Die Behauptung
Ein IT-Mitarbeiter der US-Arbeitsrechtsbehörde NLRB erhebt schwere Vorwürfe: Elon Musks DOGE-Team soll sich unter dem Deckmantel der Verwaltungsreform Zugriff auf interne Systeme verschafft und sensible Daten exfiltriert haben – darunter geschützte Informationen zu Gewerkschaften und laufenden Verfahren. Die Folge: ein potenziell schwerwiegender Cybervorfall.
Irreführend
Vorsicht! Die Vorwürfe sind detailliert und schwerwiegend – doch bislang fehlt eine unabhängige Bestätigung. Die NLRB dementiert einen Sicherheitsvorfall, während der Whistleblower auf konkrete technische Hinweise und eine bedrohliche Einschüchterungslage verweist
Kurze Faktenübersicht:
- Ein Whistleblower meldet einen massiven Datenabfluss bei der NLRB.
- Musks DOGE-Team soll privilegierten Zugriff auf interne Systeme gehabt haben.
- Betroffen: Gewerkschaftsdaten, Zeugenaussagen, vertrauliche Ermittlungen.
- Behörden dementieren – doch Dokumente und technische Spuren sprechen dagegen.
- Der Whistleblower wird offenbar bedroht – eine unabhängige Prüfung fehlt bisher.
💡 Was hinter Musks DOGE-Team steckt und was jetzt ans Licht kommt:
Zugriff auf Fallakten, gelöschte Sicherheitsprotokolle, Spuren nach Russland, wir haben die Originaldokumente, Interviews und technische Beweise.
Ein Whistleblower bricht sein Schweigen
Ein Datenleck mit politischer Sprengkraft, und warum der Vorwurf gegen Musks Team mehr als nur ein IT-Zwischenfall ist. Daniel Berulis, IT-Mitarbeiter bei der US-Arbeitsrechtsbehörde National Labor Relations Board (NLRB), behauptet in einer eidesstattlichen Erklärung, dass Elon Musks Technologie-Team, bekannt als „U.S. DOGE Service“, einen massiven Zugriff auf interne Systeme der Behörde hatte. In der Folge sei es zu einem ungewöhnlich großen Datenabfluss gekommen. Betroffen: Zehn Gigabyte sensibler Inhalte über gewerkschaftliche Organisierung, vertrauliche Unternehmensdaten sowie Zeugenaussagen.
Laut Berulis seien auch die Protokollierungsmechanismen manipuliert worden, eine Maßnahme, die gezielt Spuren verwischen könnte. Zudem soll es nach dem Zugriff von DOGE zu Anmeldeversuchen aus Russland gekommen sein, mit korrekten Zugangsdaten, jedoch blockiert durch ortsabhängige Sicherheitsrichtlinien.
Machtspiele, Drohungen und ein Klima der Angst
Doch damit nicht genug. Der Versuch von Berulis und einem Kollegen, den Vorfall an die zuständige Cybersecurity-Behörde (CISA) zu melden, sei laut seiner Aussage gezielt unterbunden worden, von Vorgesetzten, ohne Angabe von Gründen. Kurz darauf wurde Berulis mit direkter Einschüchterung konfrontiert: Eine Drohung samt Drohnenfotos von seinem Haus wurde anonym an seiner Tür hinterlassen. Whistleblower Aid, die Organisation, die den Fall öffentlich machte, bestätigte den Vorfall, verweigerte jedoch aus Sicherheitsgründen die Herausgabe des Schreibens.
Warum gerade die NLRB?
Die NLRB ist kein beliebiges Amt. Seit Jahren steht die New-Deal-Behörde unter Beschuss durch große Konzerne, die ihre Befugnisse als zu gewerkschaftsfreundlich betrachten. Elon Musk selbst hatte sich wiederholt öffentlich gegen die NLRB positioniert und deren Arbeit als „verfassungswidrig“ bezeichnet. Der Zugriff durch sein DOGE-Team, und der angebliche Datenabfluss, erhalten so eine tiefere, politische Dimension.
