Erniedrigt, beschimpft, mundtot gemacht, sexuell gedemütigt: Was Frauen im Netz widerfährt.

Für zahlreiche Frauen hat das Internet seine strahlende Fassade verloren und sich in einen Ort verwandelt, an dem Angst und Entwürdigung zum Alltag gehören.

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Verbaler Terror gegen Frauen: Social Media als Schauplatz der Einschüchterung

Frauen, die sich online äußern, sehen sich oft gezielten Angriffen ausgesetzt, die darauf abzielen, sie mundtot zu machen. Diese sogenannten Silencing-Taktiken (mundtot machen) reichen von systematischen Beleidigungen über persönliche Angriffe bis zu expliziten Vergewaltigungsdrohungen. Die Täter versuchen, Frauen einzuschüchtern und sie durch ständige Belästigung aus dem öffentlichen Diskurs zu drängen.

Frauen im Gaming: Sexismus und Ausgrenzung in einer männerdominierten Welt

Ebenfalls stark betroffen sind Frauen im Gaming-Bereich, einem digitalen Raum, der nach wie vor stark von männlichen Nutzern dominiert wird. Spielerinnen berichten immer wieder von sexistischen Beleidigungen, Belästigungen und Drohungen, die oft im Rahmen von Multiplayer-Spielen oder auf Plattformen wie Twitch und Discord stattfinden. Frauen, die es wagen, in dieser Männerdomäne ihre Stimme zu erheben, werden häufig nicht nur beleidigt, sondern auch aktiv aus der Community ausgeschlossen. Die toxische Kultur in vielen dieser digitalen Räume trägt dazu bei, dass Frauen entweder schweigen oder sich komplett zurückziehen – ein massiver Verlust für die Diversität und Inklusivität dieser Online-Communitys.

Übergriffige Nachrichten: Belästigung hinter den Kulissen des digitalen Raums

Auf Social Media, Dating-Plattformen und sogar in beruflichen Kontexten werden Frauen oft unvermittelt mit unangemessenen Nachrichten konfrontiert. Diese reichen von plumpen Anmachen über sexistische Bemerkungen hin zu expliziten, unerwünschten sexuellen Inhalten. Die Täter nutzen die vermeintliche Privatsphäre dieser Nachrichtenkanäle, um Frauen ohne Konsequenzen zu belästigen.

Tägliche Belästigung und digitale Demütigung: Die neue Dimension der Online-Gewalt gegen Frauen

Viele Frauen berichten, dass sie täglich mit solchen übergriffigen Nachrichten umgehen müssen, was nicht nur unangenehm, sondern auch emotional belastend ist. Oft werden diese Probleme gerade in männlich dominierten Bereichen gar nicht ernst genommen. Die ständige Konfrontation mit sexuellen Anspielungen oder aggressiven Annäherungsversuchen, die oft in Beleidigungen oder Drohungen umschlagen, wenn sie nicht auf die Nachrichten reagieren, erzeugt ein Klima der Angst und Unsicherheit. Frauen fühlen sich in ihrer digitalen Präsenz eingeschränkt und gezwungen, Schutzmaßnahmen zu ergreifen – sei es durch Blockieren, Melden oder gar durch die Deaktivierung ihrer Accounts.

Künstliche Intelligenz, ein uralter Menschheitstraum, entwickelt, um das Leben der Menschen zu erleichtern, wird zunehmend missbraucht, um Frauen zu demütigen. Wir sind im Zuge unserer Recherchen auf Webseiten und Portale gestoßen, auf denen mithilfe von KI pornografische Inhalte manipuliert und mit den Gesichtern unbeteiligter Frauen versehen wurden. Mithilfe dieser Deepfake-Technologie werden manipulierte Videos und Bilder erstellt, die Frauen in kompromittierenden, oft pornografischen Situationen zeigen – ohne dass sie jemals zugestimmt hätten. Diese gefälschten Inhalte verbreiten sich rasend schnell im Netz und sind kaum aufzuhalten, was die Betroffenen in einen Albtraum stürzt.

Rachepornos, bei denen intime Aufnahmen aus früheren Beziehungen ohne Einwilligung veröffentlicht werden, sind eine weitere perfide Methode, Frauen öffentlich bloßzustellen. Diese Praxis, die oft aus einem Gefühl der Vergeltung oder Machtausübung heraus entsteht, führt zu einer tiefen Demütigung der Opfer und hat schwerwiegende Folgen für ihr persönliches und berufliches Leben.

Diese Formen der Online-Gewalt sind kein Randphänomen, sondern Teil eines weitverbreiteten Problems, das dringend Aufmerksamkeit und Handlungsbedarf erfordert. Diese aggressiven Verhaltensweisen im Netz sind Ausdruck tief sitzender gesellschaftlicher Probleme und zeigen, wie dringend Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Form der Gewalt erforderlich sind.

Gewalt gegenüber Frauen ist weder neu noch ein reines digitales Phänomen

Die Wurzeln der Online-Gewalt gegen Frauen können durchaus in der analogen Geschichte patriarchaler Strukturen und gesellschaftlicher Ungleichheiten verortet werden. Denn systematischer Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen ist kein digitales Phänomen. Diese geschlechtsspezifische Gewalt hat sich mit dem Aufkommen des Internets lediglich in eine neue Dimension ebenfalls verbreitet, wobei alte Muster in neuen digitalen Formen auftreten.

Das Internet hat sich in vielerlei Hinsicht als Spiegelbild der bestehenden gesellschaftlichen Machtverhältnisse erwiesen. Die Anonymität und Reichweite des Netzes ermöglichen Tätern, Gewalt und Diskriminierung in einem bisher ungekannten Ausmaß auszuüben. Wobei Anonymität im Netz mittlerweile nicht mehr zwingend gegeben sein muss, viele Menschen diskriminieren andere Menschen häufig unter Darstellung ihres Klarnamens, um (vermeintlich) Mut und Stärke zu beweisen. Dabei ist Online-Gewalt häufig nicht losgelöst von traditionellen Formen der Gewalt, sondern baut auf denselben (patriarchalen) Denkmustern auf, die Frauen seit Jahrhunderten unterdrücken.

Ein zentraler Aspekt der historischen Entwicklung der Online-Gewalt ist die fortbestehende Sexualisierung und Objektifizierung von Frauen. Diese Muster sind tief in vielen Köpfen verwurzelt und zeigen sich auch im digitalen Raum. Die Möglichkeit, intime Bilder und Informationen weltweit zu verbreiten, hat neue Formen von Gewalt hervorgebracht, wie beispielsweise „Rachepornos (Revenge Porn)“, welche auch der Anlass dieses Artikels sind. Noch nie war es so einfach, mithilfe von KI Rachepornos zu erstellen und zu verbreiten.

Zudem spielt die Macht der Worte eine entscheidende Rolle. Schon immer wurden Sprache und Kommunikation genutzt, um Macht auszuüben und andere zu unterdrücken. Im digitalen Raum manifestiert sich dies in Form von Cyberharassment (Beleidigung, Beschimpfung und Belästigung), schwer definierbarer sog. Hassrede (Hate Speech) und verbaler Gewalt, die speziell gegen Frauen gerichtet ist. Die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Formen von Gewalt ist oft in historischen Machtstrukturen verankert, die Frauen in vielerlei Hinsicht weiterhin benachteiligen.

