Die Behauptung
Die Amisch seien die gesündesten Menschen der Welt, da sie angeblich nicht geimpft werden und weder an Autismus noch an chronischen Krankheiten wie Krebs oder Diabetes leiden.
Aufgestellt von: Unbekannt
Falsch
Diese Behauptung ist falsch. Studien zeigen, dass Amisch durchaus von chronischen Krankheiten betroffen sind, auch wenn ihre Gesundheitsstatistiken in einigen Bereichen von denen der US-Gesamtbevölkerung abweichen. Impfungen werden von den Amischen nicht grundsätzlich abgelehnt und viele Kinder der Gemeinschaft sind geimpft.
Kurzer Überblick über die Fakten:
- Amische und Impfungen: Amisch lehnen Impfungen nicht grundsätzlich ab; viele Kinder sind zumindest teilweise geimpft.
- Chronische Krankheiten: Krankheiten wie Krebs oder Diabetes kommen auch unter Amischen vor.
- Krebsrate: Obwohl die Krebsrate unter Amischen niedriger ist als im US-Durchschnitt, kommt Krebs vor.
- Falschaussagen: Behauptungen, dass Amische frei von Autismus sind oder weniger Covid-Todesfälle haben, sind widerlegt.
Sind Amische wirklich die gesündesten Menschen?
Die Amische sind für ihren zurückgezogenen Lebensstil bekannt: Sie verzichten teilweise auf moderne Technik, führen ein einfaches Leben und haben oft weniger Zugang zum US-amerikanischen Gesundheitssystem. Diese Lebensweise wird in den sozialen Medien häufig idealisiert – vor allem in Diskussionen über Impfungen und chronische Krankheiten. Eine differenzierte Betrachtung zeigt jedoch: Die weit verbreitete Behauptung, die Amischen seien „kerngesund“, ist nicht haltbar.
Was sagen die Studien – ein Überblick
Krebs, Diabetes, Autismus und Impfungen sind auch bei den Amischen dokumentiert:
- Krebs: Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 haben die Amisch tatsächlich eine niedrigere Krebsrate als die US-Gesamtbevölkerung. Dies wird auf ihren Lebensstil zurückgeführt, der mehr Bewegung und weniger Tabakkonsum beinhaltet. Die Behauptung, es gäbe überhaupt keine Krebserkrankungen, ist jedoch schlichtweg falsch.
- Ähnlich verhält es sich mit Diabetes: Eine Studie, die Daten von 2010 bis 2018 auswertete, zeigt, dass auch Amisch an Diabetes erkranken. Auffällig ist jedoch, dass viele von ihnen weniger Zugang zu medizinischer Versorgung haben und daher seltener diagnostiziert werden. Die Krankheit ist jedoch präsent.
- Autismus ist in den Amisch-Gemeinschaften kein Fremdwort: Auch die Vorstellung, dass Autismus bei den Amischen nicht vorkommt, ist falsch. Zwar gibt es keine großangelegten Studien, die explizit die Prävalenz von Autismus unter Amischen untersuchen, aber auch hier gibt es keine wissenschaftlichen Belege, die die völlige Abwesenheit dieser Krankheit bestätigen.
- Impfungen – Zurückhaltung, aber keine generelle Ablehnung: Eine weit verbreitete Annahme ist, dass die Gemeinschaft Impfungen gänzlich ablehnt. Dies ist jedoch falsch. Eine Umfrage aus dem Jahr 2007 in Holmes County, Ohio – einer Region mit einer großen amischen Bevölkerung – ergab, dass rund 86 Prozent der Kinder mindestens eine Impfung erhalten hatten. Obwohl diese Bevölkerungsgruppe Impfungen skeptischer gegenüberstehen und die Impfraten niedriger sind, lehnt die Gemeinschaft Impfungen nicht kategorisch ab.
Amische und deren Impfungen
In den sozialen Medien wird die Lebensweise der Amisch häufig verklärt und instrumentalisiert, insbesondere von Impfgegnern. Es wird suggeriert, dass der vermeintliche Verzicht auf Impfungen die Amischen zu besonders gesunden Menschen macht. Dabei werden wichtige Faktoren wie Lebensstil, Ernährung und genetische Besonderheiten völlig außer Acht gelassen. Diese Mythen führen dazu, dass Fehlinformationen ungeprüft weiterverbreitet werden.
