Raketen auf Netanyahus Wohnung? Dieses Video ist über zwei Jahre alt

Ein dramatisches Explosionsvideo wird als iranischer Raketentreffer auf Netanyahus Wohnung geteilt. Woher die Aufnahme wirklich stammt.

Die Behauptung

Ein Video zeigt einen aktuellen iranischen Raketenangriff auf die Wohnung des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanyahu.

Aufgestellt von: Beiträge auf X vom 20. September 2026

Faktencheck: Falsch

Das Video kursiert seit mindestens Juni 2024 und kann deshalb keinen Angriff vom September 2026 zeigen. Auch für den Angriff selbst gibt es keinen Beleg: Bis zum 30. September fand sich keine offizielle Bestätigung, dass Netanyahus Wohnung getroffen wurde.

💬Wie wird Desinformation in Konflikten eingesetzt? Antworten finden Sie im Leitfaden Krieg & Konflikt-Desinformation.
Mimikama braucht Verstärkung – hilf uns, eine weitere Person ins Team zu holen

Ein Video bei Nacht. Dunkle Hügel, ein greller Blitz, dann ein Feuerball. Seit dem 20. September 2026 wird es auf der Plattform X geteilt, zusammen mit einem dramatischen Text über Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu. Wer die Explosion sieht, glaubt schnell, was darunter steht. Genau darin liegt das Problem.

Italienischsprachiger Beitrag auf X vom 20. September 2026, der einen englischsprachigen Beitrag mit dem nächtlichen Explosionsvideo teilt. Beide behaupten einen iranischen Raketentreffer auf Netanyahus Wohnung. Kontonamen sind unkenntlich gemacht.
Ein italienischsprachiges Konto teilt den Beitrag eines englischsprachigen Kontos weiter. Kontonamen haben wir unkenntlich gemacht. Screenshot: X

Wo war dieses Video schon einmal zu sehen?

Facta, ein Faktencheck-Team aus Italien, hat sich das Video am 30. September genauer angesehen. Es fand dieselbe Explosion in älteren Beiträgen auf X und Facebook. Die frühesten stammen vom 23. Juni 2024. Damals hieß es, das Video zeige einen israelischen Angriff im Süden des Libanon. Ziel sei die Hisbollah gewesen, eine bewaffnete Gruppe im Libanon.

Wo genau die Aufnahme entstanden ist, konnte Facta nicht sicher klären. Für diesen Fall ist das auch nicht nötig. Es reicht zu wissen, wann das Video zum ersten Mal auftauchte.

Zwei Beiträge vom 23. Juni 2024 mit derselben nächtlichen Explosion: links auf X mit dem Text, Israel habe Hisbollah-Stellungen im Libanon angegriffen, unbestätigt; rechts auf der Facebook-Seite von TV Azteca Honduras mit dem Hinweis auf israelische Angriffe an der Grenze zum Libanon. Der Kontoname auf X ist unkenntlich gemacht.
Links ein Beitrag auf X, der den Angriff selbst als „unbestätigt“ bezeichnet. Rechts die Facebook-Seite eines Fernsehsenders aus Honduras. Den Kontonamen auf X haben wir unkenntlich gemacht. Screenshot: X, Facebook

Gab es den Angriff vielleicht trotzdem?

Das Video passt also nicht. Aber vielleicht stimmt die Nachricht ja trotzdem? Ein Treffer auf die Wohnung eines Regierungschefs wäre eine Weltnachricht. Israels Regierung und Medien auf der ganzen Welt würden darüber berichten. Facta fand bis zum 30. September keine einzige offizielle Bestätigung. Auch wir haben keine Meldung darüber gefunden.

Ganz aus dem Nichts kommt die Geschichte trotzdem nicht. Rund um Netanyahu ist manches wirklich passiert, anderes wurde erfunden. Ein Gerücht aus dem März hat Mimikama bereits geprüft.

Netanyahu: Was passiert ist – und was erfunden wurde
ist passiert falsch
Juni 2024
Das Explosionsvideo taucht im Netz auf. Damals heißt es: ein Angriff im Libanon.
19. Oktober 2024
Eine Drohne aus dem Libanon trifft Netanyahus Haus in Caesarea. Verletzt wird niemand.
28. Februar 2026
Krieg zwischen Iran, Israel und den USA beginnt.
März 2026
Gerücht: Netanyahu sei getötet worden. Am 12. März spricht er live vor Journalisten.
20. September 2026
Das Video von 2024 wird als neuer Raketentreffer auf Netanyahus Wohnung geteilt.
Echte Ereignisse machen erfundene glaubwürdiger.
Quellen: Facta (30.9.2026), Mimikama (13.3.2026), NBC (Oktober 2024). Stand: 1. Oktober 2026.

Warum fällt man auf alte Videos so leicht herein?

Videos, die mit KI gemacht wurden, haben oft Fehler. Ränder verschwimmen, Bewegungen wirken falsch, Gebäude verbiegen sich. Ein altes, echtes Video hat solche Fehler nicht. Eine echte Explosion sieht eben aus wie eine echte Explosion. Die Lüge steckt nicht im Bild, sondern im Text darunter.

Dazu kommt der Schreck. Wer liest, dass ein Regierungschef angegriffen wurde, denkt sofort an einen größeren Krieg. Man teilt schnell weiter. Ob Bild und Text zusammenpassen, fragt in diesem Moment kaum jemand.

Wie alt ist ein Video? So findet man es heraus

Dafür braucht man kein Fachwissen. Ein Handy oder ein Computer reicht.

Zum Mitnehmen
In vier Schritten zum Alter eines Videos
1
Bild festhalten
Video an einer gut erkennbaren Stelle anhalten und ein Bildschirmfoto machen.
2
Bild hochladen
Das Foto bei Google Lens, der Bing-Bildersuche oder TinEye hochladen. Diese Seiten suchen nach demselben Bild im Netz.
3
Ältesten Treffer suchen
Nicht der bekannteste Treffer zählt, sondern der früheste.
4
Datum vergleichen
Ist das Video älter als das, was es zeigen soll? Dann ist es kein Beweis dafür.
Findet die Suche nichts, heißt das noch nicht, dass ein Video neu ist. Manche Aufnahmen sind nur schwer zu finden.


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.