Statistik manipuliert: Kriminalitäts-Grafik über Ausländer und Deutsche ist irreführend

Fehlinterpretation der Kriminalstatistik führt zu falschen Behauptungen

Die Behauptung

Ausländische Männer sind fast viermal häufiger tatverdächtig als deutsche Männer, so eine virale Grafik, die auf Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik basiert.

Aufgestellt von: Unbekannt

Falsch

Falsch! Die Grafik nutzt eine unzulässige Berechnungsmethode, indem sie Tatverdächtigen-Zahlen mit der Wohnbevölkerung vergleicht. Nicht in Deutschland lebende Tatverdächtige sowie demografische Faktoren werden ignoriert, was die Aussage entkräftet.

Kurze Faktenübersicht:

  • Vergleich verzerrt: Tatverdächtige umfassen Touristen, Durchreisende und Illegale, die nicht in der Wohnbevölkerung gezählt werden.
  • Fehlende demografische Einordnung: Junge Altersgruppen sind häufiger tatverdächtig; Deutsche haben mehr Rentner, die seltener straffällig werden.
  • Ausländerrechtliche Verstöße nicht berücksichtigt: Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht verzerren die Statistik zugunsten eines falschen Narrativs.

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Die irreführende Grafik: Was wurde behauptet?

In sozialen Netzwerken kursiert eine Grafik, die behauptet, dass ausländische Männer fast viermal so häufig tatverdächtig seien wie deutsche Männer. Dies wird durch eine einfache Rechnung begründet: Man setzt die Anzahl der tatverdächtigen Ausländer aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) in Relation zur Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer laut Statistischem Bundesamt.

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Diese Berechnung scheint auf den ersten Blick logisch, beruht jedoch auf einem fundamentalen Fehler:
Die PKS erfasst nicht nur in Deutschland lebende Ausländer, sondern auch Touristen, illegale Einwanderer, Grenzpendler und sogar ausländische Streitkräfte. Diese Menschen sind in der Bevölkerungsstatistik nicht enthalten, was zu einer massiven Verzerrung führt.

Warum dieser Vergleich nicht zulässig ist

Laut PKS waren im Jahr 2023 insgesamt 720.666 ausländische, männliche Tatverdächtige registriert. Zeitgleich lebten laut Statistischem Bundesamt rund 7,3 Millionen nichtdeutsche Männer in Deutschland. Daraus leiteten die Autoren der Grafik eine sogenannte „Tatverdächtigenbelastungszahl“ von 9.865 pro 100.000 ausländische Männer ab.

Doch diese Rechnung ist grob fehlerhaft. In der PKS sind viele Tatverdächtige enthalten, die gar nicht in Deutschland leben:

  • 57.390 Tatverdächtige lebten nachweislich nicht in Deutschland.
  • 86.816 hatten keinen festen oder unbekannten Wohnsitz.
  • Rechnet man diese Gruppen heraus, bleiben nur 401.848 registrierte ausländische Tatverdächtige in Deutschland – fast 320.000 weniger als die Grafik suggeriert.

Hinzu kommt: Deutsche, die im Ausland Straftaten begehen, tauchen in der PKS nicht auf. Somit bleiben deutsche Tatverdächtige in dieser Statistik unterrepräsentiert.

Warum ist die Rechnung falsch?

📌 Problem 1: Tatverdächtige ≠ Einwohner

  • Die 720.666 tatverdächtigen, nichtdeutschen Männer enthalten viele Personen, die gar nicht in Deutschland wohnen (z. B. Touristen, Durchreisende, illegale Migranten).
  • Richtig wäre, nur Tatverdächtige mit Wohnsitz in Deutschland zu berücksichtigen.

📌 Problem 2: Aufenthaltsdelikte verfälschen das Bild

  • 298.909 Straftaten in der PKS 2023 betreffen Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz.
  • Diese Verstöße können Deutsche nicht begehen, wodurch die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen künstlich steigt.

📌 Problem 3: Die Altersstruktur wird ignoriert

  • Deutsche haben einen höheren Anteil an Rentnern, die seltener straffällig werden.
  • Dadurch wird die Kriminalitätsrate von Deutschen statistisch gedrückt, während die von Nichtdeutschen (wegen ihres höheren Anteils junger Männer) überrepräsentiert erscheint.

