Falsche Wahlmanipulationen, erfundene Politikerzitate und dubiose Verschwörungserzählungen – auf TikTok geht das alles viral. Es handelt sich dabei um TikTok Fake News. Aber was macht die Plattform dagegen? Spoiler: So gut wie nichts. Während wir über die Zukunft unseres Landes abstimmen, schwappt eine Welle von Desinformation durch die For-You-Pages – und TikTok? Guckt gelangweilt zu.
TikTok Fake News: Der Desinformation-Hotspot im digitalen Wilden Westen
Stell dir vor, du betrittst ein riesiges Stadion. Hunderttausende, vielleicht Millionen von Menschen sitzen gespannt auf den Rängen und schauen auf eine gigantische Leinwand. Doch was dort läuft, ist kein harmloses Unterhaltungsprogramm, sondern pures Gift für die Demokratie.
Ein Video behauptet, die Bundestagswahl 2025 sei manipuliert. Ein anderes zeigt ein gefälschtes Zitat von Olaf Scholz oder Saskia Esken – Worte, die sie nie gesagt haben. Dann taucht eine angebliche „Entscheidungshilfe“ zur Wahl auf, eine Grafik mit vermeintlichen Parteipositionen. Klingt informativ? Das ist aber erstunken und erlogen. Und mittendrin prangt die nächste Verschwörung: ‚Geheime Eliten‘ steuern im Verborgenen die Politik, dein Kreuz auf dem Wahlzettel ist eigentlich völlig wertlos. Klingt nach einem schlechten Sci-Fi-Film? Schön wär’s. Denn genau so sieht es auf TikTok aus.
Und jetzt das Schockierende: Diese Videos verschwinden nicht einfach wieder. Sie laufen in Dauerschleife auf der For-You-Page, werden millionenfach geklickt, gelikt und geteilt. Jede Sekunde eine neue Manipulation.
CORRECTIV vs. TikTok: Ein Kampf gegen Windmühlen
Die Kolleg:innen von CORRECTIV haben sich diese Fake-News-Lawine genauer angesehen – und sie nicht einfach ignoriert. Sie sind genau dem nachgegangen, was TikTok selbst als Lösung anbietet: Melden, melden, melden.
🎯 201 Videos mit Falschinformationen zur Bundestagswahl wurden entlarvt und TikTok gemeldet.
⚠️ Nur 12 davon wurden für die For-You-Page gesperrt.
💣 Die restlichen Fake-News-Videos? Weiterhin online. Weiterhin viral. Weiterhin brandgefährlich.
Doch weil sich das CORRECTIV nicht so einfach abspeisen ließ, folgte ein zweiter Versuch: Die Videos erneut melden. Vielleicht war es ja ein Versehen? Vielleicht hatte TikTok übersehen, dass hier demokratiefeindliche Lügen verbreitet werden?
❌ Fehlanzeige.
95 Prozent der erneut gemeldeten Videos blieben unberührt. Das bedeutet: Selbst wenn man sich die Mühe macht, offensichtliche Fake-News an TikTok zu melden, ändert sich fast nichts.
Prüfung in Rekordzeit – oder einfach nur ein schlechter Witz?
Wer glaubt, dass TikTok sich zumindest die Mühe macht, Falschmeldungen sorgfältig zu prüfen, der wird nun endgültig enttäuscht.
Eine Stichprobe zeigte: In neun von zehn Fällen dauerte die „Überprüfung“ der gemeldeten Inhalte exakt 30 Minuten.
🤔 Hat hier wirklich ein Mensch nachgeprüft, ob es sich um Fake-News handelt?
🚨 Oder wurde einfach ein automatisierter Standardprozess durchgeklickt, der die Falschbehauptungen ohne echte Kontrolle durchwinkt?
Die Vermutung liegt nahe: Ein echtes, menschliches Prüfsystem gibt es bei TikTok in vielen Fällen gar nicht. Die Plattform behauptet zwar, eine Mischung aus KI und menschlichen Moderator:innen zu nutzen, doch wenn eine komplexe Wahlmanipulations-Desinformation in exakt 30 Minuten „geprüft“ wird, darf man das ruhig hinterfragen. Denn eines ist sicher: Ein Mensch, der sich tiefgehend mit dem Thema beschäftigt, ist das nicht.
Und das bedeutet? Fake-News haben auf TikTok ein Freifahrtticket – solange niemand von außen Druck macht.
TikTok verstößt mutmaßlich gegen EU-Gesetze – aber wen interessiert es?
Kleine Erinnerung an TikTok: Es gibt so etwas wie Gesetze – sogar in der digitalen Welt. Und eines davon ist der Digital Services Act (DSA) der EU.
