„Achtung, Serienmörder auf freiem Fuß“ – Betrug!

Eine angebliche Warnung, die in sozialen Medien kursiert, ist nichts weiter als ein großangelegter Betrug.

Die Behauptung

In Facebook-Posts wird behauptet, ein „Serienmörder“ namens Robert Thibodeau sei in verschiedenen US-Städten auf der Flucht und greife Menschen an. Die Beiträge warnen die Öffentlichkeit, wachsam zu sein.

Falsch

Diese Behauptung ist falsch. Mehrere Behörden in den USA haben die Existenz eines Serienmörders namens Robert Thibodeau verneint und die Posts als nationale Betrugsmasche bezeichnet. Die verwendeten Fotos stammen von einer Person, die 2018 aus völlig anderen Gründen verhaftet wurde.

Kurze Faktenübersicht:

  • Keine Beweise für einen flüchtigen Serienmörder: Behörden haben den angeblichen Serienmörder eindeutig dementiert.
  • Verwendetes Foto falsch: Die abgebildete Person ist James A. Vining, der 2018 wegen Voyeurismus und anderer Straftaten festgenommen wurde.
  • Ziel der Posts: Die Beiträge locken persönliche Informationen durch vermeintliche „kostenlose“ Dienstleistungen heraus.
  • Auch in deutscher Sprache verbreitet: Diese Betrugsmasche gelangt über automatische Übersetzungen von Facebook häufig auch in den deutschsprachigen Raum.
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Virale Warnung: Ein „Serienmörder“ vor Ihrer Haustür?

Haben Sie in letzter Zeit einen Beitrag auf Facebook gesehen, der Sie vor einem Serienmörder warnt? Angeblich soll ein Mann namens Robert Thibodeau in Ihrer Stadt unterwegs sein, an Türen klopfen und sich als hilfsbedürftig ausgeben, nur um dann zuzuschlagen. Diese Behauptung kursiert seit Wochen in verschiedenen Städten – und sorgt für unnötige Panik.

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Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

Denn die Wahrheit sieht anders aus: Diese Posts sind ein großangelegter Betrug, der nichts mit einem echten Serienmörder zu tun hat.

Betrugsmasche: Vom englischen Original zur deutschen Übersetzung

Obwohl diese Posts ihren Ursprung im englischsprachigen Raum haben, tauchen sie oft auch auf Deutsch auf. Das liegt daran, dass Facebook englischsprachige Beiträge automatisch übersetzt, um sie für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen. Durch die Übersetzungen verbreiten sich die Falschmeldungen auch im deutschsprachigen Raum, wo sie ebenfalls Panik und Misstrauen schüren.

Einmal ins Deutsche übersetzt, erscheinen die Posts glaubwürdiger für Menschen, die die englischen Originaltexte möglicherweise nicht verstehen. So entsteht eine neue Welle der Verbreitung, die genau das Ziel der Betrüger unterstützt.

Falsche Identität und gefälschte Geschichten

Ein Detail, das sofort auffällt: Der Name „Robert Thibodeau“ taucht tatsächlich in Polizeiakten auf – aber in einem völlig anderen Zusammenhang. Im März wurde Thibodeau in New York wegen Waffenbesitzes angeklagt, nicht aber wegen Mordes. Darüber hinaus zeigt das Foto in den Posts nicht Thibodeau, sondern James A. Vining, der 2018 wegen Voyeurismus in Louisiana festgenommen wurde.

Die Wiederverwendung von Bildern aus alten Kriminalfällen ist eine gängige Methode bei Betrugsmaschen in sozialen Medien. Ziel ist es, Vertrauen zu erwecken und die Sensationsgier der Menschen auszunutzen.

Betrügerische Absichten hinter den Posts

Was steckt hinter diesen viralen Warnungen? Sobald die Beiträge Aufmerksamkeit erregen, werden sie häufig bearbeitet und in Werbeanzeigen umgewandelt.

Screenshot Bearbeitungsverlauf des Facebook-Posts
Screenshot Bearbeitungsverlauf des Facebook-Posts

In einigen Fällen bieten die Posts angeblich „kostenlose“ Dienstleistungen an – wie z. B. Zahnbehandlungen – und fordern Nutzer auf, ihre persönlichen Daten über ein Formular einzugeben. So sammeln Betrüger sensible Informationen wie Adressen, Geburtsdaten und Telefonnummern.