Diesen Arten von Gewalt sind Frauen online ausgesetzt

Digitale Gewalt gegen Frauen manifestiert sich in zahlreichen, oft erschütternden Formen. Diese reichen von Verunglimpfung und sozialer Isolation bis hin zu schwerwiegenden Drohungen und Erpressungen. Jede dieser Gewalttaten hat spezifische Mechanismen und Auswirkungen, die von den digitalen Plattformen und Räumen, in denen sie stattfinden, beeinflusst werden. Im Folgenden werden die wichtigsten Arten dieser Gewalt und die damit verbundenen Fachbegriffe erklärt.

Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beschreibt auf der eigene Website verschiedene Arten von Gewalt, denen Frauen online ausgesetzt sind. Diese Erklären wir im Folgenden genauer:

Beleidigung, Beschimpfung und Belästigung (Cyberharassment)

Cyberharassment, auch als digitale Belästigung bekannt, umfasst verletzende Kommentare und vulgäre Pöbeleien, die oft in öffentlichen Bereichen des Internets stattfinden. Plattformen wie X oder Facebook sind besonders anfällig für diese Art von Angriffen, da die Anonymität der Täter es ihnen ermöglicht, ohne Furcht vor Konsequenzen zu agieren. Frauen, die sich online äußern, werden häufig Opfer dieser verbalen Gewalt, die darauf abzielt, sie zu erniedrigen und aus dem öffentlichen Diskurs zu verdrängen.

Bloßstellen und Anschwärzen (Revenge Porn/Non Consensual Pornography)

Revenge Porn oder non-consensual pornography bezeichnet das absichtliche Verbreiten intimer Bilder oder Videos ohne die Zustimmung der abgebildeten Person. Oft handelt es sich hierbei um Aufnahmen, die während einer früheren Beziehung gemacht wurden und nun aus Rache oder Bosheit veröffentlicht werden. Diese Form der digitalen Gewalt zielt darauf ab, Frauen öffentlich bloßzustellen und zu demütigen. Plattformen, die für den Austausch von Bildern und Videos genutzt werden, wie Reddit oder bestimmte spezialisierte Foren, sind häufig die Orte, an denen solche Inhalte verbreitet werden, was für die Betroffenen verheerende soziale und psychische Folgen haben kann.

Diskriminierung und Hassrede (Hate Speech)

Hate Speech, auf Deutsch Hassrede, ist eine Form der digitalen Gewalt, die sich in abwertender und menschenverachtender Sprache äußert. Diese Art der Diskriminierung richtet sich oft gegen Frauen, die einer bestimmten sozialen oder ethnischen Gruppe angehören oder die sich öffentlich für die Rechte solcher Gruppen einsetzen. Hate Speech ist besonders auf Plattformen wie X oder YouTube verbreitet, wo sie schnell ein breites Publikum erreicht und die Betroffenen einschüchtert und marginalisiert.

Cyber-Stalking

Cyber-Stalking bezeichnet das wiederholte, unerwünschte Verfolgen und Belästigen von Personen durch digitale Kanäle. Dies kann durch anhaltende E-Mails, Nachrichten oder die Überwachung der Online-Aktivitäten der Betroffenen geschehen. Oftmals nutzen Cyber-Stalker GPS-Dienste oder hacken sich in die Geräte ihrer Opfer, um deren Aufenthaltsorte zu verfolgen oder private Informationen auszuspionieren. Cyber-Stalking ist eine besonders invasive Form der digitalen Gewalt, die Frauen in ständiger Angst vor weiteren Übergriffen leben lässt.

Gerüchteverbreitung und Diffamierung (Fake Profile)

Diffamierung durch Fake Profile ist eine Form der digitalen Gewalt, bei der falsche Informationen über eine Person verbreitet werden, um ihren Ruf zu schädigen. Täter erstellen gefälschte Profile auf sozialen Netzwerken und verbreiten dort manipulierte Inhalte, die das Opfer in ein schlechtes Licht rücken sollen. Diese Art der Diffamierung ist besonders gefährlich, da sie das soziale und berufliche Ansehen der Betroffenen massiv untergräbt und oft schwer zu widerlegen ist.

Ausschluss und Cybermobbing

Cybermobbing, eine digitale Form der Schikane, umfasst verschiedene Handlungen, die darauf abzielen, eine Person aus sozialen Gruppen auszuschließen oder zu schikanieren. In Instant-Messenger-Gruppen oder Online-Communities wird dies oft durch das Ignorieren, Blockieren oder Entfernen der Betroffenen aus der Gruppe realisiert (Ghosting). Dieser gezielte Ausschluss erzeugt soziale Isolation und psychischen Druck, der die Betroffenen in ihrer Lebensqualität stark einschränkt.

Nötigung und Erpressung (Sexting, Sextortion)

Sextortion, eine Wortkombination aus „Sex“ und „Extortion“ (Erpressung), beschreibt die Erpressung durch Androhung, intime Bilder oder Videos einer Person zu veröffentlichen, falls sie den Forderungen des Täters nicht nachkommt. Diese Form der digitalen Gewalt beginnt oft mit Sexting, dem Austausch von erotischen Nachrichten oder Bildern, die später gegen die Betroffene verwendet werden. Die Täter setzen ihre Opfer damit unter enormen Druck, was oft zu psychischen und sozialen Folgen führt.

Identitätsmissbrauch und -diebstahl

Beim Identitätsmissbrauch im digitalen Raum geben sich Täter als eine andere Person aus, indem sie deren Identität online übernehmen. Dies geschieht oft durch den Diebstahl von Passwörtern, mit denen die Täter sich Zugang zu den Social-Media-Konten ihrer Opfer verschaffen. Sie nutzen diese gestohlene Identität, um im Namen des Opfers beleidigende Kommentare zu posten oder Online-Bestellungen aufzugeben. Diese Art von Missbrauch ist besonders perfide, da sie nicht nur das Vertrauen der Betroffenen in ihre digitale Sicherheit zerstört, sondern auch langwierige rechtliche und persönliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Offene Androhung von Gewalt

Eine besonders beängstigende Form der digitalen Gewalt ist die offene Androhung von körperlicher Gewalt oder sogar Mord. Solche Drohungen können direkt oder indirekt ausgesprochen werden und zielen darauf ab, Angst und Schrecken zu verbreiten. Frauen, die solche Drohungen erhalten, fühlen sich oft massiv bedroht und sehen sich gezwungen, ihre Online-Aktivitäten einzuschränken oder ganz einzustellen. Diese Drohungen sind auf verschiedenen digitalen Plattformen zu finden, besonders aber auf solchen mit geringer Moderation und schwacher Rechtsdurchsetzung.

Sexuelle Belästigung und Cyber-Grooming

Cyber-Grooming bezieht sich auf die gezielte Anbahnung sexueller Kontakte durch Pädokriminelle, die im Internet oft falsche Identitäten nutzen, um das Vertrauen von Minderjährigen zu gewinnen. Sie manipulieren ihre Opfer, um an bloßstellende oder kinderpornografische Bilder und Videos zu gelangen oder sie zu persönlichen Treffen zu überreden. Doch auch erwachsene Frauen sind im Internet häufig Opfer sexueller Belästigung, die von unangemessenen Nachrichten bis hin zu erniedrigenden Forderungen reicht. Diese Form der Gewalt hat oft langanhaltende psychische Auswirkungen auf die Betroffenen und zeigt, wie gefährlich das digitale Umfeld für Frauen sein kann.