Was besagt der? Ganz einfach: Plattformen wie TikTok sind verpflichtet, gegen illegale Inhalte vorzugehen. Und was bedeutet das für Fake-News? Wenn illegale Desinformation verbreitet wird – darunter können auch Fake-Zitate fallen –, dann ist das ein glasklarer Verstoß gegen den DSA.
Klingt nach einem Problem für TikTok? Eigentlich ja. Interessiert es TikTok? Offenbar nein.
CORRECTIV drückt auf den Alarmknopf – und plötzlich geht’s doch?
Monatelang haben sich die CORRECTIV-Faktenchecker die Finger wund gemeldet. 201 Videos mit Wahl-Desinformation, die nachweislich Falschinformationen enthielten – und TikTok ließ sie einfach online.
Aber jetzt kommt’s:
🔍 Kaum stellt CORRECTIV eine offizielle Presseanfrage, verschwinden plötzlich 26 Videos.
🚨 Videos, die vorher angeblich „kein Problem“ waren, werden von TikTok gelöscht oder eingeschränkt.
🤨 Ach, auf einmal geht das doch?
Frage: Haben sich die Inhalte dieser Videos über Nacht verändert? Hat ein magischer Algorithmus sie auf einmal doch als Fake erkannt?
Antwort: Natürlich nicht. Was hier passiert, ist sonnenklar: TikTok bewegt sich erst, wenn es öffentlichen Druck gibt. Heißt im Klartext: Nicht der Schutz der Demokratie oder der Wahrheitsgehalt der Inhalte entscheidet, ob TikTok handelt – sondern die Angst vor schlechter Presse.
Mit anderen Worten: Wenn du als normale:r Nutzer:in Fake-News meldest, interessiert es TikTok nicht. Aber wenn Medien berichten und der Konzern negative Schlagzeilen fürchtet? Zack, plötzlich werden problematische Inhalte gelöscht. Merkt euch das.
Fake-News, Millionen Klicks – und TikTok kassiert mit
TikTok gibt sich gerne als verantwortungsvolle Plattform. „Wir kämpfen gegen Desinformation“, heißt es. „Wir arbeiten mit Faktencheckern zusammen.“ Ja, klar. Und die Erde ist eine Scheibe.
Denn die Realität sieht so aus:
🛑 Fast die Hälfte der Fake-News-Videos aus der CORRECTIV-Untersuchung ist immer noch online.
💰 Während du das hier liest, klickt sich ein weiteres Wahlmanipulations-Video in die Millionen-Reichweite.
📊 Mehr Reichweite bedeutet mehr Interaktionen. Mehr Interaktionen bedeuten mehr Werbeeinnahmen für TikTok.
Es ist ein einfaches Geschäftsprinzip:
- Fake-News polarisieren.
- Polarisierende Inhalte sorgen für mehr Klicks, mehr Shares, mehr Kommentare.
- Der TikTok-Algorithmus liebt virale Inhalte und spült sie noch weiter nach oben.
- Mehr Reichweite = mehr Werbung = mehr Geld für TikTok.
💡 Warum sollte eine Plattform, die genau von diesem Mechanismus profitiert, plötzlich anfangen, Fake-News konsequent zu löschen?
Faktenchecks bremsen den Traffic. Fake-News treiben ihn an. Die Wahrheit ist langweilig. Lügen gehen viral. Und das wissen die Macher von TikTok ganz genau.
Das Fazit? Ein Schlag ins Gesicht für die Demokratie
Während Millionen Menschen zur Wahl gehen, verbreiten sich auf TikTok munter weiter Lügen über angebliche Wahlfälschungen, gekaufte Politiker und dunkle Mächte. Und TikTok? Lässt es geschehen. Es geht hier nicht um einen harmlosen Tanztrend oder den nächsten viralen Prank. Es geht um Wahlen. Es geht um Demokratie. Und wenn Social-Media-Giganten wie TikTok nicht endlich ihrer Verantwortung nachkommen, dann ist das kein „lustiges Video“ mehr – sondern ein handfestes Problem. Aber hey, Hauptsache, der Algorithmus läuft weiter, nicht wahr?
Zur ausführlichen Analyse geht es hier beim Correctiv weiter!
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Korrektur 04.03.2025: Wir haben den Artikel an zwei Stellen überarbeitet, um die Formulierungen präziser zu gestalten:
- Der ursprüngliche Titel lautete „TikTok verstößt gegen EU-Gesetze – aber wen interessiert es?“ und wurde geändert in „TikTok verstößt mutmaßlich gegen EU-Gesetze – aber wen interessiert es?“
- Eine Passage lautete zuvor „Wenn gezielt Lügen verbreitet werden, die Wahlen manipulieren oder die Demokratie untergraben, dann ist das ein glasklarer Verstoß gegen den DSA.“ Diese wurde überarbeitet zu „Wenn illegale Desinformation verbreitet wird – darunter können auch Fake-Zitate fallen –, dann ist das ein glasklarer Verstoß gegen den DSA.“
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