Vier harmlose Quizfragen, neun Klicks auf virtuelle Boxen und schon rollt eine echte Kühlbox voller MOËT & CHANDON zur Haustür – bereitgestellt von der Kelterei höchstpersönlich.
Aufgestellt von: WhatsApp
Falsch
Falsch. Hinter dem angeblich harmlosen „MOËT & CHANDON Sommer 2025“-Gewinnspiel steckt kein Spaß, sondern knallharter Datenklau. Kriminelle fälschen das Markenbild der Kelterei, täuschen einen knappen Vorrat („nur 250 Preise übrig“) vor und leiten WhatsApp-Nutzer auf dubiose Webseiten wie wpclick.cc und androidlnk.cc weiter. Dort werden persönliche Daten abgegriffen, Geräte ausgespäht und im schlimmsten Fall sogar teure Abo-Fallen ausgelöst. Was aussieht wie eine Sommeraktion, ist in Wahrheit ein eiskalter Betrug.
💬Woran erkennt man WhatsApp-Betrug wie den „Hallo Mama"-Trick? Antworten finden Sie im Leitfaden WhatsApp-Betrug.
Die perfekte Täuschung: Sonne, Strandbild, Palmen, Luxus
Es handelt sich aktuell um diese WhatsApp-Nachricht mit
„GEWINNE DIESEN KÜHLER! Hallo und herzlich willkommen! Sie sind eingeladen, an unserem Moët & Chandon Sommer-Gewinnspiel 2025 teilzunehmen. Feiern Sie die sonnigen Tage mit einem Hauch von Luxus!“
Screenshot der vermeintlichen Gewinnspiel-Seite
Kurzer Reality-Check: Darum ist das „MOËT & CHANDON-Sommer“-Gewinnspiel ein glasklarer Fake
Falsche Adresse = sofortiger Alarm. Statt auf Moët & Chandon | Moët Hennessy landet man auf wpclick.cc oder androidlnk.cc – völlig fremde Top-Level-Domains, die nichts mit der Brauerei zu tun haben.
Gnadenloses Kettenbrief-Prinzip. Eine seriöse Marke zwingt niemanden, den Link an 20 Freunde zu ballern, bevor es überhaupt eine Gewinnchance gibt. Das ist reiner Viral-Treibstoff für Betrüger.
Garantie-Gewinn statt Fairplay-Verlosung. Egal welche Box man anklickt – immer „Hurra, du hast gewonnen!“. Ein echtes Gewinnspiel kennt Verlierer, dieser Fake nicht.
Datenhunger pur. Adresse, Alter und später oft Kreditkartendaten werden abgefragt, angeblich für den Versand. In Wirklichkeit landen sie in dubiosen Datenbanken oder enden in Abo-Fallen.
So funktioniert der Betrug im Detail: Klick, Weiterleitung, Datensauger
Sobald der neugierige Daumen tappt, springt die URL um – nicht auf Moët & Chandon | Moët Hennessy, sondern auf wpclick.cc oder androidlnk.cc. Das winzige „cc“ am Ende entgeht im Smartphone-Browsertab fast jedem Auge und ist das Einfallstor für JavaScript-Sniffer, die Geräte-ID, IP und Standort abgreifen. Wir von Mimikama nennen das Marken-Hijacking mit Mikrosichtbarkeit: Die Kopie wirkt so original, dass das Gehirn keinen Prüfmodus einschaltet.
Viralschleuder WhatsApp – warum der Betrug 2025 so schnell explodiert
Meta testet seit Mai erstmals Status-Werbung in Deutschland. Betrüger nutzen das identische Story-Layout, um ihre Gewinnspiel-Links als vermeintlich „gesponsert“ zu tarnen. In Sekunden teilen neugierige Nutzer den Link weiter – denn nur wer 20 Kontakte beglückt, „qualifiziert sich“ für die Kühlbox. Hinter den Kulissen rotieren Fast-Flux-DNS-Einträge: Fällt eine Domain, übernimmt die nächste. So wuchs laut Live-Tracking die Zahl der aktiven Scam-Links von 12 am 10. Juni auf 87 am 17. Juni. Jede Weiterleitung enthält einen GET-Parameter, der Referral-IDs mitschreibt und die Betrüger sekundengenau bezahlt.
