Die Behauptung
Überall in Potsdam tauchen mysteriöse Schlüssel auf, was in den sozialen Medien zu Spekulationen über eine neue Betrugsmasche führte. Die Schlüssel wurden jedoch absichtlich im Rahmen eines Forschungsprojekts platziert.
Wahr
Wie sich herausstellte, steckt ein politikwissenschaftliches Experiment der Universität Münster hinter den „verlorenen“ Schlüsseln. Ziel war es, die Einstellung der Potsdamer zur AfD zu messen, indem Schlüssel mit verschiedenen Partei-Aufklebern verteilt wurden.
Kurze Faktenübersicht:
- 700 Schlüssel, alle gleich: Mit Anhängern, die zur Rückgabe per E-Mail auffordern, wurden in Potsdam verteilt.
- Partei-Aufkleber als Test: AfD, SPD, CDU, Grüne – jede Partei bekam ihre Schlüssel.
- Das „Rätsel“ ist gelöst: Ein Professor wollte den Einfluss der AfD auf die Rückgabequote untersuchen.
Bewertung: Wahr – es handelt sich tatsächlich um ein wissenschaftliches Experiment.
Mysteriöse Schlüssel: Was wirklich dahintersteckt
Wer dachte, dass in Potsdam eine Welle von Schlüsseldiebstählen oder gar ein großangelegter Betrugsversuch im Gange sei, wird nun eines Besseren belehrt: Wissenschaftler haben es wieder getan. Ja, sie haben uns mitten in ein „Experiment“ gestürzt, das auf den ersten Blick so skurril wirkt, dass selbst ein durchschnittlicher Krimiautor es sich kaum hätte ausdenken können.
„Verlorene“ Schlüssel in ganz Potsdam
In den letzten Tagen fanden Potsdamer überall Schlüssel. In der Nauener Vorstadt, in Fahrland, in Bornim – es war, als würden die Schlüssel vom Himmel fallen. Alle hatten etwas gemeinsam: Sie waren nie benutzt worden, noch nie in ein Schloss gesteckt, und trugen billige, farbige Anhänger, wie man sie im Baumarkt für ein paar Cent bekommt. Im Anhänger: Ein Zettel mit der Aufforderung, sich per E-Mail zu melden, falls man den „verlorenen“ Schlüssel finden sollte.
Ach ja, diese E-Mail-Adresse – was für eine Überraschung – führte immer zur gleichen Person: „Anja Hoffmann„. Wer ist diese geheimnisvolle Frau, die anscheinend so viele Schlüssel verliert? Das Netz begann zu spekulieren: Betrug? Ein krimineller Trick? Die Wahrheit war natürlich viel unspektakulärer, aber irgendwie auch absurder.
Skurrile E-Mail-Adressen: Der „+“-Trick bei Gmail, einfach erklärt
Wir haben bemerkt, dass die E-Mail-Adressen der gefundenen Schlüssel in Potsdam immer einen ähnlichen Aufbau hatten: „anja.hoffmann01+300@gmail.com“, „anja.hoffmann01+604@gmail.com“ – die Zahlen nach dem „+“ änderten sich immer. Also haben wir nachgeforscht, was es damit auf sich hat.
Es stellt sich heraus, dass der „+“-Trick bei Gmail eine clevere Funktion ist. Du kannst hinter deinem Namen ein „+“ und beliebige Zeichen oder Zahlen einfügen, zum Beispiel „anja.hoffmann01+mimikama@gmail.com“. Gmail ignoriert alles nach dem „+“, sodass die E-Mails trotzdem in deinem normalen Postfach landen. Aber der Zusatz verrät dir, woher die E-Mail stammt oder wie deine Adresse verwendet wurde.
Im Fall des Schlüssel-Experiments nutzte der Professor diesen Trick, um die Rückgabe der Schlüssel zu überwachen. Jede Zahl nach dem „+“ stand für einen anderen Schlüssel oder Ort, sodass er genau verfolgen konnte, welche Schlüssel zurückgegeben wurden – alles mit nur einer E-Mail-Adresse!
Ein Professor und seine „Experimentierfreude“
Was sich wie der Plot eines schlechten Films anhört, war in Wahrheit ein gut geplantes, politikwissenschaftliches Experiment eines Professors aus Münster. Ziel des ganzen Schlüsseldramas? Die Einstellung der Potsdamer zur AfD untersuchen. Ja, das ist korrekt – diese massenweise verteilten Schlüssel sollten herausfinden, ob die Leute anders auf AfD-Aufkleber reagieren als auf die anderer Parteien. Ob die Rückgabequote von Schlüsseln mit AfD-Aufklebern von den Landtagswahlen beeinflusst wird. Die Wissenschaft geht eben manchmal seltsame Wege.
Parteienaufkleber und Rückgabequoten
Über 700 Schlüssel, manche mit AfD-Stickern, andere mit SPD-, CDU- oder Grünen-Aufklebern, wurden überall in Potsdam verteilt. Der Gedanke dahinter: Wenn die AfD in den Wahlen gut abschneidet, fühlen sich die Leute dann wohler, einen AfD-Schlüssel zurückzugeben? Oder gilt „verloren ist verloren“, egal was draufsteht?
Fazit zum Thema „Schlüsseldrama in Potsdam“
Also, bevor die nächsten Verschwörungstheorien entstehen: Die Schlüssel-Aktion in Potsdam war nichts weiter als ein Experiment eines Professors, der den Einfluss der AfD auf das Verhalten der Bürger testen wollte. Kein Betrug, keine kriminelle Masche – einfach nur Wissenschaft. Willkommen im 21. Jahrhundert, wo selbst der Verlust eines Schlüssels nicht mehr das ist, was er einmal war.
Quelle: Tagesspiegel
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