Diskriminiert Pringles Menschen mit kräftigen Armen und wurde deshalb verklagt? – Nope. Nur Satire.

Eine kuriose Geschichte geht viral – was ist dran an der angeblichen Klage wegen der Pringles-Verpackung?

Die Behauptung

Eine 42-jährige Frau namens Joy Ryde-Myaz aus York soll Pringles verklagt haben, weil sie aufgrund ihrer „kräftigeren Arme“ die Chips am Boden der zylindrischen Verpackung nicht erreichen könne.

Faktencheck: Falsch

Die Behauptung ist falsch. Sie stammt von der Satire-Seite „Wakefield News“, die bekannt dafür ist, humorvolle und fiktive Geschichten zu veröffentlichen. Dennoch wurde der Beitrag im Netz vielfach ohne diesen Hinweis verbreitet, wodurch er in den sozialen Medien fälschlicherweise als echter Vorfall interpretiert wurde.

Kurze Faktenübersicht:

  • Satirequelle: Das Gerücht stammt von der Satire–Seite „Wakefield News“.
  • Keine Klage dokumentiert: Es gibt keine Berichte über eine solche Klage in seriösen Medien.
  • Verbreitung ohne Kontext: Da der Original-Beitrag nicht geteilt, sondern kopiert und erneut gepostet wurde, ging der ursprüngliche Urheber und damit der Hinweis auf Satire verloren, was den Eindruck einer echten Meldung erweckte.
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Pringles-Verpackung als „Diskriminierung“?

In sozialen Netzwerken kursiert derzeit ein kurioser Beitrag: Eine Frau namens Joy Ryde-Myaz (ein Name, der verdächtig wie ein Wortspiel klingt) habe sich darüber beklagt, dass sie die Chips am Boden einer Pringles-Verpackung nicht erreichen könne – eine „Diskriminierung von Menschen mit kräftigeren Armen und schönen Kurven“. Die angebliche Klägerin soll sogar angegeben haben, im letzten Jahr 56 Pringles-Dosen gekauft und immer das gleiche Problem gehabt zu haben.

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook (hier archiviert)

Der Ursprung des Gerüchts

Die ursprüngliche Behauptung stammt von der Facebook-Seite „Wakefield News“, die sich selbst als „humorvolle Nachrichtenseite“ bezeichnet. In der Beschreibung der Seite steht deutlich: „Nichts auf dieser Seite ist ernst gemeint. Parodie-Account.“

Für geübte Leser ist also sofort klar: Das Ganze ist ein Witz. Doch genau hier beginnt das Problem.

Warum verbreiten sich Satire-Beiträge als vermeintliche Nachrichten?

Die Antwort liegt in der Dynamik sozialer Netzwerke. Beiträge, die empörend oder skurril wirken, haben eine hohe Wahrscheinlichkeit, oft geteilt zu werden. Ein Blick auf die Quelle reicht oft schon aus, um Satire von echten Nachrichten zu unterscheiden. Seiten wie „Wakefield News“ machen aus ihrer humorvollen Absicht keinen Hehl – nur geht diese beim Weiterverbreiten in sozialen Netzwerken häufig verloren.

Statt den Originalbeitrag zu teilen, kopierten Nutzer das Bild und den Text, wodurch der Satire-Hinweis durch den nun fehlenden Zusammenhang mit dem Urheber verschwand. Dadurch wiederum entsteht eine Art „Stille Post“-Spiel, bei dem Satire schnell zur vermeintlichen Realität wird.

Ein weiterer Hinweis auf den Scherz ist auch der Name: „Joy Ryde-Myaz“ klingt phonetisch wie „joy ride my ass“ – ein typisches Wortspiel. Auch dass man die Pringles einfach aus der Packung leeren könnte und nicht mit der Hand bis ganz nach unten gelangen muss, ist hier wohl niemandem aufgefallen.
Ein weiterer Grund für den Erfolg dieser Geschichte ist, dass es in den USA durchaus Fälle absurder Klagen gibt, was den Eindruck erweckt, eine Klage wegen der Pringles-Verpackung könnte tatsächlich möglich sein. Doch in diesem Fall ist klar: Die Geschichte ist frei erfunden.

Im deutschsprachigen Raum wurde der Pringles-Satire-Beitrag ohne den ursprünglichen Hinweis weiterverbreitet, sodass viele Nutzer annahmen, die Geschichte sei echt.

Ein Bild mit problematischem Subtext?

Besonders kritisch ist die Abbildung, die mit dem Beitrag geteilt wird und die angebliche Klägerin darstellen soll: Sie zeigt eine Frau mit kräftigen Armen, die möglicherweise an einem Lipödem leidet – einer chronischen Erkrankung, die zu Fettgewebsvermehrung und starken Schmerzen führt. Für Betroffene könnte die Darstellung weniger humorvoll wirken als für den Ersteller des ursprünglichen Posts.

Diese Art von Bildnutzung führt schnell zu Stigmatisierung und verstärkt Vorurteile. Auch bei satirischen Inhalten sollte man sich bewusst sein, welche Auswirkungen sie auf bestimmte Personengruppen haben können.

„Wakefield News“ hat hier reagiert und das Bild der Frau zwischenzeitlich entfernt.

Fazit

Die angebliche Klage gegen Pringles wegen „diskriminierender“ Verpackungen ist reine Satire. Leider wurde der Beitrag im Netz ohne den Hinweis auf seinen humorvollen Charakter weiterverbreitet, was für Verwirrung sorgte.

Quelle: Snopes

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