Auswirkungen auf die Betroffenen

Im Rahmen der Recherche haben wir mit betroffenen Menschen gesprochen und welche Formen der digitalen Gewalt ihnen widerfahren ist. Dabei sind wir auf viele verschiedene Formen gestoßen, alle zeigen jedoch

Wenn Nachrichten zur Bedrohung werden: Eine persönliche Erfahrung mit digitaler Belästigung auf Social Media

Eine der Frauen, mit der wir gesprochen haben und die fest und gesichert im Leben steht, schilderte uns folgenden Ablauf. Alles begann harmlos auf Instagram – einfache Grüße wie „Hi, wie geht es dir?“ oder Komplimente über ihr Aussehen und ihre „wunderschönen Füße“ waren nichts Ungewöhnliches. Diese Nachrichten blieben meist unbeantwortet und verliefen im Sande, wenn die Empfängerin kein Interesse an einem Austausch zeigte.

Doch nicht immer endeten diese Kontaktversuche so unkompliziert. In einem Fall ging ein Mann über das Übliche hinaus und begann, sie wiederholt mit expliziten Nachrichten zu belästigen. Am Ende schickte er sogar unangenehme Videos, in denen er masturbierte. Er erstellte überdies mehrere zusammenhängende Profile, um trotz Blockierung weiter Kontakt aufzunehmen. Die Frau nutzte die Blockierungsfunktionen von Instagram, um die Belästigung zu beenden, was schließlich auch gelang. Rückblickend bedauert sie jedoch, nicht rechtliche Schritte eingeleitet zu haben, da ihr damals nicht bewusst war, dass dies eine Option gewesen wäre.

„Damals war mir nicht bewusst, dass ich diesen Vorfall zur Anzeige hätte bringen sollen“, sagt sie heute. Diese Erfahrung hat sie jedoch gelehrt, wie wichtig es ist, aufmerksam zu bleiben und nicht zu zögern, Maßnahmen zu ergreifen, wenn die eigenen Grenzen überschritten werden. Social Media bietet viele Möglichkeiten zur Vernetzung, bringt aber auch Herausforderungen mit sich, die wir nicht unterschätzen dürfen.

„Zieh Dich aus!“ Gefährlicher Kontakt auf Snapchat: Eine 14-Jährige berichtet von digitaler Erpressung

So erging es einer 14-jährigen Schülerin, die auf Snapchat von einer vermeintlich gleichaltrigen Person angeschrieben wurde. Die Kommunikation begann harmlos: Der Unbekannte zeigte sich freundlich und knüpfte schnell eine Verbindung zu dem Teenager. Die beiden vernetzten sich auf Snapchat und tauschten regelmäßig Nachrichten aus.

Doch was als unverfänglicher Austausch begann, entwickelte sich schnell zu einem Albtraum für die junge Schülerin. Plötzlich drohte die Person, Fotos von ihr zu veröffentlichen, sollte sie nicht bereit sein, Nacktfotos zu senden. Diese Forderung versetzte das Mädchen in große Angst und Unsicherheit. Obwohl sie zuvor über die Gefahren im Internet aufgeklärt worden war, fühlte sie sich in diesem Moment völlig überfordert und wusste nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollte.

In ihrer Verzweiflung wandte sie sich glücklicherweise an ihre Mutter, die ihr sofort zur Seite stand und die nötigen Schritte einleitete. Gemeinsam meldeten sie das bedrohliche Profil bei Snapchat, um weitere Versuche der Erpressung zu verhindern. Seitdem meidet das Mädchen die Plattform und hat sich aus dem sozialen Netzwerk zurückgezogen.

Rückzug als Option, die Täter bleiben jedoch im Spiel. Auch wenn das Profil des Täters von Snapchat gesperrt wurde, dürfte es ein Leichtes sein, ein neues Profil zu erstellen und die nächste junge Frau, das nächste Mädchen zu erpressen. Der Aggressor macht weiter, die Betroffenen ziehen sich zurück. Eigentlich exakt verkehrt herum.

Wenn ein Cosplay zur Zielscheibe wird

Eine weitere junge Frau, die ihre Leidenschaft für Anime-Cosplays auf Social Media teilt, hat ähnliche verstörende Erfahrung gemacht: Eines ihrer Bilder, das sie in einem ihrer aufwendigen Kostüme zeigt, wurde ohne ihr Wissen auf einer Porno-Plattform veröffentlicht. Diese Entdeckung machte sie durch einen Freund, der sie auf den Missbrauch ihres Fotos aufmerksam machte.

Erschüttert von diesem Vorfall, erstattete sie sofort Anzeige bei der Polizei. Doch die Hoffnung auf Gerechtigkeit zerbrach schnell: Bereits nach kurzer Zeit erhielt sie ein Schreiben, in dem mitgeteilt wurde, dass der Täter nicht ermittelt werden konnte. Die junge Frau lebte zu diesem Zeitpunkt noch in einem kleinen Dorf, und die Ermittlungen wurden offensichtlich wenig intensiv geführt. „Vielleicht ist in Städten mehr möglich als bei Polizisten auf dem Land“, so die Mutter der Betroffenen uns gegenüber, da sie die Ermittlungen als unzureichend empfand.

Leider blieb dies nicht der einzige Vorfall. Ein zweites Mal tauchten Bilder der jungen Frau auf ähnlichen Plattformen auf, und der Ablauf wiederholte sich: Anzeige, mangelnde Ermittlungserfolge und schließlich der ernüchternde Ratschlag seitens der Behörden, ihr Instagram-Profil doch auf „privat“ zu stellen, um weitere Missbräuche zu vermeiden. Diese Reaktion der Polizei hinterließ bei der Betroffenen nicht nur ein Gefühl der Hilflosigkeit, sondern auch das bedrückende Gefühl, dass sie selbst für die erlebte digitale Gewalt verantwortlich gemacht wurde.

„Die psychischen und emotionalen Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Zwar versuchte die junge Frau nach außen hin Stärke zu zeigen, doch in vertrauten Gesprächen mit ihrer Mutter offenbarte sich ein anderes Bild. Die ständigen Beleidigungen und Attacken auf ihre Figur und ihr Aussehen setzen ihr sichtlich zu. Die junge Frau war entschlossen, sich nicht zu verbiegen – weder durch eine Profiländerung noch durch Anpassungen ihres Aussehens. Doch die fortwährende digitale Gewalt führte dazu, dass ihr Vertrauen in andere Menschen schwer beschädigt wurde. Für sie sind Menschen mittlerweile zum Großteil alle Scheiße“, beschreibt die Mutter ihre Wahrnehmung.

Soziale und berufliche Konsequenzen hatte die Betroffene bisher nicht explizit erwähnt, doch die spürbaren psychischen Belastungen und die emotionale Distanz, die sie zunehmend einnahm, lassen vermuten, dass diese Erfahrungen einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Besonders bitter ist der Umgang ihrer Umgebung, die anstelle von Unterstützung oft nur „gut gemeinte“ Ratschläge parat hatte, die die Situation eher verschlimmerten, als sie zu verbessern.

Dieser Fall zeigt eindrücklich, wie schnell digitale Gewalt das Leben junger Frauen zerstören kann und wie hilflos sie sich dabei fühlen. Die fehlende Unterstützung durch Behörden und das Unverständnis aus dem sozialen Umfeld tragen dazu bei, dass sich die Opfer alleine und verantwortlich für das erlebte Unrecht fühlen.

