Die Behauptung
„50 bis 100 Prozent der Hilfsgüter landen bei der Hamas“ – das behauptete die BILD-Zeitung am 2. August 2025 unter Berufung auf angebliche Informationen aus der Bundesregierung. Die Schlagzeile lautete: „Merz besorgt: Hamas krallt sich fast alle Hilfsgüter!“
Diese Aussage wurde breit zitiert, auch von anderen Medien und in sozialen Netzwerken.
Aufgestellt von: Unbekannt
Faktencheck: Irreführend
Die Behauptung, Hamas raube fast alle Hilfsgüter, ist nicht belegt. Weder Kanzler Merz noch ein Ministerium haben diese Zahl je bestätigt.
Laut Tagesspiegel erklärte das Bundesverteidigungsministerium: „Zu diesen Zahlen liegen keine Erkenntnisse vor.“ Auch die Bundeswehr räumt ein, sie könne nicht sagen, wer die Hilfen empfängt – „weil wir kein Personal am Boden haben.“ Internationale Berichte und eine umfassende USAID-Analyse zeigen: Die Hauptursachen für das Verschwinden von Hilfen sind Plünderungen, Chaos und fehlende Kontrolle – nicht ein gezielter Diebstahl durch Hamas.
Kurze Faktenübersicht:
- Die BILD-Zahl ist unbelegt. Bundesregierung und Bundeswehr haben keine eigenen Erkenntnisse.
- Hauptursachen für Verluste: Kriminelle Banden, fehlende Kontrolle, kaputte Infrastruktur.
- USAID bestätigt: Kein Nachweis für massive Hamas-Veruntreuung.
- Humanitäre Katastrophe: Millionen Menschen hungern trotz tonnenweiser Hilfe.
„Hamas krallt sich alles“ – woher kommt diese Behauptung?
Die Zahl „50 bis 100 Prozent“ stammt ausschließlich aus einem BILD-Bericht vom 2. August. Dort beruft man sich auf „Sicherheitskreise“ – ohne Quellen, ohne Belege. Dennoch wurde die Behauptung von WELT, Focus Online und in politischen Kommentaren weiterverbreitet.
Auch Kanzler Merz sprach von Sorge um „große Mengen“ abgefangener Hilfen. Regierungssprecher Kornelius sagte: „Wir sind besorgt über Informationen, wonach große Mengen von Hamas oder kriminellen Organisationen zurückgehalten werden.“ Aber: Keine offizielle Stelle nannte je konkrete Zahlen.
Im Gegenteil: Das Bundesverteidigungsministerium erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, man habe keine Erkenntnisse zu den 50–100 %. Auch die Bundeswehr räumt ein, sie könne nicht sagen, wer die abgeworfenen Paletten aufnimmt – weil niemand vor Ort ist.
Damit stützt sich die dramatische Behauptung auf vage Hinweise und Boulevardzitate, nicht auf überprüfbare Fakten. Das ist gefährlich – denn sie lenkt vom wahren Problem ab: dem Zusammenbruch der Versorgungssicherheit.
Warum verschwinden so viele Hilfsgüter?
Deutschland warf Anfang August 14 Tonnen Hilfsgüter über Gaza ab. Gemeinsam mit Frankreich, Jordanien, Ägypten und den VAE wird versucht, Hilfe trotz blockierter Landwege zu liefern.
Doch Hilfsorganisationen warnen: Diese Luftabwürfe sind teuer, ineffizient und riskant. Laut UNRWA-Chef Lazzarini ein „Ablenkungsmanöver“. Das WFP spricht von siebenfach höheren Kosten gegenüber Lkw-Transporten. Mehrere Menschen kamen bei Abwürfen bereits ums Leben.
Noch problematischer ist, was danach passiert:
Wer die Hilfen einsammelt, weiß niemand. Es gibt keine internationale Kontrolle vor Ort. Laut ZDF und Tagesspiegel werden viele Lieferungen direkt nach Grenzübertritt geplündert – von Banden, Milizen, Schmugglern.
Am Grenzübergang Kerem Shalom etwa, so ägyptische Beamte gegenüber dem Wall Street Journal, werden nahezu alle Hilfen gestohlen. Was nicht verschwindet, landet auf Schwarzmärkten – zu Preisen, die sich niemand leisten kann.
UN-Organisationen warnen seit Ende 2024: Organisierte Kriminalität ist die größte Hürde. Lkw verschwinden, Fahrer werden bedroht oder getötet, niemand schützt die Transporte. Gaza ist in vielen Regionen ein gesetzloses Niemandsland – ein gefährliches Vakuum, in dem jede Hilfe zur Beute werden kann.
