Mimikama 2025 – Orientierung im digitalen Lärm

Arbeitsbericht zur Bekämpfung von Desinformation

→Wie beeinflussen Narrative die öffentliche Meinung? Antworten finden Sie im Leitfaden Narrative & Meinungsmache.

2025 war kein Jahr der einzelnen Falschbehauptung. Es war ein Jahr der Überlagerung.

Desinformation trat nicht mehr als spektakulärer Einzelfake auf, sondern als Dauerzustand. Als System aus Wiederholung, Emotionalisierung und bewusster Grenzverschiebung. Ziel war nicht mehr Überzeugung, sondern Ermüdung.

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Das Gefühl: „Man weiß ja eh nicht mehr, was stimmt.“

Genau dort setzt unsere Arbeit an: Mimikama versteht sich nicht als schneller Gegenspieler jeder Lüge, sondern als Ort der Einordnung. Wir erklären nicht nur, was falsch ist, sondern auch, warum es wirkt. 2025 war deshalb erfolgreich – aber auch anstrengend. Emotional, mental und strukturell. Gerade deshalb war es eines der wichtigsten Jahre unserer Arbeit.

Unser Kerngeschäft 2025

Mimikama hat 2025 nicht einfach Inhalte produziert. Wir haben Strukturen geschaffen, die bleiben.

Im Laufe des Jahres sind rund 2.000 redaktionelle Beiträge erschienen. Dazu zählen Faktenchecks, Bild- und Videoanalysen, Narrativeinordnungen, Warnungen vor Betrugsmaschen sowie erklärende Hintergrundtexte. Unsere Arbeit folgt dabei keinem Hype-Zyklus, sondern der Frage, wo Einordnung tatsächlich notwendig ist.

Zusätzlich haben wir veröffentlicht:

Diese Formate sind kein Zusatz. Sie bilden das Rückgrat unserer Arbeit. Sie erlauben Tiefe, Zitierfähigkeit und langfristige Nutzung – jenseits des täglichen Newsrauschens.

Tiefe statt Klicklogik

Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit passiert dort, wo Algorithmen kaum hinschauen: im Mimikama-Club.

Der Mimikama-Club ist unser Unterstützer:innenbereich, getragen von Menschen, die unsere Arbeit regelmäßig über Steady finanzieren. Er ist kein Bonusangebot und kein Zusatzprodukt, sondern ein zentraler Teil unserer redaktionellen Struktur. Ohne diese Unterstützung wäre unsere Arbeit in der heutigen Form nicht möglich.

2025 wurden im Mimikama-Club hunderte ausführliche Texte veröffentlicht. Gründlich recherchiert, sauber belegt, oft unbequem. Diese Inhalte sind nicht laut und nicht auf Reichweite gebaut. Sie entstehen bewusst jenseits von Klicklogik und Algorithmusdruck.

Der Club ermöglicht uns, Themen vertieft zu behandeln, Zusammenhänge zu erklären und dort zu arbeiten, wo Einordnung Zeit braucht. Er schafft den Raum für Qualität, die im öffentlichen Feed oft keinen Platz findet – und finanziert genau diese Arbeit gleichzeitig mit.

Der Mimikama-Club ist damit nicht nur ein Ort für Tiefe, sondern eine tragende Säule unserer Unabhängigkeit.

Schutz ist Teil von Verantwortung

Aufklärungsarbeit über Desinformation ist belastend. Wer täglich mit Hass, Manipulation, Drohungen und gesellschaftlichen Abgründen arbeitet, braucht Schutzstrukturen.

2025 haben wir deshalb im Online-Team die 4-Tage-Woche eingeführt. Nicht aus Komfortgründen, sondern aus Verantwortung. Niemand profitiert davon, wenn Menschen ausbrennen, während sie versuchen, andere aufzuklären.

