TikTok wird nicht kostenpflichtig, Gerücht über 99 Cent / Monat ist erfunden

In sozialen Netzwerken kursiert die Behauptung, TikTok koste ab September 99 Cent pro Monat. Das ist falsch. Weder die Plattformbetreiber selbst noch die deutsche Bundesregierung haben so etwas angekündigt.

Die Behauptung

Ab September 2025 müsse man für die Nutzung von TikTok 99 Cent im Monat zahlen. Angeblich habe der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz dies angekündigt. Teilweise ist auch vom 1. Januar 2026 als Stichtag die Rede.

Aufgestellt von: Facebook / TikTok

Faktencheck: Falsch

Falsch. Es gibt keine Ankündigung von Friedrich Merz oder der Bundesregierung zu einer Gebühr für TikTok. Auch TikTok selbst hat keine Änderungen kommuniziert. Eine solch gravierende Änderung wäre in großen Medien weltweit aufgegriffen worden, was nicht der Fall ist. Das kursierende Video nutzt KI-generierte Stimme und zufällige Stadtbilder, ein typisches Stilmittel für Fake-News-Inhalte. TikTok finanziert sich durch Werbung, nicht durch Nutzungsgebühren. Die Erzählung ist frei erfunden, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

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Wie das Gerücht von kostenpflichtigem TikTok entstand

Seit einigen Tagen verbreiten sich in sozialen Medien Videos mit einer interessanten Botschaft: Ab Herbst müsse man für TikTok bezahlen. Genannt werden verschiedene Daten und sogar ein angebliches Statement von Bundeskanzler Friedrich Merz.

Screenshots Facebook / TikTok
Screenshots Facebook / TikTok (hier und hier archiviert)

Das wirkt vielleicht seriös, ist aber komplett erfunden.

Videos nutzen typische Tricks von Desinformation

Eine KI-generierte Stimme liest eine angebliche Meldung vor, die wie ein Nachrichtentext klingt. Das erzeugt Seriosität, obwohl keinerlei Quelle genannt wird. Solche Fake-Clips sind inzwischen massenhaft auf TikTok zu finden.

Der Hintergrundfilm verstärkt die Täuschung.
Im Facebook-Video ist nicht etwa eine Pressekonferenz oder ein offizielles Statement zu sehen, sondern Drohnenaufnahmen von Dortmund aus Google Earth. Dieses Material hat nichts mit der Behauptung zu tun. Die Diskrepanz zwischen Bild und Ton wird bewusst genutzt, um Glaubwürdigkeit zu simulieren. Im zweiten Video wird ein KI-Bild verwendet. Auch hier also kein Bildmaterial von öffentlicher Seite.

Die Quellenlage ist eindeutig nicht existent.
Weder in deutschen noch internationalen Medien gibt es Berichte über eine Einführung von Gebühren. Eine Ankündigung durch den Bundeskanzler wäre sofort überall Thema. Doch es gibt keinerlei Belege, weder auf Regierungsseiten noch in Pressemitteilungen.

Die Absicht ist Aufmerksamkeit durch Angst.
Die Vorstellung, ein bisher kostenloses soziales Netzwerk werde plötzlich kostenpflichtig, löst bei vielen Menschen starke Reaktionen aus. Kommentare unter den Clips zeigen das: Nutzer schreiben wütend über angebliche „Abzocke“ oder kündigen an, die App zu löschen. Genau diese Empörung ist das Ziel der Macher.

Die Sprache ist manipulativ.
Die KI-Stimme spricht im sachlich-amtlichen Tonfall, wie man es aus Nachrichten kennt. Durch diese Imitation wird Glaubwürdigkeit erzeugt, ohne echte Inhalte zu liefern. Solche Techniken nutzen den psychologischen Effekt des „Autoritäts-Bias“: Menschen glauben Informationen eher, wenn sie wie von einer offiziellen Quelle klingen.

Ein klarer Fall von digitaler Desinformation.
Das Gerücht reiht sich in eine lange Serie falscher Behauptungen auf TikTok ein, etwa zu angeblichen neuen Steuern oder erfundenen Gesetzen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie mit einfacher Machart massenhaft verbreitet werden.

Faktenlage und Überprüfung

TikTok ist eine der größten Social-Media-Plattformen der Welt. Das Geschäftsmodell basiert auf Werbung, die gezielt ausgespielt wird. Nutzer:innen zahlen nichts für die Basisnutzung. Es gibt keine Belege, keine Ankündigungen, keine seriösen Quellen. 

Wer auf anderslautende Inhalte stößt, sollte einfache Prüfungen vornehmen:

  • Gibt es die Meldung auch in seriösen Medien?
  • Wird eine Quelle oder ein offizielles Dokument verlinkt?
  • Passen Bild und Ton überhaupt zusammen?

Wer diese Fragen stellt, durchschaut viele Fakes sofort.

FAQ

Kostet TikTok ab September 2025 Geld?

Nein. Es gibt keine Ankündigung für eine Nutzungsgebühr. Das Gerücht ist erfunden.

Hat Bundeskanzler Friedrich Merz so etwas erwähnt oder angekündigt?

Nein. Weder Merz noch die deutsche Bundesregierung haben eine Gebühr für TikTok angekündigt.

Warum glauben viele Nutzer:innen die Meldung?

Weil das Video so gestaltet ist, dass es auf viele wie eine Nachrichtensendung wirkt. Die KI-Stimme klingt amtlich, und viele prüfen die Quelle nicht weiter.

Wie verdient TikTok Geld?

Hauptsächlich über Werbung. Marken bezahlen dafür, dass ihre Inhalte prominent ausgespielt werden.

Woran erkenne ich ähnliche Fakes?

Fehlende Quellen, unpassendes Bildmaterial und KI-Stimmen sind typische Merkmale. Seriöse Meldungen finden sich immer auch in etablierten Medien.

Fazit

Das Gerücht über ein kostenpflichtiges TikTok ist frei erfunden. Es gibt keinerlei Belege, weder von der Plattform selbst, noch von der Bundesregierung. Die Clips sind ein Beispiel für digitale Desinformation, die mit einfachen Mitteln viel Aufmerksamkeit erzeugt.

Nutzer:innen sollten wachsam bleiben und Meldungen immer mit seriösen Quellen abgleichen.

Quelle: DPA

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