Victim Blaming: Wenn Opfer statt Täter verantwortlich gemacht werden

Und an dieser Stelle zeigt sich ein weiteres Problem, das vielfach auftaucht und auch einen Namen hat: Victim Blaming (auf Deutsch: Opferbeschuldigung).

Dieser Mechanismus tritt häufig in Fällen von sexueller Gewalt, häuslicher Gewalt oder digitaler Gewalt auf, aber auch in vielen anderen Kontexten.

Beim Victim Blaming werden Fragen gestellt wie: „Warum warst du an diesem Ort?“ „Warum hast du dich so angezogen?“, oder „Warum hast du nicht einfach dein Online-Profil auf privat gestellt?“ Diese Fragen suggerieren, dass das Opfer selbst durch sein Verhalten oder seine Entscheidungen die Tat mitverursacht hat und somit eine Mitschuld trägt.

Für Frauen, die Opfer von Gewalt oder Übergriffen werden, ist Victim Blaming besonders schädlich, da es ihnen die Unterstützung entzieht, die sie dringend benötigen. Anstatt Verständnis und Hilfe zu erfahren, werden sie mit der Verantwortung für die Tat konfrontiert, was die ohnehin schon belastende Situation zusätzlich erschwert.

Victim Blaming führt dazu, dass viele Frauen sich schämen, Vorfälle zu melden oder Hilfe zu suchen, aus Angst, nicht ernst genommen oder gar selbst beschuldigt zu werden. Diese Reaktionen verstärken das Gefühl der Isolation und können schwerwiegende psychische Folgen haben, wie Angst, Depression oder ein vermindertes Selbstwertgefühl. Zudem trägt Victim Blaming dazu bei, dass Täter ungeschoren davonkommen, weil die gesellschaftliche Aufmerksamkeit vom eigentlichen Verbrechen auf das Verhalten des Opfers gelenkt wird.

Problematische Reaktionen und Verfolgung der Täter

Damit sind wir bereits mitten in der Problematik der gesellschaftlichen Reaktionen. Online-Gewalt gegenüber Frauen erhält in vielen Fällen nicht die notwendige Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit. Trotz der gravierenden Auswirkungen auf die Betroffenen wird diese Form der Gewalt häufig verharmlost, was zu einer gefährlichen Bagatellisierung beiträgt und die Täter ungestraft lässt.

Diese Verharmlosung geschieht auf vielfältige Weise. Oft wird sie als „harmloser Spaß“ abgetan, als ob digitale Angriffe weniger real oder schädlich wären, weil sie „nur online“ passieren. Beleidigungen, Drohungen und Belästigungen werden häufig als bloße Meinungsäußerungen oder „normales Internetverhalten“ abgetan, wodurch das wahre Ausmaß der psychischen und emotionalen Belastungen, die sie verursachen, ignoriert wird.

Wie bereits vorangegangen erklärt, wird betroffenen Frauen suggeriert, dass sie selbst schuld seien an den Angriffen, weil sie sich im digitalen Raum präsentieren. Zusätzlich trägt die mangelnde Konsequenz im Umgang mit solchen Fällen zur Verharmlosung bei. Viele Social-Media-Plattformen und Forenbetreiber moderieren solche Vorfälle nicht streng genug oder reagieren nur zögerlich auf Meldungen von Belästigungen. Auch die oft unzureichende strafrechtliche Verfolgung dieser Taten verstärkt den Eindruck, dass Online-Gewalt weniger gravierend ist als physische Gewalt.

„Cyber-Gewalt wird gesellschaftlich noch sehr stark verharmlost, ist aber sehr gefährlich und kann massiv sein.“

 – Magdalena Habringer, Projektleiterin der Studie „(K)ein Raum. Cyber-Gewalt gegen Frauen in (Ex-)Beziehungen“ sowie Forscherin und Lehrende an der FH Campus Wien

Aus der 2023 erschienen Studie „(K)ein Raum. Cyber-Gewalt gegen Frauen in (Ex-)Beziehungen“ erfahren wir, dass Cyber-Gewalt gegen Frauen in Beziehungen oft verharmlost wird – sowohl von Institutionen wie Polizei und Gerichten als auch von Familienmitgliedern. Die Studie, die auf Interviews mit Betroffenen und Experten sowie der Analyse von Anzeigeakten basiert, offenbart, dass diese Form der Gewalt häufig unterschätzt wird.

Projektleiterin Magdalena Habringer betont, dass Cyber-Gewalt im Beziehungskontext besonders gefährlich ist, da Täter oft Passwörter und Zugang zu persönlichen Daten ihrer Opfer haben. Häufig wird diese digitale Kontrolle nicht sofort als Gewalt erkannt, sondern fälschlicherweise als Fürsorge interpretiert. Besonders alarmierend ist der Einsatz von Stalkerware, die es Tätern ermöglicht, ihre Opfer unbemerkt zu überwachen.

Die Studie zeigt auch, dass Cyber-Gewalt meist sexualisiert ist, etwa durch die Veröffentlichung von Nacktbildern. Fast die Hälfte der analysierten Cyber-Mobbing-Anzeigen wurden von Frauen gegen ihre (Ex-)Partner eingereicht, oft in Verbindung mit weiteren Delikten. Die Forscherinnen fordern eine stärkere gesellschaftliche Sensibilisierung und mehr Ressourcen bei den Strafverfolgungsbehörden, um Cyber-Gewalt effektiver zu bekämpfen.

Doch warum wird diese Form der Gewalt häufig verharmlost? Die Verharmlosung von Online-Gewalt gegen Frauen könnte unbewusst dazu dienen, bestehende Machtstrukturen aufrechtzuerhalten. Indem diese Gewalt nicht ernst genommen wird, bleibt Frauen oft der Zugang zu einem sicheren digitalen Raum verwehrt, was sie daran hindert, sich frei und gleichberechtigt zu äußern. Diese Dynamik unterstützt die Fortsetzung patriarchaler Strukturen, in denen Frauen eingeschüchtert und aus wichtigen öffentlichen Diskursen verdrängt werden.

Zudem könnte die Verharmlosung der Online-Gewalt Täter dazu ermutigen, ihre Handlungen fortzusetzen, da sie keine ernsthaften Konsequenzen befürchten müssen. Dies trägt dazu bei, dass geschlechtsspezifische Gewalt im digitalen Raum weiterhin unsichtbar bleibt und ungestraft fortgesetzt wird.

Fehlende Konsequenzen – ein großes Problem!

„Das Problem ist nicht neu und bereits 2018 erschien die Studie„Bestandsaufnahme Gewalt im Netz gegen Frauen und Mädchen in Österreich. Darin wurden bereits seinerzeit die Maßnahmen beleuchtet, die Internet-Provider ergreifen, um einen sicheren Raum für ihre Nutzerinnen und Nutzer zu schaffen. Dabei werden insbesondere zwei zentrale Ansätze hervorgehoben: das Entfernen rechtswidriger Inhalte und die Einführung eines Verhaltenskodexes zur Bekämpfung von Hassreden.