Aus demselben Grund haben wir auf Facebook acht Monate lang die Kommentarspalte geschlossen. Nicht aus Trotz, sondern aus Selbstschutz. Später haben wir sie bewusst wieder geöffnet – moderiert, klar geregelt, ohne Eskalationslogik.

Der „Ort der Ruhe“ ist keine Floskel. Er ist eine redaktionelle Entscheidung.

Neue Formen der Auseinandersetzung

Unsere Facebook-Gruppe wurde 2025 neu ausgerichtet und trägt nun den Namen „Mimikama FaktenTrainings“. Keine Artikelschleuder, kein Dauerlärm. Klare Themen, begrenzte Zeiträume, echte Arbeit mit Nutzerinnen und Nutzern.

Auch unsere Newsletter haben sich weiterentwickelt. Neben dem täglichen Newsletter gibt es nun einen Live-Faktencheck-Newsletter für akute Lagen sowie dienstags die „Stimme gegen Fakes“ – ein essayistisches Hintergrundformat, das erklärt, warum Desinformation wirkt und wie man ihr den Zauber nimmt.

Nähe, Bindung und Vertrauen sind dabei kein Selbstzweck. Sie sind Voraussetzung für Wirkung.

Reichweite mit Verantwortung

Auch das gehört zur Realität unserer Arbeit.

2025 verzeichnete unsere Facebook-Seite rund 108 Millionen Aufrufe und über 5 Millionen Interaktionen. Auf Instagram kamen zusätzlich rund 40 Millionen Aufrufe mit über 1 Million Interaktionen hinzu.

Das ist Reichweite auf Medienniveau. Und Reichweite verpflichtet.

Jeder Beitrag wird recherchiert, eingeordnet, formuliert, moderiert und oft auch emotional ausgehalten. Nicht als Selbstzweck, sondern als Stabilität. Als Unabhängigkeit. Als Schutz davor, jedem Algorithmus oder jeder Förderlogik hinterherlaufen zu müssen.

Öffentliche Angriffe und mediale Gegenwehr

Aufklärungsarbeit bleibt nicht folgenlos. Wer Desinformation sichtbar macht, berührt Interessen.

2025 wurde Mimikama wiederholt Ziel öffentlicher Angriffe, Unterstellungen und verzerrender Darstellungen – unter anderem auch durch reichweitenstarke Boulevardmedien wie BILD. Dabei ging es nicht um sachliche Kritik an unserer Arbeit, sondern um vereinfachende Frames, persönliche Zuschreibungen und das bewusste Infragestellen unserer Glaubwürdigkeit.

In einem dieser Fälle haben wir den Rechtsweg beschritten. Das Landgericht Hamburg hat uns mit Beschluss vom 9. Dezember 2025 im Wege der einstweiligen Verfügung Recht gegeben. Dem Axel-Springer-Verlag sowie zwei beteiligten Journalisten wurde untersagt, die unwahre Behauptung zu verbreiten, Mimikama sei eine größtenteils staatlich unterstützte Meldestelle. Das Gericht stellte fest, dass es sich dabei um eine unwahre Tatsachenbehauptung handelt, die unser Vereinspersönlichkeitsrecht verletzt.

Dieser Schritt war für uns kein Selbstzweck, sondern eine notwendige Klarstellung. Wo falsche Tatsachenbehauptungen Vertrauen untergraben, gehört ihnen widersprochen – notfalls auch mit juristischen Mitteln.

Solche Angriffe sind kein Zufall. Sie entstehen dort, wo faktenbasierte Einordnung den Mechaniken von Empörung, Polarisierung und Zuspitzung widerspricht. Boulevardlogiken stehen strukturell im Konflikt mit ruhiger, erklärender Aufklärungsarbeit.

Wir haben uns dennoch bewusst entschieden, auf öffentliche Eskalation nicht mit Gegeneskalation zu reagieren. Stattdessen setzen wir auf Transparenz, belegbare Fakten und nachvollziehbare Prozesse. Auch das ist Teil von Mediaachtsamkeit: nicht jeden Angriff auszuschlachten, sondern dort konsequent zu handeln, wo Grenzen überschritten werden.

