Kehlsteinhaus: Verkauf an Selenskyj? Eine gefälschte Story

Gezielte Desinformation im Netz: Angeblicher Kauf von Hitlers „Adlerhorst“ durch Wolodymyr Selenskyj

Die Behauptung

In sozialen Netzwerken wird verbreitet, Wolodymyr Selenskyj habe über eine italienische Firma das Kehlsteinhaus in Berchtesgaden um 14,2 Millionen Euro gekauft.

Falsch

Die Behauptung ist falsch. Das Kehlsteinhaus wurde nicht verkauft, es bleibt im Eigentum des Freistaats Bayern und wird planmäßig im Mai 2025 wieder öffnen. Die Falschmeldung ist Teil einer Propagandakampagne, die Selenskyj diskreditieren soll.

Kurze Faktenübersicht:

  • Verbleib des Kehlsteinhauses: Es befindet sich weiterhin im Eigentum des Freistaats Bayern.
  • Quelle der Falschmeldung: Eine gefälschte Publikation und ein Desinformationsvideo, das auf sozialen Netzwerken kursiert.
  • Entlarvte Inhalte: Der angebliche Kaufvertrag und Zitate von bayerischen Behörden sind Fälschungen.
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Angeblicher Verkauf des Kehlsteinhauses

Aktuell kursieren in sozialen Medien und Messengerdiensten Berichte, laut denen Wolodymyr Selenskyj das Kehlsteinhaus in Berchtesgaden, früher als Hitlers „Adlerhorst“ bekannt, erworben habe. Ein Video, das vermeintliche Verkaufs-Dokumente und ein Interview mit bayerischen Behörden zeigt, bekräftigt diese Behauptung.

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Screenshot der Behauptung auf X
Screenshot der Behauptung auf X

Warum die Behauptung unglaubwürdig ist

Kein Verkauf bestätigt
Im Video wird ein angeblicher Kommentar von Gerhard Reichel, der tatsächlich Geschäftsführer der IMBY ist, wiedergegeben. Hierbei soll es sich um eine angebliche Begründung handeln, wie es zum Verkauf der Immobilie gekommen sei.

Screenshot: Ausschnitt aus dem Video
Screenshot: Ausschnitt aus dem Video

Dr. Bartl Wimmer, Verbandsvorsitzender des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden, äußerte sich gegenüber dem Berchtesgadener Anzeiger mit einer kurzen Zusammenfassung: „Alles Unsinn!“

Die „Immobilien Freistaat Bayern“ stellte am 7. Februar 2025 klar, dass kein Verkauf des Kehlsteinhauses stattgefunden hat und auch nicht geplant ist.

„In den sozialen Medien kursiert aktuell ein Video mit Behauptungen über einen angeblichen Verkauf des Kehlsteinhauses im Landkreis Berchtesgadener Land. Dabei handelt es sich um gezielte Falschinformationen. Das Kehlsteinhaus befindet sich weiterhin im Eigentum des Freistaats Bayern. Ein Verkauf hat nicht stattgefunden und ist auch nicht geplant. Der im Video gezeigte angebliche Kaufvertrag ist eine Fälschung, gleiches gilt für das angebliche Zitat der IMBY-Geschäftsführung. Das Kehlsteinhaus wird regulär im Mai 2025 seinen Saisonbetrieb wieder aufnehmen. Die IMBY wird gegen die Urheber dieser Falschinformationen rechtliche Schritte einleiten.“

Meldung vom 07.02.2025 auf der Webseite der IMBY (Immobilien Freistaat Bayern)

„Für solche Kampagnen werden jedes Jahr Milliarden Dollar ausgegeben“, weiß Wimmer. Im Zeitalter der KI sind diese kaum noch zu stoppen. Gefälschte Videos, Tonaufnahmen und Dokumente sind für KI mühelos zu erstellen.

Gefälschter Kaufvertrag
Der im Video gezeigte Kaufvertrag ist gefälscht. Unterzeichnet wurde er angeblich von einer Beamtin aus der Oberpfalz, obwohl das Kehlsteinhaus in Oberbayern liegt, wie „The Insider“ bei seiner Recherche herausfinden konnte.

Screenshot des angeblichen Kaufvertrags
Screenshot des angeblichen Kaufvertrags

Fehlende Hinweise auf Schließung
Die Webseite des Kehlsteinhauses informiert weiterhin über die reguläre Öffnung ab Mai 2025.

Bekannte Desinformationsmuster
Selenskyj wird seit Jahren Zielscheibe ähnlicher Kampagnen. Bereits 2023 wurde behauptet, er habe ein ehemaliges Anwesen von Joseph Goebbels erworben, 2024 soll es das Auto von Hitler gewesen sein..

Die Quelle: Eine dubiose Nachrichten-Webseite

Die ursprüngliche Meldung stammt von der Webseite „Aktuelle Nachrichten in Deutschland“.

Screenshot des Artikels
Screenshot des Artikels

Diese Plattform ist jedoch keine vertrauenswürdige Quelle. Ihre Artikel sind nicht datiert, und es gibt keinerlei archivierte Spuren vor Dezember 2024.

Wer steckt hinter der Kampagne?

Nach Einschätzungen von Experten handelt es sich um eine orchestrierte Aktion, die politische Ziele verfolgt. Das Muster dieser Desinformation deutet auf Kreml-nahe Quellen hin, die Selenskyj diskreditieren und Misstrauen gegenüber westlichen Institutionen säen wollen. Dr. Bartl Wimmer, Vorsitzender des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden, sieht darin ein Paradebeispiel für digitale Propaganda im KI-Zeitalter: „Professionelle Fälschungen und manipulative Videos sind heutzutage schwerer zu entlarven, aber fundierte Gegenkommunikation bleibt das wichtigste Mittel dagegen.“

Propaganda mit System

Das Video spielt gezielt mit Emotionen und historischen Bezügen, um Aufmerksamkeit zu generieren. Es verknüpft die Figur Selenskyj mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte und weckt damit bewusste Assoziationen. Solche Methoden sind Bestandteil moderner Desinformationsstrategien, die auf virale Verbreitung in sozialen Medien setzen.

Fazit zum Kehlsteinhaus-Gerücht

Das Gerücht über einen Verkauf des Kehlsteinhauses an Wolodymyr Selenskyj ist eine glatte Fälschung. Es entbehrt jeglicher Grundlage und dient der Verbreitung politischer Desinformation. Der Fall zeigt erneut, wie wichtig kritisches Denken und die Überprüfung von Quellen im digitalen Zeitalter sind.

Quellen: Immobilien Freistaat Bayern, Berchtesgadener Anzeiger, The Insider

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