Provider wie Facebook, damals im Rahmen der StudieTwitter und YouTube entfernen Inhalte, die entweder gegen nationale Gesetze oder gegen die eigenen Nutzungsbedingungen verstoßen. Dieser Prozess folgt dem „report, review, remove“-Prinzip: NutzerInnen melden problematische Inhalte, die dann von Plattformmitarbeitern überprüft und gegebenenfalls gelöscht werden.

Ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung von Hassreden war die Einführung eines Verhaltenskodexes im Jahr 2016, der von der Europäischen Kommission gemeinsam mit IT-Unternehmen wie Facebook, Microsoft und YouTube entwickelt wurde. Dieser Kodex verpflichtet die Unternehmen, Regeln gegen Aufstachelung zu Gewalt zu etablieren und gemeldete Hassreden innerhalb von 24 Stunden zu prüfen und zu entfernen.

Die Effektivität dieser Maßnahmen wird regelmäßig durch Monitoring überprüft. Seit der Einführung des Verhaltenskodexes hat sich die Löschrate in Europa von 28% im Jahr 2016 auf 70% im Jahr 2017 gesteigert. In Österreich lagen die Löschraten nach anfänglich niedrigen Werten beim dritten Monitoring 2017 bei über 70%, wobei Facebook besonders gut abschnitt, während X keine Inhalte löschte.

Es handelt sich hierbei jedoch weiterhin um einen fortlaufenden Prozess, der leider nur mehr oder weniger transparent abläuft. Ein Blick auf die  junge Vergangenheit zeigt, dass speziell auf Elon Musks Plattform X Hasspostings recht problemlos unter dem Mäntelchen der vermeintlichen „Meinungsfreiheit“ verbreitet werden können. Eine Untersuchung der Organisation Counterhate aus dem Juni 2023 zeigt, dass X in alarmierendem Ausmaß gegen Hassrede auf seiner Plattform versagt. Besonders auffällig ist, dass das soziale Netzwerk in 99% der Fälle nicht gegen Hassbotschaften von X  Blue-Abonnenten vorgegangen ist, obwohl diese Posts gegen die eigenen Richtlinien verstoßen. Die Studie legt nahe, dass die Plattform diesen Nutzern sogar erlaubt, ihre Regeln straflos zu brechen und ihre toxischen Tweets algorithmisch verstärkt.

Die Forscher sammelten Hassbotschaften von 100 X Blue-Abonnenten und meldeten diese über X eigene Werkzeuge zur Kennzeichnung von Hassinhalten. Vier Tage nach der Meldung stellten sie fest, dass X in fast allen Fällen keinerlei Maßnahmen ergriffen hatte: 99% der gemeldeten Beiträge blieben unangetastet, und alle betroffenen Konten waren weiterhin aktiv. In dem einzigen Fall, in dem X einen Hassbeitrag entfernte, blieb das dazugehörige Konto dennoch bestehen.

Besonders besorgniserregend ist, dass X auf Tweets mit rassistischen, homophoben, neonazistischen, antisemitischen oder verschwörungstheoretischen Inhalten, die im letzten Monat gepostet wurden, kaum reagierte. Die Ergebnisse der Studie werfen ernsthafte Fragen über das Engagement der Plattform im Kampf gegen Hassrede und die Einhaltung ihrer eigenen Richtlinien auf.

Verfolgung und juristische Grenze

Außerhalb der Social Media Plattformen ergeben sich weitere Probleme in Bezug aus Hasspostings gegenüber oder Online-Gewalt Frauen. Grundsätzlich müssen diese Inhalte einen rechtlichen Straftatbestand erfüllen und sind gerichtlich strafbar sein. Hass im Netz und Online-Gewalt treten in unterschiedlichsten Formen auf, weshalb es keine einheitliche Definition oder klare Abgrenzung für diese Phänomene gibt.

Obwohl es weder ein spezifisches Gesetz gegen Gewalt im Netz noch eine eindeutige rechtliche Definition dafür gibt, ist das Internet keineswegs ein rechtsfreier Raum. Die allgemeinen rechtlichen Regeln gelten online genauso wie offline, was bedeutet, dass auch Rechtsverstöße im Netz rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können.

Die Vielfalt der Gewaltformen im Netz spiegelt sich in den unterschiedlichen rechtlichen Anknüpfungspunkten wider. Je nach Art der Übergriffe kommen verschiedene Bereiche der Rechtsordnung zum Tragen, um Betroffene zu schützen. Dazu gehören Bestimmungen aus dem Bereich der Menschenrechte, dem Zivilrecht, Urheberrecht, Medienrecht und Strafrecht.

Herausforderungen der Strafverfolgung: Rechtlicher Schutz und die Grenzen bei digitalen Übergriffen

Diese rechtlichen Rahmenbedingungen sollen einen Schutz vor digitalen Übergriffen. So kann zum Beispiel das Strafrecht bei Beleidigungen oder Bedrohungen im Netz greifen, während das Zivilrecht Möglichkeiten bietet, zivilrechtliche Ansprüche wie Unterlassung oder Schadenersatz geltend zu machen. Auch urheberrechtliche Verletzungen, etwa durch die unbefugte Verbreitung von Bildern, können rechtliche Schritte nach sich ziehen.

Sie können je nach Inhalt und Kontext verschiedene Straftatbestände erfüllen, von Beleidigung über Volksverhetzung bis hin zu Bedrohung. Diese Vielfalt macht es schwierig, Hass im Internet eindeutig zu klassifizieren und juristisch zu verfolgen, was die Bekämpfung dieses Problems zusätzlich erschwert. Auf der anderen Seite aber auch nicht direkt greifbar und vielleicht für ermittelnde Behörden gar nicht erst verfolgbar sein.

Dramatischer Anstieg bei Meldungen: Ermittlungsbehörden überfordert und Täter oft unauffindbar

Fehlendes Wissen, mangelnde Kompetenzen oder nicht greifbare Täter stellen große Herausforderungen dar, bei denen viele Ermittlungsbehörden recht schnell aufgeben, auch aufgrund ihrer Negativerfahrungen in vorangegangenen ähnlichen Fällen. Das deutsche Bundeskriminalamt zeigt in den Meldungseingängen der Meldestelle Hasspostings einen deutlichen Anstieg, ja mehr als eine Verdopplung der eingegangenen Meldungen, innerhalb nur eines Jahres. Gingen im Zeitraum April – Juni 2023 noch 2910 Meldungen ein, so waren es von Januar bis März 2024 schon 5220 eingegangene Meldungen.

Screenshot: Bundeskriminalamt Deutschland, ZMI ( Online-Gewalt )
Screenshot: Bundeskriminalamt Deutschland, ZMI

Wie viele dieser Meldungen sich auf Online-Gewalt gegenüber Frauen beziehen, wird leider aus der Statistik nicht deutlich. Selbst hier wird die klare Definition von Gewalt in Netz gegen Frauen nicht einfach. Dennoch gibt es sie, der Weisse Ring Österreich hat in der Broschüre „Gewalt im Netz gegen Frauen & Mädchen in Österreich“ mehrere Formen von Gewalt definiert.

Diese Formen von Gewalt im Netz sind nicht nur vielschichtig, sondern auch herausfordernd. Die entsprechende Definition wurde sorgfältig entwickelt, um den vielfältigen Erscheinungsformen dieser Gewalt gerecht zu werden, ohne den Begriff zu sehr zu verallgemeinern oder das individuelle Erleben der Betroffenen zu übersehen. Ausgangspunkt dieser Definition war die Perspektive der Betroffenen selbst, ergänzt durch bestehende Definitionen von Online-Gewalt, Expertenmeinungen und einschlägige Fachliteratur.

