Menschen neigen zu übersteigertem Selbstvertrauen in ihr eigenes Wissen, nachdem sie nur die Vorschau eines Facebook-Artikels gelesen haben.
Viele User fühlen sich informiert, ohne den eigenlichen Artikel gelesen zu haben. Das besagt eine aktuelle Studie des York College of Pennsylvania.
„Es findet eine Verschlagwortung in der Kommunikation im Netz statt. Man sieht reißerische Überschriften, einen kurzen Teaser und ein aufregendes Bild. Nachrichten werden tausendfach geteilt und unreflektiert als Information betrachtet. Das liegt daran, dass Menschen mit einer gewaltigen Informationsflut konfrontiert sind. Sie haben nur zwei Dinge zur Auswahl, entweder Selbstvertrauen oder die Erkenntnis, dass sie gar keine Infos verarbeiten können. Es ist nachvollziehbar, dass sie sich für Selbstvertrauen entscheiden, die andere Option wäre ein Armutszeugnis“, sagt Kommunikationsexperte Christian Scherg im Gespräch mit pressetext.
Gefährliches Halbwissen
Für die Studie wurden 990 Probanden in drei Gruppen aufgeteilt.
- Die erste Gruppe musste einen Artikel der „Washington Post“ zum Thema Gentechnik bei Nahrungsmitteln lesen.
- Die zweite Gruppe bekam vier gefälschte Vorschauen für Artikel, von denen eine das gleiche Thema wie der Artikel behandelte.
- Die dritte Gruppe bekam keinen Text zu lesen.
Das Forschungsteam testete darauf das Wissen aller Probanden mit sechs Kontrollfragen zum Thema Gentechnik bei Nahrungsmitteln.
Dann mussten die Befragten angeben, wie zuversichtlich sie bei ihren Antworten waren.
- Die erste Gruppe hatte die meisten Fragen richtig beantwortet.
- Trotzdem zeigte die zweite Gruppe, die lediglich eine Vorschau gesehen hatte, mehr Selbstvertrauen bei ihren Antworten – obwohl im Schnitt nur eine von sechs richtig war.
Trügerische Verbreitung
Laut Studienautor Nicholas M. Anspach lassen eher emotional gesteuerte Menschen zu, dass das positive Gefühl, richtig zu liegen das Bedürfnis nach tatsächlicher Richtigkeit aufhebt. Deswegen würden sie trotz minimalen Informationsgewinns zu übersteigertem Selbstvertrauen neigen. Dadurch könne sich zwar ihre Teilnahme an politischen Diskussionen erhöhen, aber nicht unbedingt ihre Fähigkeit, richtige Entscheidungen zu treffen.
Scherg zufolge ist es durch die Menge an Informationen im Netz unmöglich, in die Tiefe zu gehen. Die Glaubwürdigkeit der Informationen sei der Glaubwürdigkeit des Absenders gewichen.
Wenn Menschen einer Quelle vertrauen, gehen sie davon aus, dass die Infos schon geprüft wurden. Sie teilen dann Geschichten, die sie im Vorbeigehen als richtig eingeschätzt haben.
„So entstehen Gerüchte, und wenn ein Gerücht oft genug weitergesagt wurde, wird es zur Wahrheit. Das ist gefährlich. Nutzer müssen mit Informationen verantwortungsbewusster umgehen, das schulden sie auch denen, die ihnen zuhören“, so Scherg.
Quelle: pte
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