Dass das Essen in Flüchtlingsheimen nicht unbedingt vom Feinsten ist, dürfte bekannt sein. Da scheint es nur logisch, dass Flüchtlinge sich woanders eine leckere Speise holen. Aber wo und wie, wenn man kein Geld hat? Man isst einfach Enten und Katzen… behauptet zumindest eine Statusmeldung auf Facebook.
Zu sehen ist ein Zettel mit dem Text:
„Animals are under legal protection in Germany.
Catching, killing or torture is a punishable offence.“
Dazu sagt die Statusmeldung:
„Das hat NICHTS mit Fremdenfeindlichkeit zu tun , sondern entspricht den Tatsachen .Daher besteht dringend Aufklärungsbedarf, bevor es zur offenen Eskalation kommt.
In Karlsruhe müssen mittlerweile auch die Enten und Schwäne bewacht werden. Zahlreiche Katzen in Umgebung der Kaserne , in der die Flüchtlinge quartiert sind, sind auch schon verschwunden. Ein Taubenküken konnte gerade noch gerettet werden. Die Knüppel waren schon parat…
Wir haben das hier in den Flüchtlingsheimen verteilt nachdem dort wiederholt Igel brutal getötet und gegessen wurden.“
Wie hoch ist der Wahrheitsgehalt?
Hand in Hand mit dem Flüchtlingsstrom geht auch die Angst vor den Fremden, nicht zu verwechseln mit Fremdenfeindlichkeit, was wir der Erstellerin des Textes auch gar nicht vorwerfen wollen. Es vereinigen sich allerdings Gerüchte um zahlreich verschwundene Katzen mit teilweise echten Ereignissen von eingefangenen Enten.
Mensch zählt dann gerne Eins und Eins zusammen, um zu der Schlussfolgerung zu kommen, dass sämtliche Vorfälle einen einzelnen Grund haben: Flüchtlinge. Die kommen schließlich von weit her und haben Hunger, die essen bestimmt auch Katzen und Tauben.
Wie sehen denn die Zahlen aus?
Um einschätzen zu können, wie wahrscheinlich es ist, dass Flüchtlinge daran schuld sind, wenn frei lebende Tiere verschwinden, ist es ganz gut, wenn man direkte Beweise und Zahlen vorliegen hat, denn ansonsten handelt es sich um Gerüchte. Bezüglich jenen Aussagen im Status haben wir die Aussage eines Karlsruher Polizeisprechers vorliegen, der darauf genauer eingeht.
So lagen bisher im Jahr 2015 der Polizei Karlsruhe ganze drei Fälle vor, in denen Anzeige wegen Entendiebstahls erstattet wurde.
Fall 1:
Im April 2015 sollen Enten dort am See nahe der Tank- und Rastanlage Bruchsal eingefangen worden sein. Jener Fall stellte sich als irrtümliche Wahrnehmung heraus. Osteuropäer hatten im See ihr Geschirr gewaschen und in Müllsäcken abtransportiert.
Fall 2:
Im Mai 2015 verschwanden Jungenten und wohl weitere Kleintiere in Philippsburg-Rheinsheim. Die polizeilichen Ermittlungen führten leider nicht zu den Tätern.
Fall 3:
Im Juni 2015 hat ein Mann beim Gassi gehen mit seinem Hund beobachtet, wie mehrere Männer an der Alb nahe des Grünwinkler Friedhofes in Grünwinkel-Daxlanden Enten zusammentrieben und in mitgeführte Säcke steckten.
Im August 2015 hat sich ein Tatverdacht gegen einen Mann bestätigt, der im Bereich des Karlsruher Stadtteils Oberreut Kaninchen gefangen hat. Diesbezüglich wurde der Staatsanwaltschaft Karlsruhe auch Anzeige vorgelegt. Allerdings handelte es sich bei dem Täter nicht um einen Flüchtling, sondern um einen wohnsitzlosen Mann.
„Die Polizei weiß nicht alles!“
Sollte man fast meinen, wenn man die Aussage des Status den offiziell gemeldeten Taten gegenüber stellt. Weiß die Userin also mehr? Oder Freunde von Ihr? Dass es eine Dunkelziffer gibt, ist sicherlich im Rahmen des Möglichen, da nicht jeder zur Polizei geht, der etwas sieht. Dann werden solche Fälle aber auch nie aufgeklärt oder zumindest erfasst.
„Die Polizei hat einen Maulkorb bekommen!“
Auch ein gern verwendetes Argument. Die Polizei hat angeblich „von ganz oben“ Anweisung erhalten, Straftaten von Flüchtlingen nicht mehr zu nennen. Woher diese Aussage aber kommt und welche Grundlage sie hat, bleibt im Dunkeln. Es wird einfach nur gerne behauptet, und wenn man dem widerspricht, solle man es beweisen. Ungeachtet der Tatsache, dass obige Behauptung genauso wenig bewiesen ist.
Fazit:
Es gab also tatsächlich Fälle, in denen Kleinwild eingefangen wurde. Und Katzen, die verschwinden, gibt es eigentlich das ganze Jahr über. Eindeutige Hinweise, dass Flüchtlinge daran schuld sind, gibt es allerdings nicht.
Des Menschen subjektive Wahrnehmung kann da ganz schön trügerisch sein. In den 90er Jahren z.B. verschwanden im Herbst viele Katzen im Raum Schlüchtern/Hessen. Gerüchte trugen sich schnell herum, dass Satanisten die Katzen für ihre Schwarzen Messen entführen, und tatsächlich sah man zu jener Zeit viele „Gothics“ (damals noch „Gruftis“ genannt) in der Ortschaft. Und das waren bestimmt alles Satanisten.
Die Lösung war viel einfacher:
Viele freilebende Katzen spielten und jagten in den Feldern rund um die Ortschaft. Und da Erntezeit war… nun ja, sie fanden kein schönes Ende. Ein aktiver Satanismus konnte jedoch nie festgestellt werden.
Gerüchte sind natürlich. Dass Tiere verschwinden ebenfalls. Jedoch können die Ursachen vielfältiger Natur sein. Es kann sein, dass mancher Flüchtling tatsächlich aus Hunger sich ein Tier schnappt. Tatsächlich belegte Fälle gibt es nicht.
Was aber der falsche Weg ist: Ein Schild mit einem Hinweis wild zu verteilen und damit sämtliche Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen!
Autor: Ralf, mimikama.org
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