Ziel war es, eine Definition zu schaffen, die einen Ausgleich zwischen einer zu weiten und einer zu engen Auffassung von Gewalt im Netz findet. Eine zu breite Definition könnte den Gewaltbegriff verwässern und somit seine Bedeutung mindern. Eine zu enge Definition hingegen würde das Risiko bergen, das tatsächliche Erleben der Betroffenen nicht vollständig abzubilden oder neue Phänomene nicht zu erfassen.

Die schließlich entwickelte Definition beschreibt Gewalt im Netz als jede sprachliche oder darstellende Äußerung, die über das Internet verbreitet oder zugestellt und von den Empfängern als bedrohlich, herabwürdigend oder verunglimpfend empfunden wird. Besonders problematisch sind Äußerungen, die das Leben der Betroffenen in unzumutbarer Weise beeinträchtigen. Diese Definition berücksichtigt nicht nur das individuelle Empfinden, sondern auch das Empfinden eines wahrnehmbaren Teils der rechtsverbundenen Sprachgemeinschaft. Besonders im Fokus stehen dabei diskriminierende Äußerungen, die sich gegen die ethnische Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, sexuelle Orientierung, Geschlecht oder körperliche und intellektuelle Beeinträchtigungen richten.

Öffentliche Demütigung und Anonymität: Die verstärkte Bedrohung durch Online-Gewalt

Ein besonders belastendes Merkmal von Online-Gewalt ist die oft große Öffentlichkeit, in der diese Gewalterfahrungen stattfinden. Anders als bei vielen Formen der physischen Gewalt sind die betroffenen Personen nicht nur dem Täter ausgesetzt, sondern oft einem breiten Publikum, was das Ausmaß des Schadens erheblich vergrößert. Hinzu kommt die Anonymität, hinter der sich die Täter häufig verbergen, was es für die Betroffenen besonders schwierig macht, sich zu wehren und Unterstützung zu finden.

Die Broschüre zeigt auch, dass die Strukturen und Machtverhältnisse, in denen Online-Gewalt stattfindet, jenen in der analogen Welt ähneln. Oft hat Online-Gewalt eine direkte Verbindung zur Offline-Welt und umgekehrt. Diese enge Verflechtung macht es unmöglich, digitale und analoge Gewalt strikt voneinander zu trennen. Beispiele hierfür sind Hasskriminalität, (Ex-)Partnergewalt gegen Frauen, Stalking und Mobbing, die sowohl online als auch offline auftreten und einander verstärken können.

Besonders Frauen und Mädchen sind von dieser Form der Gewalt betroffen. Im vergangenen Jahr erlebten fast vier von zehn Frauen (39 Prozent), die Gewalt im Netz ausgesetzt waren, Beschimpfungen aufgrund ihrer politischen Weltanschauung. Mehr als ein Drittel der Frauen (36 Prozent) berichtete von persönlichen Beleidigungen, während 34 Prozent unerwünschte sexuell anzügliche Mitteilungen oder Bilder erhielten. Zudem sahen sich 24 Prozent der Frauen und Mädchen Beschimpfungen aufgrund ihres Geschlechts ausgesetzt. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Online-Gewalt nicht nur weit verbreitet, sondern auch gezielt gegen Frauen gerichtet ist. Das wiederum hat sich in unseren direkten Gesprächen mit Betroffenen ebenso gezeigt.

Über Anzeigen und Sand

Doch was passiert, wenn Online-Gewalt gegen Frauen von Frauen zur Anzeige gebracht wird? In nicht repräsentativen Feedbacks und Berichten von Betroffenen uns gegenüber zeigt sich ein deutliches Muster: Viele Anzeigen wegen Online-Gewalt, wie Beleidigungen, Bedrohungen und Hasspostings, werden von den Behörden entweder gar nicht oder nur unzureichend verfolgt.

Mehrere Personen berichten, dass ihre Anzeigen eingestellt wurden, weil kein „öffentliches Interesse“ bestehe, selbst wenn sie handfeste Beweise wie Screenshots oder Namen der Täter vorlegen konnten. In einigen Fällen konnten Täter trotz vorhandener Informationen nicht ermittelt werden, und Betroffene blieben ohne Rückmeldung oder mit dem Gefühl der Hilflosigkeit zurück.

Die Erfahrungen mit der Strafverfolgung sind gemischt, aber überwiegend negativ. Einige wenige Berichte zeigen positive Ergebnisse, vor allem in Fällen, in denen Anzeigen online bei spezifischen Polizeistellen eingereicht wurden. Ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen wird hier als relativ erfolgreich hervorgehoben, ebenso wie ein Fall, bei dem die Polizei nachträglich den Täter zur Rede stellte, was für den Betroffenen eine gewisse Genugtuung darstellte.

Behördliche Ignoranz: Fehlende Sensibilität und unklare Prioritäten bei Online-Gewalt

Betroffene berichten, dass Polizisten die Schwere der Vorfälle oft nicht anerkennen und ihnen Ratschläge geben, die die Problematik verharmlosen, wie beispielsweise „weniger Zeit online zu verbringen“. Dies deutet auf eine erhebliche Lücke im Verständnis und in der Handhabung von digitalen Straftaten hin.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Frage nach dem „öffentlichen Interesse“, das als Begründung für die Einstellung vieler Verfahren angeführt wird. Diese Entscheidungspraxis wird von den Betroffenen stark kritisiert, da sie das Gefühl vermittelt, dass ihre Anliegen nicht ernst genommen werden. Die Kriterien, die festlegen, wann ein Fall von öffentlichem Interesse ist, scheinen oft undurchsichtig und willkürlich zu sein.

Einige Berichte deuten darauf hin, dass es einen grundlegenden Mangel an technologischem Verständnis bei den Strafverfolgungsbehörden gibt. Dies wird besonders deutlich in Fällen, in denen eindeutige Beweise vorgelegt werden, die dennoch nicht zu einer Verfolgung führen. Dies verstärkt das Gefühl, dass das Internet von den Behörden als eine weniger relevante Sphäre betrachtet wird, obwohl die Auswirkungen von Online-Gewalt oft ebenso schwerwiegend sein können wie physische Angriffe.

Positiv hervorzuheben ist ein Fall, in dem eine Betroffene ihre Anzeige erfolgreich durchsetzen konnte und dies als wichtigen Schritt im Kampf gegen Hass im Netz betrachtet. Sie sieht dies als Beispiel dafür, dass es sich lohnt, gegen Beleidigungen und Drohungen vorzugehen, und möchte damit auch anderen Mut machen, sich zu wehren.

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Insgesamt offenbaren die Berichte eine beunruhigende Kluft zwischen der Realität der Online-Gewalt und der Art und Weise, wie sie von den Strafverfolgungsbehörden behandelt wird. Während einige Erfolge sichtbar sind, überwiegt das Gefühl der Frustration und Hilflosigkeit. Es wird deutlich, dass ein erheblicher Bedarf an Sensibilisierung, Fortbildung und strukturellen Veränderungen besteht, um der digitalen Gewalt wirksam zu begegnen und den Betroffenen den nötigen Schutz und die Unterstützung zu bieten.

KI: Wenn aus Fantasie visuelle Realität wird!

