Die Vorstellung, mit unseren geliebten Verstorbenen zu sprechen, ist so alt wie die Menschheit selbst. Science-Fiction und spirituelle Praktiken haben diese Sehnsucht immer wieder aufgegriffen. Doch jetzt, im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, wird dieser Traum bedenklich real. Start-ups versprechen trauernden Hinterbliebenen digitale Abbilder ihrer Verstorbenen – doch welche Gefahren verbergen sich hinter dieser Technologie?

Die Dokumentation „Eternal You“ von Hans Block und Moritz Riesewieck, die ab dem 20.6.2024 im Kino zu sehen ist, zeigt die fragwürdigen Entwicklungen und stellt drängende Fragen: Wollen wir das wirklich? Und wer trägt die Verantwortung für die tiefgreifenden psychologischen und ethischen Konsequenzen?

Die Idee, Verstorbene digital zum Leben zu erwecken, klingt verlockend.

Doch bei genauerem Hinsehen offenbaren sich massive ethische und psychologische Probleme. Hinterbliebene, die glauben, ihre Liebsten wiedersehen und sprechen zu können, werden in eine Welt der Illusionen geführt. Sie interagieren mit künstlich erzeugten Abbildern, die nur ein Abklatsch der echten Person sind. Ist das wirklich ein würdiger Umgang mit der Trauer? Oder verlagern wir den Schmerz nur in eine virtuelle Welt, ohne ihn wirklich zu bewältigen?

Eternal You – Vom Ende der Endlichkeit | Trailer

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Wer profitiert wirklich?

Während die Technologie von den Start-ups als revolutionär angepriesen wird, stellt sich die Frage: Wer zieht den wahren Nutzen daraus? Sind es die trauernden Hinterbliebenen oder doch die Unternehmen, die aus der menschlichen Sehnsucht nach Kontakt mit Verstorbenen Kapital schlagen? Der Dokumentarfilm „Eternal You“ zeigt eindrucksvoll, wie diese Firmen ihre Dienste vermarkten und welche wirtschaftlichen Interessen im Spiel sind. Es wird deutlich: Hier geht es nicht um Heilung, sondern um Profit.

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Psychologische Risiken und ethische Dilemmata

Die psychologischen Auswirkungen auf die Nutzer dieser Technologien können gravierend sein. Menschen, die glauben, durch digitale Abbilder Trost zu finden, laufen Gefahr, in eine Scheinwelt abzutauchen. Der natürliche Trauerprozess wird gestört, die Verarbeitung des Verlustes behindert. Zudem stellen sich ernste ethische Fragen: Wer entscheidet, welche Erinnerungen und Persönlichkeitsmerkmale in das digitale Abbild einfließen? Und wie wird mit dem Erbe der Verstorbenen umgegangen?

Die Verantwortung der Gesellschaft

Wir als Gesellschaft müssen uns fragen, ob wir diese Entwicklung unterstützen wollen. Ist es wirklich erstrebenswert, künstliche Abbilder unserer Verstorbenen zu schaffen? Oder sollten wir nicht vielmehr den natürlichen Trauerprozess respektieren und fördern? Die Verantwortung liegt nicht nur bei den Unternehmen, sondern auch bei uns allen, kritisch über die Nutzung solcher Technologien nachzudenken.

Mit Hilfe von KI zur digitalen Unsterblichkeit: Die neue Doku „Eternal You“ | Westart | WDR

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Positive Perspektiven:

1. Technologischer Fortschritt und Innovation

  • Innovative Nutzung von KI: Die Technologie, die digitale Abbilder von Verstorbenen erstellt, ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz und zeigt, wie weit die Technologie mittlerweile gekommen ist.
  • Erhaltung von Erinnerungen: Digitale Abbilder können dazu beitragen, Erinnerungen an geliebte Menschen lebendig zu halten und deren Geschichten und Persönlichkeiten für zukünftige Generationen zu bewahren.