Wenn interne Systeme, die Mitarbeiterrechte schützen sollen, durch privatwirtschaftliche Akteure unterwandert werden, dann steht mehr auf dem Spiel als nur ein „Cybervorfall“.
Zwischen Dementi und Verdacht
Die NLRB hat laut dem Radiosender NPR die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, es habe keinen Sicherheitsvorfall gegeben. Auch von Musks Seite gibt es bislang keine Stellungnahme. Doch der Verdacht bleibt im Raum, nicht zuletzt wegen der detaillierten Schilderungen und der Drohkulisse, unter der der Whistleblower mittlerweile steht.
CISA, FBI und andere offizielle Stellen wollten sich ebenfalls nicht äußern. Noch ist unklar, ob eine unabhängige Untersuchung stattfinden wird. Doch eines ist sicher: Der Vorwurf trifft einen empfindlichen Nerv in der politischen und digitalen Sicherheitsarchitektur der USA.
Zugriff bestätigt, aber seit wann ist DOGE wirklich da?
Ein weiterer Punkt sorgt für Unklarheit: Wann genau war DOGE tatsächlich bei der NLRB vor Ort? Während Whistleblower Daniel Berulis aussagt, dass DOGE-Mitarbeitende bereits Anfang März 2025 Zugang zu den Systemen hatten, behauptet die NLRB, das Team sei erst im April erschienen, kurz nach Veröffentlichung der Vorwürfe.
Doch eine interne E-Mail der Verwaltungsdirektorin Lasharn Hamilton, die am 17. April öffentlich wurde, bestätigt den Zugang von DOGE, inklusive Sicherheitsüberprüfung. Die Mitarbeitenden sollen „größtenteils remote“ arbeiten, erhielten aber Einblick in interne Abläufe der Behörde.
Zitat aus der E-Mail:
„Die Vertreter haben Informationen über die Abläufe der Behörde angefordert, aber darum gebeten, dass wir personenbezogene Daten aus den Dokumenten entfernen. Gemäß der Executive Order des Präsidenten und den geltenden Gesetzen wird die Behörde den Anfragen von DOGE auf Zugang und Informationen nachkommen.“
Diese Formulierung bestätigt erstmals offiziell, dass DOGE Zugang zu Dokumenten innerhalb der NLRB hatte, wenn auch unter der Maßgabe, personenbezogene Daten auszuschließen. Der Widerspruch beim Zeitpunkt ihres Eintreffens bleibt jedoch bestehen und wirft zusätzliche Fragen auf.
DOGE offiziell bei der NLRB, trotz Vorwürfen
DOGE-Mitarbeiter arbeiten inzwischen offiziell bei der US-Arbeitsrechtsbehörde, mitten in der Affäre.
- Nur einen Tag nach Veröffentlichung der Whistleblower-Beschwerde hat DOGE laut interner E-Mail zwei Mitarbeitende bei der NLRB platziert. Sie stammen aus der General Services Administration und sollen „teilzeitlich über mehrere Monate, größtenteils remote“ tätig sein.
- DOGE fordert laut E-Mail Einblick in Arbeitsprozesse, verlangt aber, personenbezogene Daten vorher zu entfernen. Offiziell beruft man sich auf Trumps „Executive Order“ zur Verwaltungsreform.
- In der Behörde herrscht laut NPR-Bericht Chaos. Eine Quelle: „Es herrscht Panik, die Leute machen sich Sorgen um die Daten.“
- Pikant: Die NLRB hatte noch Tage zuvor öffentlich erklärt, DOGE habe keinen Zugriff auf Systeme beantragt und es habe keinen Sicherheitsvorfall gegeben.
- Whistleblower-Dokumente belegen hingegen einen expliziten Cloud-Zugriff durch ein DOGE-Konto („[email protected]“), das nach der Nutzung gelöscht wurde.