Mithilfe von generativer Grafik-KI können wir alles Denkbare visualisieren. Je nachdem, welche ethischen und moralischen Grenzen einer KI (nicht) eingebaut wurden, ist das auch im Bereich der Pornografie möglich. Die war ursprünglich der Anlass dieser Recherche: Was ist, wenn nur wenige Fotos ausreichen, um eine Person als vermeintliche DarstellerIn in pornografischem Material zu zeigen?

Wir reden hier nicht von Utopien, sondern von einer Technik mit dem Namen „Face-Swap“. Diese ermöglicht es, das Gesicht einer Person in einem Bild oder Video durch das Gesicht einer anderen Person zu ersetzen. Diese Technik ist vor allem in sozialen Medien und in der Unterhaltungsindustrie populär geworden, wo sie ursprünglich für humorvolle oder kreative Inhalte verwendet wird. Wir alle kennen die „niedlichen“ Hundefilter oder Ähnliche auf Plattformen wie Snapchat oder in Reels auf Instagram oder Facebook.

Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von harmlosen Fotomontagen bis hin zu täuschend echten Videos, in denen die Beteiligten scheinbar in Situationen auftreten, die sie in Wirklichkeit nie erlebt haben. Hier liegt nun das Problem, wenn damit rufschädigendes Material wie pornografische Clips generiert werden. Face-Swap-Technologie basiert auf fortschrittlichen Methoden von KI, die in der Lage sind, Gesichter in Bildern und Videos zu erkennen und zu manipulieren. Dabei spielen zwei Hauptkomponenten eine Rolle: Gesichtserkennung und Bildsynthese.

Online-Gewalt : Zunächst analysiert ein KI-Algorithmus das Bild oder Video, um das Gesicht der Zielperson zu identifizieren. Diese Gesichtserkennung erfolgt oft durch sogenannte Convolutional Neural Networks (CNNs), die darauf trainiert sind, spezifische Merkmale eines Gesichts, wie Augen, Nase und Mund, zu erkennen. Sobald das Gesicht identifiziert wurde, analysiert die KI die Merkmale des Gesichts, das ersetzt werden soll, und erstellt ein Modell davon.
Screenshot: Face-Swap-Technologie

Zunächst analysiert ein KI-Algorithmus das Bild oder Video, um das Gesicht der Zielperson zu identifizieren. Diese Gesichtserkennung erfolgt oft durch sogenannte Convolutional Neural Networks (CNNs), die darauf trainiert sind, spezifische Merkmale eines Gesichts, wie Augen, Nase und Mund, zu erkennen. Sobald das Gesicht identifiziert wurde, analysiert die KI die Merkmale des Gesichts, das ersetzt werden soll, und erstellt ein Modell davon.

Anschließend verwendet die KI Techniken wie Generative Adversarial Networks (GANs), um das Gesicht der Zielperson so zu verändern, dass es sich nahtlos in den neuen Kontext einfügt. Dabei werden Beleuchtung, Hautfarbe, Gesichtsausdrücke und Bewegungen berücksichtigt, um einen möglichst realistischen Effekt zu erzielen. Das Ergebnis ist ein Bild oder Video, in dem das ursprüngliche Gesicht durch ein anderes ersetzt wurde – oft so geschickt, dass der Austausch auf den ersten Blick nicht erkennbar ist.

Es ist ein Leichtes, online diverse KI-Generatoren zu finden, die nicht einfach nur pornografisches Material erstellen, sondern auch die Möglichkeiten des Face-Swappings für Bilder und Videos anbieten. Oft wird auch ein einfacher „Undress (Nacktmachen)“-Service von Personen auf Bildern angeboten. Die Nutzer werden dazu animiert, Bilder hochzuladen („Undress your girlfriend“), welche dann verwendet werden. Woher die Bilder stammen, das interessiert die KI nicht, sie macht lediglich ihren Job.

Wie qualitativ hochwertig diese einzelnen Angebote sind, sei dahingestellt. Viele der Websites sind reine Klickfallen, aber manche dieser KI funktionieren sogar im einfachen Gratismodus.

Selbstversuch mit Face-Swap: Erschreckend einfache Manipulation von Bildern

In einem Selbstversuch haben wir getestet, wie einfach es ist, im Internet auf Undress-KI zuzugreifen und diese zu nutzen. Der Einstieg dazu erwies sich als erschreckend unkompliziert: Bereits nach einer einfachen Google-Suche fanden wir eine Vielzahl von Online-Generatoren, die Face-Swap und Undress-Services anbieten.

Die Anmeldung bei diesen Diensten verlief ebenfalls problemlos. Um mögliche Datenschutzbedenken zu umgehen, nutzten wir eine Wegwerf-E-Mail-Adresse für den Gratistest – eine Methode, die problemlos akzeptiert wurde. Teilweise musste nicht einmal die Adresse bestätigt werden, man kann also davon ausgehen, dass hier auch das Sammeln von Adressdaten betrieben wird.

Für unser Testmaterial wollten wir keine echten Personen verwenden, um ethische und rechtliche Probleme zu vermeiden. Daher haben wir eine klassische Grafik-KI genutzt, um eine künstliche Person zu generieren. Mit diesem Bildmaterial konnten wir die verschiedenen Undress-Generatoren ausprobieren.

Die Ergebnisse waren gemischt: Während einige der getesteten KI-Tools enttäuschend schlechte Ergebnisse lieferten, erzeugten andere erstaunlich realistische Körper. Besonders auffällig war, dass bei den qualitativ besseren Diensten das Ergebnis nahezu perfekt an das ursprüngliche Bild angepasst wurde – so gut, dass der Austausch auf den ersten Blick nicht zu erkennen war.

Erniedrigt, beschimpft, mundtot gemacht, sexuell gedemütigt: Was Frauen im Netz widerfährt. – mimikama.org

Viele Anbieter bieten eine kostenlose Testphase, meist ein einzelnes Bild an, die allerdings in allen Fällen ein Wasserzeichen enthält. Wer bereit ist, Geld auszugeben, erhält hochqualitative Bilder und Videos ohne Wasserzeichen und profitiert von einer relativ einfachen Handhabung der Software.

Erschreckende Einfachheit: KI-gestützte Bildmanipulation ohne rechtliche Konsequenzen

Entsprechend reicht ein Schnappschuss, ein mehr oder weniger gutes Portraitfoto, ein einfaches an einem anderen Ort gefundenes Bild, um eine Person „auszuziehen“. Bei Videos ist es ähnlich: Das Bild einer realen Person wird mittels Face-Swap auf das Gesicht einer Person in einem Videoclip platziert und mittels der Gesichtsmerkmale wie eine Maske angepasst.

Das Dilemma: „Die Bearbeitung eines Fotos ist nicht strafbar.“, so Rechtsanwalt Mag. Thomas Fraiß uns gegenüber zu dem Thema. Ebenso das Erstellen ohne das Wissen Dritter, sofern keine Vervielfältigung vorliegt. Ob es bei diesem KI zu einer Vervielfältigung kommt, kann Fraiß ohne jeweilige Einzelbeurteilung nicht zweifelsfrei sagen.

