Meta soll 25 Milliarden Dollar zahlen – was der Gewinnsprung verdeckt

New Mexico meldet eine Milliardenstrafe gegen Facebook. Zugleich steigt Metas Nettogewinn stark – doch der Vergleich zum Vorjahr ist durch einen Steuereffekt verzerrt.

📖Welche Codes und Symbole werden in extremistischen Inhalten genutzt? Antworten finden Sie im Leitfaden Rechtsextremismus im Internet.
Das Wichtigste in Kürze

Worum geht es?
Ein Gericht in New Mexico hat Facebook zu 25 Milliarden US-Dollar Geldstrafe verurteilt. Zugleich meldet der Mutterkonzern Meta einen deutlich höheren Nettogewinn.

Was haben wir herausgefunden?
Laut Staatsanwaltschaft folgt die Strafe auf fast 44 Millionen festgestellte Verstöße gegen das Verbraucherschutzrecht. Der Gewinnanstieg wird durch eine außergewöhnlich niedrige Vergleichsbasis aus 2025 begünstigt.

Was bedeutet das?
Die Entscheidung betrifft irreführende Versprechen zum Datenschutz und zum Umgang mit problematischen Inhalten. Meta setzt auf Berufung. Aus dem höheren Nettogewinn lässt sich nicht ablesen, dass die Strafe wirtschaftlich folgenlos bleibt.

Facebook soll nach einer Gerichtsentscheidung in New Mexico 25 Milliarden US-Dollar zahlen. Das Justizministerium des US-Bundesstaats meldete die Entscheidung am 21. Oktober 2026. Grundlage ist das dortige Gesetz gegen unlautere Geschäftspraktiken, der Unfair Practices Act. Laut CBS News rechnet Meta damit, sich in der Berufung durchzusetzen. Der Konzern akzeptiert die Entscheidung also nicht.

Mimikama braucht Verstärkung – hilf uns, eine weitere Person ins Team zu holen

Die Summe bezeichnet eine zivilrechtliche Geldstrafe im staatlichen Verbraucherschutzverfahren. Eine bereits erfolgte Zahlung lässt sich aus der Mitteilung nicht ableiten. Auch die Formulierung „höchste Strafe ever“ geht weiter als die Behördenquelle: Diese spricht von einer der größten finanziellen Sanktionen gegen ein Unternehmen in der Geschichte der USA. Der präzise Betrag braucht keinen zusätzlichen Weltrekord, um seine Größenordnung zu zeigen.

Das Verfahren reicht über Cambridge Analytica hinaus

Bereits am 25. September hatte eine Jury nach Angaben der Staatsanwaltschaft 43.899.725 Verstöße festgestellt. Damit war zunächst die Haftung geklärt; die finanzielle Sanktion folgte in einem eigenen Schritt. New Mexico verfolgte seinen Fall unabhängig, statt sich einem Vergleich mehrerer Bundesstaaten anzuschließen. Es handelt sich um ein Verfahren nach dem Recht dieses Bundesstaats.

Ausgangspunkt war der Cambridge-Analytica-Skandal um den Missbrauch persönlicher Facebook-Daten. Die untersuchten Zusicherungen betrafen unter anderem die Kontrolle der Nutzerinnen und Nutzer darüber, wie ihre Informationen weitergegeben werden. Auch Facebooks Versprechen zur Untersuchung von Apps nach dem Skandal waren Teil des Verfahrens. Laut der Mitteilung zum Juryentscheid wurden entsprechende Aussagen als vorsätzlich irreführend beurteilt.

Hinzu kamen Aussagen über die Entfernung schädlicher Desinformation und den Umgang mit Hassrede. Die Jury beanstandete laut Staatsanwaltschaft beispielsweise Zusicherungen, Facebook profitiere nicht von Desinformation oder Hass und wende seine Gemeinschaftsstandards einheitlich an. Der Fall betrifft damit auch die Verlässlichkeit öffentlicher Aussagen darüber, wie die Plattform ihre eigenen Regeln durchsetzt.

Warum 264 Prozent mehr Gewinn eine Erklärung brauchen

Meta weist für das dritte Quartal 2026 64,6 Milliarden Dollar Umsatz und 9,86 Milliarden Dollar Nettogewinn aus. Das entspricht einem Umsatzplus von 26 Prozent und einem Gewinnanstieg von 264 Prozent. Der operative Gewinn, also das Ergebnis des laufenden Geschäfts vor Zinsen und Steuern, sank allerdings um 37 Prozent auf knapp 13 Milliarden Dollar.

Die niedrige Vergleichsbasis erklärt sich aus dem Vorjahr: Im dritten Quartal 2025 verbuchte Meta eine einmalige, nicht zahlungswirksame Steuerbelastung von 15,93 Milliarden Dollar. Sie drückte den damaligen Nettogewinn auf rund 2,71 Milliarden Dollar. Ohne diesen Sondereffekt hätte er nach Unternehmensangaben 18,64 Milliarden Dollar betragen. Der aktuelle prozentuelle Sprung vergleicht sich also mit einem außergewöhnlich schwachen ausgewiesenen Vorjahreswert. Er bedeutet keine entsprechende Verbesserung des laufenden Geschäfts.

Zwei unterschiedliche Rechtsfälle

Im aktuellen Quartal belasteten außerdem 9,89 Milliarden Dollar Rechtskosten das Ergebnis. Meta ordnet sie einer im August geschlossenen Vereinbarung über Verfahren zur psychischen Gesundheit Jugendlicher und sozialen Medien zu. Dieser Aufwand gehört zu einem anderen Fall als die nun verhängte 25-Milliarden-Dollar-Strafe. Die Beträge dürfen deshalb nicht gleichgesetzt werden.

Zum Quartalsende meldete Meta 82,45 Milliarden Dollar an Zahlungsmitteln und marktfähigen Wertpapieren. Rein rechnerisch entspricht die neue Strafe rund 30 Prozent dieses Bestands. Das ist ein Größenvergleich, keine Aussage über einen Zahlungstermin oder die endgültige Belastung.

Für Nutzerinnen und Nutzer liegt die Bedeutung des Verfahrens in den geprüften Zusicherungen: Wer persönliche Informationen preisgibt, muss einschätzen können, was die Plattform damit macht. Dasselbe gilt für Versprechen über den Umgang mit schädlichen Inhalten. Wie viel eine Sanktion am Verhalten des Konzerns verändert, wird sich an seinen tatsächlichen Praktiken messen lassen. Die Höhe eines einzelnen Quartalsgewinns beantwortet diese Frage nicht.

Kostenlos · der tägliche Mimikama-Newsletter

Fakten statt Aufregung. Direkt in dein Postfach.

Die wichtigsten Faktenchecks und Meldungen des Vortags – jeden Morgen kostenlos und unabhängig vom Social-Media-Algorithmus.

Ich möchte den oben angeführten Newsletter erhalten und stimme zu, dass meine E-Mail-Adresse zu diesem Zweck verarbeitet wird. Ich kann den Newsletter jederzeit abbestellen. Details in der Datenschutzbestimmung.


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)