Gemeinsam Online-Erfahrungen machen, statt verbieten – Hilfestellungen für Eltern
Eine von Rat auf Draht und SOS-Kinderdorf in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass 27% aller Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren schon einmal sexuelle Belästigung oder Gewalt im Internet erlebt haben.
„Oft denken Betroffene, dass sie mit diesen Erfahrungen alleine klarkommen müssen und holen sich keine Hilfe von Eltern oder anderen Vertrauenspersonen“,
sagt Elke Prochazka, Psychologin bei Rat auf Draht.
„Wir müssen den Kinder und Jugendlichen vermitteln, dass Übergriffe dieser Art niemals in Ordnung sind und es immer Sinn macht, sich Hilfe zu holen. Mehr Einschränkungen und Filterprogramme zum Schutz wären allerdings nicht zielführend“,
erklärt Prochazka.
Das Wichtigste sei, dass Eltern ihre Kinder bei Online-Aktivitäten begleiten, aufklären und dabei bestärken, kritisch und selbstbewusst zu sein. In der Praxis könne das bedeuten, sich Apps und Spiele vom Nachwuchs erklären zu lassen und gelegentlich gemeinsam zu zocken.
„Wichtig ist auch zu verstehen, dass Filterprogramme vor allem deswegen nicht sinnvoll sind, weil sich Cyber-Grooming und andere sexuelle Übergriffe nicht auf bestimmte Seiten oder Apps beschränken“,
so Prochazka.
Fake-Profile erkennen
Das Entlarven von „Fake-Profilen“ wird von den Befragten als wichtig empfunden. Bei Rat auf Draht empfiehlt man Kindern und Jugendlichen misstrauisch zu sein, wenn jemand auffällig viele Komplimente macht, oder Fragen über sexuelle Erfahrungen stellt, sehr schnell videochatten möchte oder fragt, ob man gerade alleine ist. Auch wenn jemand mit Geschenken oder Angeboten wie einer Modelkarriere lockt oder jemand angibt jugendlich zu sein, aber ganz anders spricht als Jugendliche, ist Vorsicht geboten.
„Ein guter Trick ist, eine Person dazu aufzufordern ein außergewöhnliches Foto von sich zu schicken, das er oder sie nicht vorbereitet hat, wie zum Beispiel mit einer Salatgurke über dem Kopf. Schickt die Person das Foto rasch, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Foto echt ist und kein Fake-Profil hinter dem Kontakt steckt“,
erklärt Prochazka.
Treffen mit Online-Freunden
Sich mit Online-Bekanntschaften zu treffen, ist für viele normal. Es gibt durchaus Bewusstsein dafür, dass man Vorsichtsmaßnahmen ergreifen soll, um sich zu schützen – und dennoch machen viele Jugendliche auch schlechte Erfahrungen.
„Wir raten Eltern dazu, Online-Freundschaften und auch Treffen zu erlauben. So werden Eltern zu einer Ansprechperson für ihr Kind und haben auch die Möglichkeit zu begleiten und zu schützen“,
so Prochazka.
Eltern sollten ihren Kindern Informationen über mögliche Gefahren geben und darauf bestehen, die Identität des Gegenübers zu prüfen. Bei persönlichen Treffen ist es wichtig, dass sie an einem öffentlichen Ort stattfinden, wo sich Jugendliche an Personen wenden können, die dort fix arbeiten.
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