Und wenn diese Videos oder Bilder weitergeleitet werden, ist der reine Besitz des Materials bei Dritten ebenso nicht strafbar. „Zu überlegen wäre allenfalls eine Anwendbarkeit von § 207a Abs 3 StGB bei der Verwendung von Bildermaterial Minderjähriger (Besitz von Kinderpornografie), aber ob die Montage eines Kinderkopfes auf den Pornokörper eines Erwachsenen ausreicht, ist auch nicht zweifelsfrei zu sagen.“ schätzt Fraiß ein. Die Voraussetzung für eine Strafbarkeit wäre die tatsächliche Minderjährigkeit der abgebildeten Person, wobei sich das wohl auf den ganzen Körper beziehen muss. Strafbares Verhalten ist im Besitz allein sonst nicht zu erkennen, pornografisches Material ist rechtlich pornografisches Material, egal wer darin vorkommt (mit Ausnahme Minderjähriger).

„Man darf aber nicht in die Falle tappen und glauben, dass etwas, das nicht strafbar ist, deswegen auch erlaubt ist. Betroffene können sich dagegen natürlich zivilrechtlich wehren“, merkt Fraiß an. „Primär können sich Betroffene mit Unterlassungsklage wehren, die darauf abzielt, sowohl die Bearbeitung als auch deren wahrscheinliche Verbreitung zu verhindern.“ Und jede Unterlassungsklage beinhaltet auch die Pflicht zur Beseitigung, entsprechend wird die beklagte Person dafür sorgen müssen, dass alles wieder verschwindet.

Probleme sieht Fraiß grundsätzlich bei der Strafbarkeit: Das Erstellen eines Deepfake Videos ist wohl nur dann strafbar, wenn die Voraussetzungen gemäß § 63 DSG erfüllt sind, also wenn der Hersteller des Videos personenbezogene Daten (Digital-Foto oder Video) benützt, um das Video damit herzustellen, und er sich das Foto/Video entweder widerrechtlich verschafft hat oder ihm dieses ausschließlich aufgrund seiner berufsmäßigen Beschäftigung anvertraut oder zugänglich geworden sind. Dafür droht eine Freiheitsstrafe von bis 1 Jahr.

Was tun, wenn es passiert ist? Erste Anlaufstellen!

Was können Betroffene tun, wenn ihnen Online-Gewalt widerfährt? Es gibt eine Menge von Links und Tipps zu diesem Thema. Je nach Land gibt es unterschiedliche Anlaufstellen und Ratgeber. Es ist auch nicht immer einfach zu erkennen, wann genau Grenzen überschritten wurden.

Doch eine Kritik möchte ich an dieser Stelle äußern: Fast alle Ratgeber, die sich mit dem Thema Online-Gewalt befassen, konzentrieren sich auf Verhaltenstipps für Betroffene. Nur selten richten sie sich an die eigentlichen Verursacher, die Aggressoren. Dabei sind genau sie das Problem! Wie bereits eingangs beschrieben, hat Online-Gewalt gegen Frauen oft ihre Wurzeln in tief verwurzelten patriarchalen Strukturen und gesellschaftlichen Ungleichheiten.

Ein wichtiger, aber selten geäußerter Rat ist daher: Wir dürfen junge Menschen, insbesondere junge Männer, nicht (ungewollt) zu Tätern erziehen. Die Verantwortung dafür beginnt schon zu Hause. Gleichberechtigung und Gleichstellung müssen früh gelehrt und vorgelebt werden. Toxische Machtverhältnisse, die Männer über Frauen stellen und Gewalt – sei sie physisch oder digital – rechtfertigen, müssen von klein auf hinterfragt und abgebaut werden.

Keine Zweifel, reale und Online-Gewalt gegen Frauen resultieren häufig aus dem Mangel an Respekt und Empathie. Beides bildet auf Social Media jedoch die Basis für jegliche Form von Kommunikation. Hier muss allen Beteiligten klargemacht werden, dass ihre Handlungen im digitalen Raum echte Konsequenzen für andere Menschen haben – Konsequenzen, die schwerwiegender sein können, als sie vielleicht denken.

Der Umgang mit digitalen Technologien, einschließlich der potenziell gefährlichen Möglichkeiten wie Face-Swap und andere manipulative Techniken, sollte Teil einer breiteren Diskussion über Verantwortung und Ethik sein. Wenn wir es versäumen, diese Gespräche zu führen, riskieren wir, Tätergruppen heranzuziehen, die sich der Schwere ihrer Handlungen nicht bewusst sind. Ebenso muss auch Behörden klargemacht werden, dass wir es nicht mit Bagatellsituationen zu tun haben. Wer Aggressor und wer Betroffen ist, darf weder verwischt noch umgekehrt werden.

Im Anschluss an dieses kleine Plädoyer nun die klassischen Hinweise und Tipps, die natürlich nicht unterschlagen werden dürfen. Was tun, an wen wenden? Sowohl in Deutschland als auch Österreich gibt es staatliche Hilfsangebote, wie Hotlines, aber auch diverse Meldestellen, Vereine, NGOs, die Betroffenen wichtige Hilfe leisten.

Staatliche Hilfetelefone (365 Tage/24 Stunden)

  • Hilfetelefon DEUTSCHLAND (Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben): 116 016
  • Frauenhelpline gegen Gewalt ÖSTERREICH (Bundeskanzleramt Österreich – Sektion für Frauenangelegenheiten und Gleichstellung): +43 800 222555
    Betroffenen-Notruf des Justizministeriums +43 0800 112 112

Weitere Hilfe für Betroffene (Deutschland):

Weitere Hilfe für Betroffene (Österreich): 

Die Sektion für Frauenangelegenheiten und Gleichstellung schreibt überdies:

Nicht jedes hasserfüllte Posting ist strafbar und nicht alle Betroffenen möchten Anzeige erstatten. Es gibt auch andere Möglichkeiten sich vor Cybergewalt zu schützen, sich zu wehren und Betroffene zu unterstützen:

  • Inhalte melden: Eine mögliche Reaktion auf Cybergewalt ist es, die Löschung von Inhalten zu beantragen. Betroffene können verletzende oder gewaltvolle Inhalte den Betreiberinnen und Betreibern von Social-Media-Plattformen melden.
  • Das eigene Umfeld gestalten: Generell lohnt es sich darüber nachzudenken, wie man das eigene Online-Umfeld gestaltet: Welche Inhalte und welche Personen möchte ich sehen? Was belastet mich? Manchmal kann es eine Erleichterung sein, bestimmte Personen, Gruppen oder Seiten stummzuschalten, ihnen zu „entfolgen“ oder sie zu blockieren. Damit werden die Inhalte zwar „nur“ für Sie unsichtbar, aber genau das kann Ihnen guttun.
  • Gewalt benennen und dagegenreden: Benennen Sie Gewalt als solche, wenn Sie auf hasserfüllte Kommentare oder Nachrichten reagieren. („Das ist sexistisch/frauenfeindlich/…“) Hass im Netz bleibt so nicht unwidersprochen stehen. Selbst wenn Sie damit nicht die Erstellerinnen und Ersteller der Hasspostings überzeugen, senden Sie ein wichtiges Signal an Betroffene. Sie zeigen ihnen, dass sie nicht alleine sind.
  • Persönliche Konfliktlösung: Manchmal wird Betroffenen empfohlen, dass sie direkt mit den Personen in Kontakt treten sollen, die sie online beleidigen/beschimpfen/bedrohen. Das ist allerdings nicht immer ratsam. Manchmal kann das sogar dazu führen, dass die Belästigung noch schlimmer wird.


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
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