2. Therapeutische Anwendungen

  • Trauerbewältigung: Für einige Menschen kann die Möglichkeit, mit einem digitalen Abbild eines Verstorbenen zu interagieren, therapeutische Vorteile haben und ihnen helfen, den Verlust besser zu verarbeiten.
  • Emotionaler Trost: Die Technologie kann emotionalen Trost spenden und das Gefühl vermitteln, dass Verstorbene in gewisser Weise weiterhin präsent sind.
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3. Soziale und kulturelle Bedeutung

  • Neuer Umgang mit dem Tod: Der Film und die Technologie regen zu neuen Denkweisen und Diskussionen über den Tod und den Umgang mit Verlust an, was zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit diesen Themen führen kann.
  • Ethikdebatten: Der Film fördert wichtige ethische Debatten und gesellschaftliche Diskussionen darüber, wie wir mit neuen Technologien umgehen wollen und welche Grenzen wir ziehen sollten.

4. Bildungs- und Aufklärungswert

  • Bewusstseinsbildung: „Eternal You“ klärt über die Möglichkeiten und Risiken der neuen Technologie auf und sensibilisiert die Zuschauer für die damit verbundenen ethischen und psychologischen Fragen.
  • Kultureller Beitrag: Der Film trägt zur kulturellen Reflexion über den Umgang mit Technologie, Tod und Trauer bei und bereichert das öffentliche Verständnis und die Debatte.

Negative Perspektiven

1. Ethische Bedenken

  • Ausbeutung von Trauer: Unternehmen, die digitale Abbilder von Verstorbenen erstellen, könnten die Trauer und Sehnsucht der Hinterbliebenen ausnutzen, um Gewinne zu erzielen, anstatt ihnen echten Trost zu spenden.
  • Verzerrte Darstellung der Verstorbenen: Die digitalen Abbilder können nur eine verzerrte oder unvollständige Darstellung der verstorbenen Person bieten, was zu einer falschen Erinnerung und Identität führen kann.

2. Psychologische Risiken

  • Störung des Trauerprozesses: Interaktionen mit digitalen Abbildern können den natürlichen Trauerprozess behindern und dazu führen, dass Menschen in einer illusionären Welt gefangen bleiben, anstatt den Verlust zu verarbeiten.
  • Abhängigkeit und Suchtgefahr: Es besteht die Gefahr, dass Hinterbliebene abhängig von diesen digitalen Abbildern werden und dadurch ihre Fähigkeit verlieren, in der realen Welt zu leben und zu interagieren.

3. Datenschutz- und Sicherheitsbedenken

  • Missbrauch von persönlichen Daten: Die Erstellung digitaler Abbilder erfordert umfangreiche persönliche Daten, die missbraucht oder gehackt werden könnten, was zu Datenschutzverletzungen führt.
  • Ungewisse rechtliche Rahmenbedingungen: Es gibt derzeit keine klaren rechtlichen Rahmenbedingungen, die den Umgang mit digitalen Abbildern von Verstorbenen regeln, was zu rechtlichen Grauzonen und möglichen Missbräuchen führen kann.
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4. Gesellschaftliche und kulturelle Auswirkungen

  • Veränderung der Trauerkultur: Die Technologie könnte traditionelle Formen des Trauerns und Gedenkens verdrängen und die Art und Weise, wie Gesellschaften mit Tod und Verlust umgehen, fundamental verändern.
  • Unmenschliche Begegnungen: Die Interaktion mit künstlichen Abbildern könnte menschliche Begegnungen und echte zwischenmenschliche Beziehungen ersetzen, was zu einer Entfremdung und Isolation führen kann.

Fazit

Die Möglichkeit, mit Verstorbenen durch Künstliche Intelligenz in Kontakt zu treten, klingt wie ein verlockender Traum, entpuppt sich jedoch als gefährliche Illusion. Der Dokumentarfilm „Eternal You“ zeigt eindrucksvoll die psychologischen und ethischen Fallstricke dieser Technologie. Es ist an der Zeit, innezuhalten und kritisch zu reflektieren, ob wir diesen Weg wirklich beschreiten wollen.

Verweis: Webseite / Eternal you

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Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)