Nein, Windräder setzen keine enormen Mengen Mikroplastik frei

Ein Beitrag der AfD-Fraktion NRW behauptet, Windräder würden tonnenweise Mikroplastik abgeben und seien damit eine „Umweltsünde“. Wissenschaftliche Studien belegen jedoch: Der Abrieb ist vorhanden, aber winzig im Vergleich zu den genannten Zahlen.

Die Behauptung

Laut einem Social-Media-Beitrag der AfD-Fraktion NRW entstehe bei jedem Windrad rund eine Tonne Mikroplastik-Abrieb, was die Energiewende zu einer „gigantischen Umweltsünde“ mache.

Aufgestellt von: AfD-Fraktion NRW

Falsch

Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis für diese Zahl. Der tatsächliche Materialabrieb liegt – laut mehreren Forschungsarbeiten – um ein Vielfaches niedriger. Über die gesamte Laufzeit eines Windrads entstehen höchstens einige Dutzend Kilogramm Mikroplastik, nicht eine Tonne.

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Screenshot Facebook: "Eine Tonne Mikroplastik-Abrieb pro Windrad!"
Screenshot Facebook: „Eine Tonne Mikroplastik-Abrieb pro Windrad!“

Analyse – Was die Forschung wirklich zeigt

Beim Betrieb von Windrädern werden die Rotorblätter über Jahrzehnte Wind, Regen, Schnee und Staub ausgesetzt. Diese Belastung kann zu feinem Oberflächenabrieb führen, insbesondere an den Vorderkanten der Blätter. Die Partikel gelten als Mikroplastik, sind aber mengenmäßig sehr gering.

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  • Eine Studie der Technischen Universität Dänemark (2024) kommt auf 30 bis 540 Gramm Materialverlust pro Rotorblatt und Jahr.
    Hochgerechnet über 30 Jahre ergibt das bis zu 90 Kilogramm pro Anlage – also 0,09 Tonnen (Wang et al., 2024).
  • Auch eine niederländische Untersuchung schätzt den Abrieb auf rund 240 Gramm pro Windrad und Jahr. Das ergibt 7,2 Kilogramm (0,0072 Tonnen) über 30 Jahre (WES Preprint, 2024).
  • Ältere Berechnungen, etwa eine norwegische Studie von 2021, nannten bis zu 62,5 Kilogramm pro Jahr, wurden aber von Fachleuten als methodisch fehlerhaft eingestuft (Wind Watch, 2021).
  • Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages rechnete 2020 in einem theoretischen Extremfall mit 45 Kilogramm jährlich – und betonte selbst, dass diese Annahme weit über realistischen Werten liege (Deutscher Bundestag, 2020).
  • Auch der Bundesverband WindEnergie (BWE) fasst in seinem Faktencheck 2024 zusammen, dass die Erosionsmengen im Grammbereich liegen und moderne Beschichtungen die Abriebmenge weiter verringern (BWE, 2024).
  • Das Umweltbundesamt (UBA) weist zudem darauf hin, dass Rotorblätter nach 20 bis 30 Jahren recycelt oder fachgerecht entsorgt werden und kein flächendeckendes Mikroplastikrisiko darstellen (UBA, 2024).
  • Faktenprüfungen von dpa (2025) bestätigen: Die kolportierte Tonnenschätzung ist unbelegt und wissenschaftlich nicht haltbar.

Wirkung & Mechanismus

Die Behauptung nutzt ein bekanntes rhetorisches Muster: Aus einem kleinen, realen Phänomen wird durch Übertreibung ein Skandal konstruiert. Mikroplastik steht emotional für unsichtbare Umweltverschmutzung. Wer es mit Windenergieanlagen verbindet, erzeugt intuitiv Empörung. So wird eine notwendige Technologie zur Karikatur ihrer selbst gemacht.

Fazit

Die Behauptung ist falsch.
Windräder erzeugen messbaren, aber minimalen Mikroplastikabrieb. Die Angabe „eine Tonne pro Anlage“ entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage und dient politischer Stimmungsmache, nicht Aufklärung.

Faktenbarometer

Bewertung: Falschinformation
Die kolportierte Zahl ist unbelegt und deutlich überhöht. Realistische Werte liegen – je nach Anlagentyp und Standort – zwischen wenigen und mehreren Dutzend Kilogramm über Jahrzehnte.

Quellen:
Faktencheck: Erosion an Rotorblättern von Windenergieanlagen [PDF] | Bundesverband WindEnergie e.V. (01.08.2024)
Mögliche Umweltbelastungen durch Mikroplastik aus Windkraftanlagen (WD 8 – 077/20, PDF) | Deutscher Bundestag, Wissenschaftlicher Dienst (2020)
Behauptung über Mikroplastik durch Windräder unbelegt | dpa-Faktencheck (17.03.2025)
Recycling von Windkraftanlagen – Pressedossier | Umweltbundesamt (2024)
Erosion and particulate emissions from wind turbine blades. Energies, 17(24), 6260 | Wang, Y., Pedersen, T. F., & Sørensen, N. N. (2024)
Material loss and particle generation on offshore rotor blades – Preprint WES-2024-175 (PDF) | Wind Energy Science (2024)
Leading edge erosion and pollution from wind turbine blades (PDF) | Wind Watch (05.07.2021)

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MIMIKAMA · FAKTENCHECK

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