Die Behauptung
Ein Foto zeigt den schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson, der angeblich die EU für gescheitert erklärt und ihre Auflösung gefordert haben soll.
Falsch
Falsch! Auf dem Foto ist nicht Kristersson zu sehen, sondern Gustav Kasselstrand – Chef der rechtspopulistischen Partei AFS. Von ihm stammen auch die Aussagen, nicht vom Regierungschef. Die Falschmeldung entstand durch einen maschinellen Übersetzungsfehler.
Kurze Zusammenfassung der Fakten:
- Das Bild zeigt nicht Ulf Kristersson, sondern Gustav Kasselstrand.
- Quelle: Artikel auf der Website „The People’s Voice“.
- Übersetzungsfehler: Aus „Parteiführer“ wurde „Regierungschef“.
- Kristersson unterstützt EU-Politik.
Wie aus einem Übersetzungsfehler eine Falschmeldung wurde
Wer ist eigentlich auf dem Bild – und warum ist das wichtig?
Ein Screenshot mit einem „Zitat“ zum angeblichen Scheitern der EU geht viral: „Schwedischer Regierungschef fordert Auflösung der EU“. Darunter ein Bild, das angeblich Ministerpräsident Ulf Kristersson zeigen soll. Doch wer genau hinschaut (oder recherchiert), erkennt: Der Mann auf dem Foto ist nicht Kristersson. Es ist Gustav Kasselstrand, Chef der rechtspopulistischen Splitterpartei Alternative für Schweden“ (AFS).
Quelle des Missverständnisses ist ein Artikel der notorisch unzuverlässigen Website „The People’s Voice“. Im englischen Original ist nur von einem „Swedish party leader“ die Rede – also einem Parteivorsitzenden. Automatisierte Übersetzungen machten daraus jedoch kurzerhand einen „Swedish government chief“ (Regierungschef). So einfach entstehen Desinformationen, die sich viral verbreiten.
AFS statt Regierung – ein klarer Unterschied
Gustav Kasselstrand ist in Schweden zwar kein Unbekannter, aber politisch völlig unbedeutend. Seine Partei AFS ist rechtspopulistisch, EU-feindlich und steht weit außerhalb des politischen Mainstreams. Sie sitzt weder im schwedischen Reichstag noch im EU-Parlament. Ihre Forderungen nach einem EU-Austritt sind extrem, aber in Schweden weitgehend chancenlos.
Kasselstrand hatte sich am 18. März 2025 in einem parteiinternen Papier kritisch über die EU geäußert – insbesondere im Hinblick auf geplante Verteidigungsinvestitionen. Er spricht darin von der „Zwangsjacke EU“, aus der sich die europäischen Länder befreien müssten. Von einer expliziten Forderung nach Auflösung der EU war allerdings nicht die Rede.
Und was sagt der eigentliche Regierungschef?
Ulf Kristersson, der seit 2022 an der Spitze der schwedischen Regierung steht, hat sich mehrfach klar zur EU bekannt. Im März 2025 sagte er: „Allein ist man nicht stark“ – ein klares Statement gegen nationale Alleingänge in der Verteidigungspolitik. Damit unterstützte er auch die geplanten Verteidigungsausgaben der EU.
Die Falschmeldung, er habe die EU kritisiert oder gar ihre Auflösung gefordert, widerspricht daher nicht nur den Fakten, sondern auch seinen dokumentierten Aussagen.
Faktencheck entlarvt: Foto, Zitat, Kontext – alles falsch
Eine einfache Bildrückwärtssuche zeigt: Das angeblich aktuelle Foto von Kristersson wurde am 10. September 2022 bei einer Parteiveranstaltung in Stockholm aufgenommen – und zeigt Kasselstrand. Die falsche Zuordnung ist offenbar auf mangelnde journalistische Sorgfalt zurückzuführen – oder wurde bewusst in Kauf genommen, um Stimmung zu machen.
Dass sich solche Fehler so schnell verbreiten, zeigt einmal mehr die Gefahren automatisierter Übersetzungen ohne Kontextprüfung. Gerade wenn es um politische Aussagen geht, sollte man doppelt hinschauen – und Übersetzungen mit Vorsicht genießen.
Fazit zum Thema
Was bleibt? Eine Fake News, die mit einem simplen Übersetzungsfehler begann – und sich in den sozialen Medien vervielfachte. Der schwedische Regierungschef wurde mit einem rechtsextremen Politiker verwechselt. Die vermeintlich EU-feindlichen Äußerungen stammten nicht von Kristersson, sondern von einem unbedeutenden Populisten. Einmal mehr zeigt sich: Nicht alles, was im Netz steht, ist richtig – vor allem dann nicht, wenn automatische Übersetzungen im Spiel sind.
Quelle: DPA
Lesen Sie auch: Wie bezahlte Reichweite unsere Demokratie unterwandert
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