Was USAID wirklich herausfand – und was nicht
Eine brisante Analyse von USAID belegt:
Von 156 dokumentierten Vorfällen mit verschwundenen Hilfsgütern zwischen Oktober 2023 und Mai 2024 konnten keine eindeutig Hamas zugeordnet werden.
Die Organisation erklärt klar: Kein systematischer Diebstahl durch Hamas nachweisbar. Zwar seien Hilfen auch in Hamas-Gebieten verschwunden, doch die Täter seien unbekannt – und vieles spreche für spontane Plünderungen.
Auch Helfer vor Ort widersprechen der Hamas-These. Die Washington Post zitiert: „Wir haben keine einzige Lieferung durch Hamas verloren.“ Und ein US-Beamter erklärt: „Die größten Verluste entstehen durch das Chaos – nicht durch politische Kontrolle.“
Allerdings: USAID räumt ein, dass keine lückenlose Überwachung möglich sei. Einzelne Hamas-Angehörige könnten über familiäre Netzwerke oder Schwarzmärkte profitieren. Aber das ist kein Beweis für gezielte Aneignung.
Israelische Stellen behaupten zwar, Hamas nehme sich „bis zu 25 Prozent“ der Hilfen – aber öffentlich überprüfbare Beweise wurden nie vorgelegt. Hamas dementiert, Israel schweigt zu Nachfragen. Eine unabhängige Prüfung fehlt.
Wer trägt die Verantwortung?
Die Lage ist chaotisch – aber das Versagen hat Namen.
- Israel kontrolliert die Grenzen. Tausende Lkw mit Hilfen warten auf Einlass. Hilfsorganisationen fordern sichere Korridore – doch politische Blockaden verhindern sie.
- Deutschland hilft mit Luftabwürfen, hat aber keine Kontrolle, was am Boden passiert. Die Bundeswehr kann nicht verfolgen, wo die Hilfe landet.
- Auch UNRWA und WFP sind kaum handlungsfähig.
- Viele fordern internationale Beobachter oder UN-Truppen, um Konvois zu sichern – bislang erfolglos.
Der Preis für diese Lähmung ist hoch: Zivilisten hungern. Medikamente, Wasser, Babynahrung – alles fehlt. Die Washington Post zitiert einen Mann aus Gaza:
„Diebe stehlen 90 Prozent der Hilfen – und wir müssen sie dann auf dem Markt teuer zurückkaufen.“
FAQ – Häufige Fragen zur Gaza-Hilfe
Hat die Hamas Hilfsgüter gestohlen?
Es gibt keine überprüfbaren Beweise, dass die Hamas systematisch Hilfsgüter stiehlt. Einzelne Profite durch Schwarzmärkte sind möglich, aber nicht belegt oder dokumentiert.
Warum verschwinden so viele Hilfen?
Wegen Plünderungen, Chaos, zerstörter Infrastruktur und fehlender Kontrolle. Luftabwürfe sind besonders schwer nachzuverfolgen.
Was sagt die Bundesregierung?
Sie zeigt sich besorgt, nennt aber keine Zahlen. Offiziell heißt es: „Keine Erkenntnisse vorliegend.“
Was sagt die internationale Gemeinschaft?
UN-Organisationen fordern sichere Korridore und neutrale Überwachung. USAID fand keinen Beleg für massive Hamas-Veruntreuung.
Kommt die Hilfe überhaupt an?
Nur teilweise. Vieles verschwindet auf dem Weg oder wird auf Schwarzmärkten verkauft. Millionen Menschen bleiben unterversorgt.
Fazit: Keine Beweise für Hamas-Raub – aber ein Desaster mit Ansage
Die Zahl „50 bis 100 Prozent“ ist eine nicht belegte Boulevard-Behauptung – medial aufgeblasen, politisch zitiert, aber faktenfrei.
Was stimmt: Ein Großteil der Hilfen kommt nicht an. Aber nicht wegen Hamas allein, sondern wegen eines kompletten Kontrollversagens.
Wenn Deutschland, Israel und die internationale Gemeinschaft nicht bald für gesicherte, überwachte Verteilung sorgen, bleibt jede Hilfe nur Symbolpolitik – und die Menschen in Gaza zahlen den Preis.
Lesenswert: Achtung: Diese Vermisstenmeldungen auf Facebook sind Fake!
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