- Der demokratische Abgeordnete Gerry Connolly fordert inzwischen Ermittlungen durch zwei unabhängige Kontrollbehörden, wegen des Verdachts auf „technologisches Fehlverhalten“ oder Gesetzesverstöße.
Was das Originaldokument zeigt, Die Whistleblower-Offenlegung im Detail
Am 14. April 2025 reichte Daniel Berulis offiziell eine geschützte Whistleblower-Beschwerde beim US-Kongress ein. Das 21-seitige Dokument liegt Mimikama vor. Es enthält eine eidesstattliche Erklärung (Exhibit A) sowie technische Belege (Exhibit B), die die Schwere der Vorwürfe untermauern.
Diese Punkte sind im Originaldokument konkret belegt:
- DOGE erhielt Vollzugriff auf NLRB-Systeme, inklusive sog. „Tenant Owner“-Rechte in der Microsoft-Cloud. Diese Berechtigungen überstiegen sogar die des Chief Information Officers (CIO).
- Es wurde ein temporärer Account mit dem Namen „[email protected]“ eingerichtet, dieser Account wurde nach kurzer Zeit wieder gelöscht.
- Protokollierungsfunktionen wurden gezielt deaktiviert, u. a. Azure Network Watcher und mobile Multifaktor-Authentifizierung.
- Berulis berichtet, er sei angewiesen worden, bestimmte Systemänderungen nicht zu dokumentieren.
- Überwachungssysteme registrierten den Abfluss von ca. 10 GB Daten aus dem Fallmanagementsystem „NxGen“ über eine öffentlich erreichbare Schnittstelle.
- Innerhalb von 15 Minuten nach Account-Erstellung habe es mehr als 20 Login-Versuche aus Russland gegeben, mit korrekten Zugangsdaten. Nur eine Geo-Blocking-Regel verhinderte Zugriffe.
- Die interne Weiterleitung an US-CERT wurde am 3. April explizit gestoppt. Es wurde untersagt, eine Meldung abzugeben.
- Während der Vorbereitung der Offenlegung erhielt Berulis einen anonymen Drohbrief mit Drohnenfotos, der ihn direkt einschüchtern sollte.
Diese Belege stehen im Widerspruch zu öffentlichen Aussagen der NLRB, wonach es keinen Vorfall gegeben habe. Die politische Brisanz steigt mit jeder technischen Bestätigung, die die Beschwerde liefert.
Kongress fordert Aufklärung, Connolly schreibt an die Aufsichtsbehörden
Am 15. April 2025 forderte der demokratische Abgeordnete Gerald E. Connolly in einem Schreiben an die Inspektoren der NLRB und des Arbeitsministeriums (DOL) eine vollständige Untersuchung der Vorgänge rund um DOGE.
In dem Dokument, das Mimikama vorliegt, formuliert Connolly den Verdacht, DOGE könne sich des technologischen Fehlverhaltens oder illegaler Aktivitäten schuldig gemacht haben. Er verweist auf konkrete Hinweise wie die Löschung eines DOGE-Zugangsaccounts, mögliche Beweismittelmanipulation und Interessenkonflikte durch Musk, dessen Firmen selbst Gegenstand laufender Verfahren seien.
Der Brief enthält unter anderem folgende Prüfaufträge:
- Wer hatte zu welchem Zeitpunkt Systemzugriff auf welche Fallakten?
- Welche sicherheitsrelevanten Logs wurden gelöscht oder verändert?
- Welche Rolle spielt das Repository „NxGenBdoorExtract“?
- Gab es unautorisierte Datenübertragung ins Ausland?
Connolly fordert eine rasche Antwort und droht mit weiteren Schritten des Kongresses, sollte keine unabhängige Untersuchung eingeleitet werden.
FAQ, Die wichtigsten Fragen & Antworten
Was ist das DOGE-Team?
Es handelt sich um eine vom Trump-Lager eingesetzte Verwaltungseinheit zur Effizienzsteigerung in Bundesbehörden.
Ist belegt, dass Elon Musks Team auf NLRB-Daten zugegriffen hat?
