Kein Zusammenhang zwischen Wahlergebnis und Müllcontainerbrand in Bobigny

Faktencheck zu falschen Behauptungen über Unruhen in einem Pariser Vorort

Die Behauptung

Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der französischen Parlamentswahlen sei der Pariser Vorort Bobigny von Antifaschisten in Brand gesetzt worden.

Faktencheck: Wahr

Der Brand in Bobigny ereignete sich mehrere Stunden vor der Verkündung des Wahlergebnisses und stand in keinem Zusammenhang mit der Wahl.

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Die aufgeheizte Stimmung während der Parlamentswahlen in Frankreich führte zu falschen Gerüchten über Brände und Unruhen. Ein Internetnutzer behauptete, Bobigny, ein Vorort von Paris, sei nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse von Antifaschisten in Brand gesteckt worden. Doch wie so oft bei solchen Behauptungen sieht die Realität anders aus.

Die verbreitete Behauptung

Die Unzufriedenheit über die ersten Ergebnisse der Parlamentswahlen führte zu der Behauptung, Bobigny habe nach der Bekanntgabe der Wahlergebnisse gebrannt. Ein Video zeigte angeblich einen Brand in einem Wohnviertel von Bobigny, der von Antifaschisten gelegt worden sein soll.

Kein Zusammenhang zwischen Wahlergebnis und Müllcontainerbrand in Bobigny
Screenshot des Postings mit dem Video aus den sozialen Medien

Bewertung

Zwar gab es am Wahlsonntag tatsächlich einen Brand in Bobigny, dieser brach jedoch einige Stunden vor der Bekanntgabe der ersten Wahlergebnisse aus. Die zuständige Präfektur des Départements Seine-Saint-Denis sowie verschiedene Videoaufnahmen bestätigen, dass der Brand in keinem Zusammenhang mit den Wahlen stand.

Der Sachverhalt

Am Sonntag, den 30. Juni, dem Tag der vorgezogenen Neuwahlen zum französischen Parlament, kursierten in den sozialen Netzwerken Videos von einem Brand. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) konnte den Brand in der Avenue de l’Hôtel de Ville in Bobigny lokalisieren.

Auf Google Maps ist der Ort deutlich zu erkennen: ein Eckladen mit roter Werbung im Erdgeschoss eines braun-weißen Wohnblocks. Daneben sind die Wohntürme, der Rasen und der weiße Zaun gut zu erkennen. Das Feuer brach offenbar auf einem Müllplatz vor dem Hochhaus aus. Ein Video eines französischen Journalisten zeigt den Ort aus einer anderen Perspektive.

Wichtig ist, dass dieser Brand nichts mit dem Wahlergebnis zu tun hatte. Der Präfekt des Départements Seine-Saint-Denis bestätigte, dass der Brand um 17.30 Uhr ausbrach, lange bevor die Wahlergebnisse bekannt gegeben wurden. In einer Erklärung am Wahlabend betonte er, dass der Brand in keinem Zusammenhang mit der Wahl stehe. Feuerwehr und Polizei waren für die dpa zunächst nicht zu erreichen.

Andere Quellen in den sozialen Netzwerken, darunter ein Tweet eines Reporters von BFMTV, bestätigen ebenfalls, dass das Feuer um 17.30 Uhr ausbrach, als die Wahllokale noch geöffnet waren.

Das französische Wahlgesetz vom 19. Juli 1977 verbietet es Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern, vor Schließung der Wahllokale Auszählungsergebnisse oder Nachwahlbefragungen zu veröffentlichen. Daher gab es bis 20:00 Uhr keine offizielle Berichterstattung über die Wahlergebnisse.

Weitere Informationen

Das Gerücht über den Brand in Bobigny verbreitete sich nach Angaben des Fernsehsenders TF1 am Abend des 30. Juni zunächst über «Frontières», ein bekanntes rechtsextremes Portal mit mehr als 140.000 Abonnenten auf X. Obwohl der Beitrag später gelöscht wurde, gibt es noch archivierte Spuren davon.

Die Behauptung wurde in der Folge von Rechtsextremen und auch vom ehemaligen politischen Berater von RN-Chefin Marine Le Pen, Bruno Attal, verbreitet.

Fazit

Die Behauptung, der Pariser Vorort Bobigny habe nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse gebrannt, ist falsch. Der Brand ereignete sich Stunden zuvor und hatte nichts mit den Wahlergebnissen zu tun. Solche Falschmeldungen können jedoch leicht zu Verwirrung und Misstrauen führen.

Quelle: dpa

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