Die Behauptung
Die WHO verspreche Investoren einen 35-fachen Gewinn auf ihr eingesetztes Geld und sei damit das „lukrativste Geschäftsmodell der Welt“. So lautet die Behauptung in einem viralen Video in den sozialen Netzwerken.
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Falsch
Falsch! Die WHO zahlt keine Renditen oder Dividenden. Der angegebene „35-fache Return“ bezieht sich auf die gesellschaftlichen Vorteile von Gesundheitsinvestitionen, nicht auf finanziellen Profit für Spender.
Kurze Faktenübersicht:
- Die WHO spricht vom gesellschaftlichen Nutzen, nicht von Gewinnen.
- Der „Return on Investment“ bezieht sich auf Gesundheitseffekte.
- Spenden an die WHO sind freiwillig und nicht gewinnorientiert.
- Die WHO ist eine internationale Organisation und keine Investmentplattform.
Eine WHO-Rendite? Eine Falschmeldung mit Schlagkraft.
In den sozialen Netzwerken kursiert derzeit ein Video, in dem der österreichische Arzt Hannes Strasser behauptet, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verspreche Investoren einen 35-fachen Gewinn. „Das lukrativste Geschäftsmodell der Welt“, so Strasser. Zur „Beweisführung“ hält er einen Screenshot aus dem WHO-Bericht „A Healthy Return“ in die Kamera.
Was auf den ersten Blick wie eine Enthüllung klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als haarsträubende Fehlinterpretation: Weder zahlt die WHO Renditen aus, noch stellt sie irgendwelche finanziellen Gewinne in Aussicht. Die Zahl bezieht sich eindeutig auf den „Public Value“, also den Nutzen für die Gesellschaft durch Investitionen in Gesundheitssysteme.
Hintergründe und Zusammenhänge
Wie kommt es zu solch einer Behauptung? Der Schlüssel liegt im Begriff „Return on Investment“. In der Wirtschaft bezeichnet er einen finanziellen Gewinn. Die WHO nutzt ihn jedoch in einem vollkommen anderen Kontext: Investitionen in Gesundheit führen zu weniger Krankheitslast, einer höheren Lebenserwartung und einem robusteren Versorgungssystem – das sind gesellschaftliche Rückflüsse, keine Dividenden auf ein Aktiendepot.
Strasser lässt diesen Kontext jedoch außer Acht. Stattdessen stilisiert er die WHO zu einer Art Hedgefonds mit 35-facher Rendite. Diese Verzerrung ist kein Einzelfall: Immer wieder werden Begriffe aus dem öffentlichen Gesundheitswesen von Verschwörungstheoretikern oder Impfskeptikern umgedeutet, um Misstrauen gegenüber internationalen Institutionen zu schüren.
Kritische Analyse & Enthüllung
Was hier passiert, ist eine typische Taktik: Ein seriöser Bericht der WHO wird aus dem Zusammenhang gerissen und durch wirtschaftliche Schlagworte emotional aufgeladen. Damit wird die WHO in ein unseriöses Licht gerückt, als würde sie heimlich ein Investmentmodell betreiben und Gewinne verschleiern.
Dabei wird verschwiegen, dass es sich bei der WHO nicht um ein gewinnorientiertes Unternehmen, sondern um eine zwischenstaatliche Organisation handelt, die sich zu einem erheblichen Teil über freiwillige Spenden finanziert – etwa von Regierungen, NGOs oder Stiftungen wie der Bill & Melinda Gates Foundation. Diese Unterstützer spenden aus Überzeugung und nicht in der Erwartung, Geld zurückzubekommen.
Beweise und weitere Informationen
Der WHO-Bericht „A Healthy Return“ aus dem Jahr 2022 ist öffentlich einsehbar. Bereits im einleitenden Abschnitt wird deutlich, dass es um Public Value und nicht um monetären Profit geht. Das WHO-Regionalbüro für die östliche Mittelmeerregion schrieb im Oktober 2024 auf Facebook sinngemäß: „Jeder in die WHO investierte Dollar bringt einen Gesundheitsgewinn im Wert von 35 Dollar.“
Auch in den Finanzberichten der WHO finden sich keine Hinweise auf Renditen, Dividenden oder Profitausschüttungen. Spenden an die WHO sind Zuwendungen ohne Gegenleistung, vergleichbar mit Spenden an Hilfswerke wie „Ärzte ohne Grenzen” oder UNICEF.
Fazit zum Thema
Der behauptete 35-fache „Gewinn” ist keine finanzielle Rendite, sondern eine Metapher für den gesellschaftlichen Nutzen von Gesundheitsinvestitionen. Wer hier ein Geschäftsmodell hineininterpretiert, betreibt bewusste Irreführung – mit potenziell gefährlichen Folgen für das Vertrauen in internationale Organisationen.
Quelle: DPA
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