Nein, es gibt bislang nur interne Beobachtungen eines Whistleblowers. Eine unabhängige technische Überprüfung fehlt.
Wurden auch Daten zu Verfahren gegen Musk entwendet?
Das ist unklar. Die betroffenen Systeme enthalten solche Daten, aber ein gezielter Zugriff konnte nicht nachgewiesen werden.
Gab es Sicherheitslücken bei der NLRB?
Laut Whistleblower ja, konkret durch öffentliche Schnittstellen und unkontrollierten Datenverkehr. Eine unabhängige Prüfung steht aus.
Gibt es Belege für russische Beteiligung?
Ein Login-Versuch mit echten Anmeldedaten aus Russland wurde gemeldet, ist aber nicht unabhängig verifiziert.
Wie reagiert das Weiße Haus?
Es verweist auf Transparenz und gesetzlich gedeckte Maßnahmen zur Effizienzsteigerung, die Vorwürfe werden nicht direkt kommentiert.
Was ist mit dem angeblichen Drohnen-Drohbrief?
Dieser Vorfall wurde im Interview geschildert, ist aber ebenfalls nicht öffentlich dokumentiert oder von Behörden bestätigt.
🕒 Technische Zeitleiste, Was geschah wann?
| Datum / Zeitraum | Ereignis / Beobachtung |
|---|---|
| Anfang März 2025 | Eintreffen des DOGE-Teams bei der NLRB |
| 25. März 2025 | Berulis registriert anomalen Datenverkehr über das Internet-Interface |
| 30. März 2025 | Erstellung des Accounts [email protected] mit Tenant Owner-Rechten |
| 30. März 2025, wenige Minuten später | Login-Versuche mit echten NLRB-Credentials aus Primorskiy Krai (Russland) |
| 30.–31. März 2025 | Ca. 10 GB Daten verlassen das NxGen-System unautorisiert |
| 1.–2. April 2025 | Logging-Tools und Sicherheitsrichtlinien werden deaktiviert oder umkonfiguriert |
| 3. April 2025 | Interne Eskalation an US-CERT wird auf Anweisung gestoppt |
| 4. April 2025 | Drohbrief mit Drohnenfotos wird an Berulis‘ Wohnung angebracht |
| 14. April 2025 | Offizielle Whistleblower-Offenlegung wird an den US-Kongress übermittelt |
| 15.–16. April 2025 | Berichterstattung durch PBS, NPR und andere Medien startet |
| 16. April 2025 | DOGE entsendet offiziell zwei Mitarbeitende zur NLRB – trotz laufender Vorwürfe |
Fazit zum Thema
Die Vorwürfe des Whistleblowers Daniel Berulis sind ernst, detailliert und hochbrisant, auch wenn sie bisher nicht offiziell bestätigt wurden. Sollte sich bestätigen, dass ein privates Tech-Team unkontrollierten Zugriff auf staatlich geschützte Arbeitnehmerdaten hatte, wäre das ein Skandal von erheblicher Tragweite. Bis dahin bleibt Skepsis angebracht, aber ebenso Aufmerksamkeit.
Quellen:
- PBS NewsHour (2025): NLRB whistleblower claims Musk’s DOGE potentially caused significant security breach. Interview mit Daniel Berulis und Andrew Bakaj, ausgestrahlt am 16.04.2025.
- Fowler, Stephen; McLaughlin, Jenna (2025): DOGE visits NLRB after whistleblower report about data access. NPR, 16. April 2025.
- Whistleblower-Offenlegung (PDF) / Berulis, Daniel J. (2025): Whistleblower Disclosure to the U.S. Congress pursuant to the Whistleblower Protection Enhancement Act of 2012 (with Exhibits), eingereicht am 14. April 2025, übermittelt durch Whistleblower Aid, Washington, D.C.
- Connolly, Gerald E. (2025): Letter to Inspectors General of NLRB and DOL regarding DOGE access and data activities, 15. April 2025.
- The Register, 17.04.2025 (Update), sinngemäße Übersetzung durch Redaktion
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