoanalyse des Autors von Fake-Hunter.

Diese beschreibt eine optische Täuschung. Durch eine Reflexion entsteht der Eindruck, dass der Mann “länger” wäre als der Rest der im Wasser schwimmenden Menschen.

Wie genau Reflexion funktioniert, kann man hier nachlesen. Für uns sind in diesem Beispiel zwei Begriffe wichtig: Totale Reflexion und diffuse Reflexion.

Bei einer totalen Reflexion würde sich zum Beispiel ein Baum komplett in der Wasseroberfläche wiederspiegeln. Je ruhiger das Wasser, desto klarer und detailreicher wird dieses Abbild.

Ist das Wasser unruhig oder wie in dem angefragten Foto sehr rau, desto “verwaschener” wird das Abbild, deshalb gibt es nur sehr schlechte Spiegelungen im Wasser.

Sieht man sich die letzten Sekunden (ca. ab 00:00:21) das Video ganz genau an, merkt man, dass dieser Effekt des Öfteren auftritt.

Anbei ein Ausschnitt aus der Video-Analyse von Fake-Hunter:

Screenshot Mimikama.at: fake-hunter.blogspot.com
Screenshot Mimikama.at: fake-hunter.blogspot.com

Hier wird klar, dass nicht nur der schwarz gekleidete Mann “gestreckt” wird, sondern auch der Mann mit der roten Jacke.

Ergebnis:

Das Foto stammt im Original von der türkischen Küstenwache.

Dass das Wasser auf dem Foto nur 60 cm betrüge kann so nicht stimmen, das es Aufnahmen von der Rettung der Schiffsbrüchigen gibt, die zeigen, wie sich ein Schiff den Menschen nähert.

Warum der Mann so aussieht, als würde er in dem Wasser stehen kann an der Reflexion liegen, denn in Strandnähe kann dieses Foto nicht aufgenommen worden sein. Das Foto ist echt.

„Ob Sie das nun glauben oder nicht. Es ist so.“


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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)