Echtes Überwachungsvideo wird zur erfundenen Geschichte über „muslimische Brandstifterinnen“ in Japan

Ein echtes Überwachungsvideo aus Japan wird mit einer erfundenen Täteridentität verbreitet. Weder eine Brandstiftung noch Religion und Geschlecht der gefilmten Personen sind belegt.

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KURZMELDUNG · JAPAN

Auf X läuft seit 25. September ein Überwachungsvideo: Zwei Personen mit verdeckten Gesichtern bewegen sich nachts auf einem Schreinareal. Der Begleittext macht daraus zwei muslimische Frauen, die einen Tempel anzünden sollen, und nennt neun weitere Fälle. Facta fand dafür am 30. September 2026 keine Belege.

Das Video stammt vom Soya-Schrein in Hadano. Am Abend des 22. September drangen dort zwei Personen in einen Bereich des Schreins ein, nachdem Fenster beschädigt worden waren. Der Schrein erstattete Anzeige wegen versuchten Diebstahls. Einen Brand gab es bei diesem Vorfall nicht.

Später wurden zwei ähnlich gekleidete Verdächtige beim nahe gelegenen Myoenji-Tempel in Hiratsuka beobachtet. Dessen stellvertretender Leiter sprach gegenüber einem japanischen Medium nur von zwei Personen mit Gesichtsbedeckung. Ihr Geschlecht und ihre Religion sind öffentlich nicht geklärt.

Die Geschichte ist älter als dieses Video. Facta verweist auf einen Bericht von The Japan News vom Juni 2026. Schon damals kursierte die Behauptung, muslimische Frauen würden in Japan Tempel anzünden. Befragte Polizei- und Feuerwehrstellen fanden dafür keine Belege.

Eine relevante Verbreitung dieser aktuellen Variante im deutschsprachigen Raum ist bisher nicht dokumentiert. Wer die Behauptung ursprünglich mit dem Video verbunden hat, wissen wir nicht.

Der Fall zeigt, warum echtes Bildmaterial eine Geschichte nicht automatisch bestätigt. Das Video liefert nur die sichtbare Szene. Religion, Geschlecht, Motiv und angebliche frühere Fälle kommen erst im Begleittext dazu. So kann ein realer Vorfall als scheinbar neuer Beleg für ein bereits bestehendes Feindbild dienen.

Quellen

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