Wie rechtsextreme Musik und Playlists online verbreitet werden

Spotify im rechten Sumpf: Wie unmoderierte Inhalte monatelang neonazistische Propaganda verbreiteten, während das Unternehmen tatenlos zusah. Ein Armutszeugnis für die digitale Verantwortung.

💬Welche Codes und Symbole werden in extremistischen Inhalten genutzt? Antworten finden Sie im Leitfaden Rechtsextremismus im Internet.

Die Fakten auf einen Blick

Monatelang war auf Spotify Neonazi-Musik zu hören – nicht versteckt in dunklen Ecken, sondern offen zugänglich. Dabei waren nicht nur rechtsextreme Inhalte als Podcasts getarnt, sondern auch Alben mit Symbolen und Codes, die in der rechtsextremen Szene international bekannt sind. Dass diese Inhalte offenbar erst durch Recherchen der schwedischen Organisation Expo entdeckt wurden, wirft eine unangenehme Frage auf: Kontrolliert Spotify überhaupt, was da gestreamt wird?

Ein gefundenes Fressen für die rechte Szene

Es ist kaum zu glauben: Zwischen Juli und November 2023 konnten Nutzer der Plattform bequem die „Musik“ des Neonazi-Rappers Mr. Bond genießen. Und dabei handelt es sich nicht um harmlose Lieder mit fragwürdigen Texten – wir sprechen hier von explizit rechter Propaganda, die der Attentäter von Halle während seiner Mordtat abgespielt hat. Dass diese Inhalte überhaupt hochgeladen werden konnten und monatelang abrufbar waren, zeigt, wie schwach die Kontrollmechanismen bei Spotify tatsächlich sind.

Hinzu kommt die Verpackung: Neonazi-Songs getarnt als harmlose Podcasts, die wohl bewusst die Prüfalgorithmen des Streaming-Giganten aushebeln sollten. Das Plattencover? Gespickt mit Symbolen und Zahlencodes, die selbst ein Praktikant nach fünf Minuten googeln als rechtsextrem identifizieren könnte. Doch die Plattform ließ die Inhalte einfach laufen – bis Expo den Finger in die Wunde legte.

Spotify, wo bleibt die Verantwortung?

Spotify wirbt damit, ein sicherer Ort für alle Nutzer zu sein. Die Realität sieht jedoch anders aus: Selbst offensichtliche Verstöße gegen die eigenen Richtlinien wurden erst nach einem externen Hinweis entfernt. Die lächerliche Ausrede? Spotify will keine Auskunft darüber geben, wie oft die Inhalte abgespielt wurden. Ein Schelm, wer dabei an Vertuschung denkt.

Offensichtlich fehlen bei Spotify funktionierende Kontrollmechanismen, um extremistische Inhalte zuverlässig zu erkennen und zu löschen. Und das ist kein neues Problem: Schon in der Vergangenheit hatte das Unternehmen Schwierigkeiten, problematische Inhalte zu moderieren. Doch Neonazi-Musik, die als Podcast getarnt monatelang abrufbar ist, setzt dem Ganzen die Krone auf. Wie blind kann ein Unternehmen sein?

Was lernen wir daraus?

Der Fall zeigt deutlich, dass auch große Plattformen wie Spotify nicht davor gefeit sind, als Werkzeug zur Verbreitung von Hass und Gewalt zu dienen. Dass es unabhängige Organisationen wie Expo braucht, um solche Inhalte aufzuspüren, sagt viel über den Zustand der Inhaltsmoderation bei Streaming-Diensten aus.

Spotify mag die Inhalte entfernt haben, aber die Kernfrage bleibt: Warum wurden sie überhaupt ins Netz gestellt? Und warum hat es Monate gedauert, bis sie entfernt wurden? Die Antwort? Spotify hat seine eigenen Richtlinien offenbar nicht im Griff – und das ist ein gefährlicher Nährboden für Extremismus.

Fazit: Mehr als ein „technischer Fehler“

Es reicht nicht, Inhalte zu löschen, sobald jemand darauf hinweist. Spotify muss Verantwortung übernehmen – und zwar sofort. Wie lange wird es dauern, bis wieder jemand Neonazi-Propaganda hochlädt, und wie viele Monate wird es diesmal dauern, bis sie entfernt wird? Oder bleibt Spotify der Streaming-Dienst für alle – auch für Neonazis?

Quelle: t-online.de

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