Bildung findet auch offline statt

Mimikama ist mehr als eine Website.

2025 gab es so viele Workshops, Vorträge und Auftritte wie schon lange nicht mehr. Möglich wurde das durch ein kleines, hochverlässliches Offline-Team, das ohne Dauerabstimmung, aber mit hoher Verantwortung arbeitet.

Für 2026 wurden neue Medienkooperationen abgeschlossen, unter anderem mit SAT.1, PULS 24, ATV und Joyn. Reichweite, ja – vor allem aber Verantwortung.

Wohin wir 2026 gehen: Mediaachtsamkeit

2026 steht für Mimikama unter einem neuen Dach: Mediaachtsamkeit.

Mediaachtsamkeit ist kein Projekt und kein Schlagwort. Sie ist das neue Ordnungsprinzip unserer Arbeit. Eine bewusste Gegenhaltung zur lauten, eskalierenden und algorithmisch getriebenen digitalen Öffentlichkeit.

Unser Ziel ist nicht maximale Reichweite, sondern Wirkung.
Nicht Geschwindigkeit, sondern Orientierung.
Nicht Eskalation, sondern Resilienz.

Mediaachtsamkeit bedeutet auch, bewusste Entscheidungen darüber zu treffen, wo wir arbeiten – und wo nicht. Mimikama konzentriert seine Aufklärungsarbeit dort, wo Desinformation Menschen tatsächlich erreicht und schädigt. Das sind derzeit vor allem Facebook und Instagram.

Andere Plattformen wie Bluesky oder Mastodon bleiben Orte der Vernetzung und des fachlichen Austauschs. Diese Priorisierung ist kein Rückzug, sondern eine Entscheidung für Fokus statt Plattform-FOMO.

Konkret wird Mediaachtsamkeit durch vier Bausteine:

  1. den Ort der Ruhe als geschützten, moderierten Gesprächsraum. Hier auf Mimikama.org.
  2. RealityCheck als Posting-Simulator,
  3. den Social-Media-Führerschein als strukturierte Wissensebene,
  4. und den Eltern-Kind-Vertrag als alltagsnahe Verantwortungsebene.

Diese Elemente bilden ein System. Maßstab dafür ist der „Ort der Ruhe“.

Der „Ort der Ruhe“ ist dabei kein Bild und kein Marketingbegriff, sondern ein konkretes Vorhaben. Gemeint ist ein geschützter, moderierter Gesprächsraum innerhalb von mimikama.org. Kein soziales Netzwerk im klassischen Sinn, keine Kommentararena und kein Reichweitenexperiment. Sondern ein bewusst kleiner Ort, an dem Menschen Informationen einordnen, Fragen stellen und diskutieren können – ohne algorithmischen Druck, ohne Eskalationslogik und ohne permanente Bewertung durch Likes oder Rankings. Der Ort der Ruhe ist damit der Referenzrahmen für unsere Arbeit ab 2026: Er steht für weniger Lautstärke, mehr Orientierung und für die Entscheidung, Wirkung über Sichtbarkeit zu stellen. Er richtet sich ausdrücklich an Menschen, die Orientierung suchen – nicht an jene, die digitale Konflikte weiter antreiben wollen.

2026 wird kein Jahr des maximalen Tempos. Es wird ein Jahr der bewussten Reduktion. Langsamer, erklärungsbedürftiger – aber tragfähig.

Transparenz zum Schluss

Mimikama ist unabhängig. Keine Regierung, kein Konzern, keine Stiftung bestimmt unsere Themen oder Bewertungen. Diese Unabhängigkeit ist Voraussetzung für Glaubwürdigkeit.

2025 hat gezeigt: Aufklärung funktioniert. Aber sie braucht Struktur, Schutz und Menschen, die sie tragen.

Das war 2025 bei Mimikama.
2026 setzen wir diese Arbeit fort.


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