Wie sieht es mit Todesfällen während der COVID-Pandemie aus?
Ein weiteres Beispiel ist die Behauptung, die Amischen hätten während der COVID-19-Pandemie weniger Todesfälle zu beklagen gehabt, da sie sich nicht impfen ließen. Diese Aussage ist irreführend. Studien und Analysen zeigen, dass die Anzahl der gemeldeten Todesfälle in amischen Gemeinschaften möglicherweise unvollständig ist, was zu fehlerhaften Annahmen führen kann. Zudem lassen sich Unterschiede in den Todesfallzahlen häufig auf Faktoren wie den Zugang zu medizinischer Versorgung und regionale Unterschiede zurückführen.
Impfmythos „Impfungen verursachen Autismus“
Die Behauptung, Impfungen könnten Autismus auslösen, geht auf eine gefälschte Studie aus den 1990er Jahren zurück, deren Autor Andrew Wakefield finanzielle Interessen verfolgte und wegen unethischen Verhaltens seine Zulassung verlor. Seither haben wissenschaftliche Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus eindeutig widerlegt. Die Zunahme der Autismusdiagnosen ist auf eine verbesserte Diagnostik und erweiterte Definitionen zurückzuführen. Autismus ist eine komplexe neurobiologische Erkrankung mit einer Vielzahl von Ursachen, darunter genetische und biochemische Faktoren, nicht aber Impfungen.
Fazit zum Thema Amische und Gesundheit
Die Vorstellung, dass Amische vollständig frei von chronischen Krankheiten sind, basiert auf Mythen und nicht auf wissenschaftlichen Fakten. Obwohl ihr Lebensstil bestimmte gesundheitliche Vorteile bietet, sind Krankheiten wie Krebs, Diabetes und neurologische Entwicklungsstörungen wie Autismus auch in diesen Gemeinschaften präsent. Impfungen werden von Amischen nicht grundsätzlich abgelehnt, und ihre Lebensweise sollte nicht instrumentalisiert werden, um medizinische Mythen zu stützen.
Es ist entscheidend, Informationen aus sozialen Medien kritisch zu hinterfragen und auf wissenschaftliche Fakten zu vertrauen. Unsere Arbeit bleibt darauf fokussiert, Fehlinformationen zu entlarven und eine faktenbasierte Diskussion zu fördern
Was lernen wir daraus?
Fakten müssen immer kritisch hinterfragt werden – insbesondere, wenn sie in sozialen Medien präsentiert werden. Die Glorifizierung eines Lebensstils darf nicht als Grundlage für Fehlinformationen dienen, die wissenschaftliche Erkenntnisse ignorieren.
Hinweis zur Aktualisierung:
Dieser Artikel wurde am 22. Januar 2025 aktualisiert, um frühere Ungenauigkeiten zu korrigieren. Insbesondere wurde die Darstellung von Autismus angepasst, da er fälschlicherweise als Krankheit beschrieben wurde. Außerdem wurden zusätzliche Quellen ergänzt und der Abschnitt über den Impfmythos „Impfungen verursachen Autismus“ hinzugefügt. Wir danken unseren Leser:innen für ihr wertvolles Feedback, das uns geholfen hat, diesen Artikel zu verbessern.
Hier sind die wichtigsten Änderungen:
- Autismus richtig eingeordnet:
Autismus wurde als neurologische Entwicklungsstörung beschrieben, nicht als Krankheit. Zusätzlich wurde der Mythos, dass Impfungen Autismus auslösen könnten, wissenschaftlich widerlegt. - Neutralität bei COVID-19-Todesfällen:
Der Abschnitt zu COVID-19 wurde überarbeitet, um sachlicher über die Datenlage zu informieren. - Erweiterung der Quellenbasis:
Zusätzliche wissenschaftliche Studien wurden ergänzt, um die Aussagen zu Krebs, Diabetes, Autismus und Impfungen zu untermauern. - Fazit angepasst:
Das Fazit wurde erweitert, um den Fokus auf kritische Faktenprüfung und die Problematik von Fehlinformationen zu legen.
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