Was wäre die richtige Berechnung?

  • Nur 401.848 ausländische männliche Tatverdächtige mit Wohnsitz in Deutschland berücksichtigen.
  • Aufenthaltsdelikte abziehen → übrig bleiben ca. 6.500 – 7.000 Tatverdächtige pro 100.000 nichtdeutsche Männer (statt 9.865).
  • Die Altersstruktur mit einbeziehen.

Hier wurde also eine fehlerhafte Berechnung gemacht, indem sie Tatverdächtige mit der Wohnbevölkerung verglichen, ohne Korrekturen für Wohnsitz, Aufenthaltsdelikte und Altersstruktur vorzunehmen. Das BKA selbst warnt davor, solche Zahlen zu berechnen, weil sie zu falschen Schlussfolgerungen führen.

Verzerrung durch ausländerrechtliche Verstöße

Ein weiterer Fehler der Grafik ist, dass sie ausländerrechtliche Verstöße nicht herausrechnet. Straftaten wie Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- oder Freizügigkeitsgesetz betreffen fast ausschließlich Nichtdeutsche und sind damit kein geeigneter Vergleichsparameter. Zieht man diese Straftaten ab, sinkt die Zahl der tatverdächtigen ausländischen Männer auf 546.054.

Altersstruktur als wichtiger Faktor

Ein weiterer zentraler Aspekt, den die irreführende Grafik außer Acht lässt, ist die Altersstruktur der Bevölkerung. Junge Menschen sind häufiger tatverdächtig als ältere:

  • 16- bis 17-Jährige: 7.125 Tatverdächtige pro 100.000.
  • 21- bis 22-Jährige: 6.241 Tatverdächtige pro 100.000.
  • Über 60-Jährige: 1.043 Tatverdächtige pro 100.000.

In Deutschland leben verhältnismäßig mehr junge Ausländer als Deutsche. Ende 2023 waren 24,8 % der deutschen Bevölkerung älter als 65 Jahre, aber nur 9 % der ausländischen Bevölkerung. Dadurch wird die Kriminalitätsrate bei Deutschen statistisch gedrückt, was den Vergleich weiter verzerrt.

Was die Kriminalstatistik wirklich aussagt

Wichtig ist zu verstehen, dass die PKS keine Aussage darüber trifft, ob ein Tatverdächtiger am Ende auch verurteilt wird. Die Statistik erfasst Verdächtige, nicht Verurteilte. Eine Anklage oder ein Freispruch sind nicht Teil dieser Statistik, was ihre Aussagekraft weiter einschränkt.

Zusätzlich sind ausländerrechtliche Verstöße ein wichtiger Faktor, der die Gesamtzahl der Tatverdächtigen ausländischer Herkunft beeinflusst. Die folgende Tabelle aus der PKS 2023 zeigt, dass fast 300.000 Straftaten auf Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz entfallen. Diese Straftaten können Deutsche nicht begehen, was die Statistik verzerrt:

Ohne diese Verstöße würde die Zahl der tatverdächtigen Ausländer erheblich sinken. Daher ist es irreführend, solche Daten ohne Kontext zu vergleichen.

Fazit: Die Grafik ist irreführend und falsch

Die Grafik versucht, mit einer vermeintlich einfachen Berechnung, einen überproportional hohen Anteil ausländischer Tatverdächtiger zu suggerieren. Dabei werden mehrere entscheidende Faktoren ignoriert:

  1. Nicht alle Tatverdächtigen leben in Deutschland, aber sie werden mit der Wohnbevölkerung verglichen.
  2. Ausländerrechtliche Verstöße werden nicht herausgerechnet.
  3. Die Altersstruktur spielt eine entscheidende Rolle, da jüngere Menschen häufiger tatverdächtig sind.

Die Schlussfolgerungen der Grafik sind daher schlichtweg falsch. Wer sich auf die Polizeiliche Kriminalstatistik beruft, sollte diese Zahlen nicht ohne Kontext verwenden – sonst entsteht eine gezielt verzerrte Darstellung der Realität.

Quelle: DPA

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