Abgefeimte Technik – von Datenschnorcheln bis Malware-Drop
Gridinsoft stuft wpclick.cc seit 16. Juni 2025 als „Suspicious Website“ mit Trust Score 39/100 ein. Die Analyse zeigt 404-Tarnseiten und Cloudflare-Maskierung – eindeutige Hinweise auf eine Infrastruktur, die sich der Blockade entzieht.
Screenshot: Gridinsoft
Zeitgleich markiert dasselbe Labor androidlnk.cc als „Malware-Verteilungsplattform“, Risikoindex 11/100. Schädlinge verstecken sich als APK-Installer und spähen SMS-Codes aus.
Screenshot: Gridinsoft
Die vier harmlosen Fragen dienen ausschließlich als Beschäftigungstherapie für serverseitige Fingerprinting-Skripte. Sobald eine virtuelle Box den „Gewinn“ anzeigt, öffnet sich ein iFrame, der Browser-Header mit 32 Parametern absaugt – genug für ein belastbares Werbe-Profil im Darknet.
Hard Facts – was Ermittler bereits belegen
Beide Domains wurden bei NICENIC International registriert, Laufzeit bis 2026 – eindeutiges Indiz für langfristige Betrugsplanung.
DNS lenkt über Cloudflare-Anycast-IPs – typische Verschleierung, um Strafverfolgung auszubremsen.
Die Weiterleitparameter verraten ein Partner-ID-System aus Hongkong. Cybercrime-Unit NRW bestätigt, dass identische IDs in Zalando-, REWE- und iPhone-Scams auftauchen.
FAQ-Box: brennende Fragen zum MOET & CHANDON-Sommer-Scam
Ist das Gewinnspiel offiziell?
Nein. MOËT & CHANDON bestätigt, dass aktuell keine WhatsApp-Aktion läuft. Jede ausländische URL ist Fake.
Warum muss ich den Link teilen?
Damit die Betrüger kostenlos Reichweite bekommen. Ihr Gewinn steigt dadurch kein Stück.
Ich habe meine Adresse eingegeben – was jetzt?
Passwörter ändern, Kontoumsätze prüfen, Anzeige erstatten. Beobachten Sie die Post auf unerwartete Lieferungen.
Sind wpclick.cc und androidlnk.cc gefährlich?
Ja. Beide Domains wurden am 16. Juni 2025 als riskant eingestuft – einmal wegen möglicher Malware, einmal wegen Phishing.
Gibt es echte MOËT & CHANDON-Gewinnspiele 2025?
Nein, zurzeit nicht.
Schlussfazit
Das „MOËT & CHANDON Sommer 2025“-Versprechen ist so leer wie eine überhitzte Champagnerflasche im Sand. Die Täter spielen mit saisonaler Sehnsucht und Luxusgefühl und raffen dabei Adressen, Gerätedaten und in manchen Fällen sogar Kreditkarten ein. Prüfen Sie jede URL, verweigern Sie Kettenbrief-Druck und löschen Sie verdächtige Nachrichten sofort. Nur wenn der digitale Hahn zugedreht wird, versiegt auch diese Datendurst-Falle.
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Hilde Ollig ist Rechercheurin bei Mimikama, Österreichs
führender Faktencheck-Organisation. Sie ist spezialisiert
auf die Überprüfung von Behauptungen in sozialen Medien
und unterstützt das Redaktionsteam mit akribischer
Quellenarbeit bei der Aufklärung über Internetmissbrauch.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum. Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG). Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein. (Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
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