Screenshot veränderter Facebook-Beitrag
Screenshot veränderter Facebook-Beitrag

Wie die Falschmeldung zu einer Betrugsfalle wird

  1. Original-Post mit Panikmache:
    Der erste Screenshot zeigt einen Facebook-Post, der eine Warnung vor einem angeblichen „Serienmörder“ verbreitet. Solche Beiträge nutzen emotional aufgeladene Inhalte, um Panik und Neugier zu erzeugen. Das Ziel: Eine schnelle und breite Verbreitung durch Nutzer, die besorgt sind und den Post teilen.
  2. Bearbeitungsverlauf: Eine neue Masche entsteht
    Im zweiten Screenshot sieht man, wie der ursprüngliche Post nachträglich verändert wurde. Anstelle der angeblichen Warnung über einen flüchtigen Serienmörder wird nun ein „kostenloses Zahnbehandlungsangebot“ beworben. Die Betrüger nutzen dabei die bereits gesammelte Reichweite des viralen Beitrags aus. Mit dem Versprechen von „kostenlosen“ Dienstleistungen werden Nutzer dazu verleitet, auf einen Link zu klicken und sensible Informationen preiszugeben.
  3. Automatische Übersetzungen verbreiten die Falschmeldungen international
    Der dritte Screenshot zeigt eine weitere Version des „Serienmörder“-Betrugs, diesmal auf Englisch und Deutsch. Dies geschieht häufig durch die automatische Übersetzungsfunktion von Facebook, die englischsprachige Beiträge für ein deutschsprachiges Publikum verständlich macht. Dadurch wird die Reichweite der Falschmeldungen noch größer. Sobald der Post lokalisiert erscheint, wirkt er glaubwürdiger und gewinnt erneut an Traktion.

Betrugsmechanik: Wie sie funktioniert

  1. Phase 1 – Sensationsmeldung: Die Betrüger verbreiten eine erfundene Geschichte (z. B. Serienmörder-Warnung) mit auffälligen Bildern und emotionalen Inhalten, um Aufmerksamkeit zu generieren.
  2. Phase 2 – Bearbeitung des Beitrags: Sobald der Beitrag viral geht, wird der Inhalt bearbeitet und durch ein Angebot oder eine Aufforderung ersetzt, die Nutzer zur Eingabe persönlicher Informationen verleitet.
  3. Phase 3 – Automatische Übersetzung: Der Beitrag verbreitet sich durch Facebooks Übersetzungsfunktion in mehreren Sprachen, wodurch er international an Glaubwürdigkeit gewinnt.

Warum diese Masche funktioniert

  • Emotionale Reaktion: Panik und Angst sorgen dafür, dass Menschen schneller auf „Teilen“ klicken.
  • Vertrauen durch Reichweite: Beiträge, die viele Shares oder Likes haben, wirken automatisch glaubwürdiger.
  • Automatische Lokalisierung: Durch Übersetzungen erreichen diese Betrügereien verschiedene Zielgruppen und verbreiten sich global.

Schutzmaßnahmen für Nutzer

  • Bearbeitungsverläufe prüfen: Wenn ein Beitrag verdächtig erscheint, überprüfen Sie den Bearbeitungsverlauf. Oft lassen sich Manipulationen dort nachvollziehen.
  • Keine Links anklicken: Vermeiden Sie es, auf Links in dubiosen Beiträgen zu klicken – vor allem, wenn sie angeblich kostenlose Dienstleistungen versprechen.
  • Posts melden: Melden Sie derartige Beiträge bei Facebook, um die Verbreitung einzudämmen.
  • Panik vermeiden: Prüfen Sie Fakten auf seriösen Plattformen, bevor Sie Inhalte teilen.

Behörden warnen vor Panikmache

Zahlreiche lokale Polizeibehörden in den USA haben inzwischen Stellung zu den Beiträgen genommen. Unter anderem warnte das Sheriff’s Office in Collier County, Florida, dass diese Posts keinerlei Grundlage in tatsächlichen Verbrechen haben. Auch die Polizei in Texas, Kalifornien, Wyoming und Tennessee hat bestätigt, dass es sich hierbei um eine koordinierte Betrugsmasche handelt.

So schützen Sie sich vor solchen Betrügereien

  • Teilen Sie diese Beiträge nicht weiter.
  • Melden Sie die Posts direkt bei Facebook.
  • Informieren Sie Gruppen-Administratoren, wenn solche Beiträge auftauchen.

Die Betrüger hinter solchen Posts zielen darauf ab, Panik und Misstrauen zu säen, um daraus Kapital zu schlagen. Je weniger Aufmerksamkeit diese Maschen erhalten, desto schneller verlieren sie an Wirkung.

Fazit zum Thema: Virale Betrugsmasche um angeblichen Serienmörder

Die angeblichen Warnungen über einen Serienmörder namens Robert Thibodeau entbehren jeder Grundlage. Mehrere Polizeibehörden haben bestätigt, dass diese Beiträge weder auf echten Fällen beruhen noch eine Gefahr darstellen. Stattdessen handelt es sich um eine raffinierte Methode, um persönliche Informationen zu sammeln. Nutzer sollten wachsam bleiben und solchen Posts keine Aufmerksamkeit schenken.

Quelle: Snopes

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