Die Behauptung
In sozialen Netzwerken kursiert ein längeres Zitat, das angeblich von Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum stammt. In diesem Text wird behauptet, dass der „Rest der Welt“ auf Donald Trumps Grenzpolitik mit einem wirtschaftlichen Boykott der USA reagieren könne. Die Rede endet mit den Worten: „Ihr wollt eine Mauer, ihr bekommt eine Mauer.“
Aufgestellt von: Unbekannt
Faktencheck: Falsch
Falsch. Dieses Zitat wurde fälschlicherweise Claudia Sheinbaum zugeschrieben. Es existieren keine Belege dafür, dass sie diese Worte jemals geäußert hat – weder auf ihren offiziellen Kanälen noch in Berichterstattungen seriöser Medien. Tatsächlich kursiert dieser Text bereits seit mindestens 2016.
Kurze Faktenübersicht:
- Kein Beweis für Sheinbaums Autorenschaft: Weder offizielle Social-Media-Konten noch vertrauenswürdige Nachrichtenquellen belegen, dass Sheinbaum das Zitat jemals geäußert hat.
- Text existiert seit 2016: Frühere Versionen des Zitats tauchten bereits in sozialen Netzwerken auf, lange bevor Sheinbaum 2024 Präsidentin wurde.
- Typisches „Kopieren und einfügen“: Der Text wurde über die Jahre hinweg in verschiedenen Sprachen und leicht abgewandelten Formen verbreitet.
Das virale Zitat – ein alter Internettext mit neuer Verpackung
Im Februar 2025 verbreiten sich auf Plattformen wie X, Instagram, Facebook und TikTok erneut Posts mit diesem langen Zitat, das angeblich von Claudia Sheinbaum stammen soll. Der Text beschreibt eine weltweite Reaktion auf Trumps Mauerbaupläne und warnt vor wirtschaftlichen Konsequenzen für die USA.
Allerdings gibt es ein Problem: Sheinbaum hat diesen Text nie gesagt oder geschrieben. Unsere Recherche ergab, dass Variationen dieser angeblichen Rede bereits seit 2016 kursieren – und zwar ohne jegliche Zuschreibung an eine bestimmte Person.
Einige Versionen des Textes enden sogar mit einem typischen Kettenbrief-Aufruf: „Bitte mindestens 12-mal weiterleiten, damit es das getäuschte nordamerikanische Volk erreicht.“ Solche Formulierungen sind ein eindeutiges Indiz für virale Falschmeldungen.
Kein einziges glaubwürdiges Indiz für Sheinbaums Urheberschaft
Weder in Sheinbaums offiziellen Reden noch auf ihren Social-Media-Profilen findet sich irgendein Hinweis auf diese Aussage. Auch große Medienhäuser wie die Associated Press oder Reuters haben nie darüber berichtet.
Zudem fanden wir ältere Versionen des Textes auf Facebook aus den Jahren 2016:
Wie entstehen solche Falschzitate?
Falsch zugeordnete Zitate sind ein häufiges Phänomen im Internet. Berühmte Persönlichkeiten werden oft mit markanten Aussagen in Verbindung gebracht, die sie nie getätigt haben. Meist geschieht dies aus drei Gründen:
- Glaubwürdigkeit durch Prominenz: Ein Zitat wird ernster genommen, wenn es einer bekannten Person zugeschrieben wird.
- Emotionale Wirkung: Solche Texte sind oft stark emotional aufgeladen und sprechen gesellschaftliche oder politische Themen an.
- Virale Dynamik: Einmal verbreitet, wiederholen und teilen Menschen das Zitat, ohne die Quelle zu überprüfen.
In diesem Fall wurde ein älterer viraler Text einfach mit dem Namen der aktuellen mexikanischen Präsidentin versehen – vermutlich, weil sie für ihre kritische Haltung gegenüber Trump bekannt ist.
Sheinbaums echte Aussagen über Trump
Obwohl das untersuchte Zitat nicht von ihr stammt, hat Claudia Sheinbaum durchaus echte Bemerkungen zu Trumps Politik gemacht. Zum Beispiel:
- Am 8. Januar 2025 kommentierte sie ironisch Trumps Plan, den Golf von Mexiko in „Golf von Amerika“ umzubenennen, mit der Aussage, man könne dann Nordamerika auch gleich in „América Mexicana“ umtaufen.
- Am 7. Februar 2025 reagierte sie auf die Forderung der US-Regierung nach einer „totalen Eliminierung“ der Drogenkartelle mit der knappen Bemerkung: „Sollen sie doch in ihrem eigenen Land anfangen.“
Diese echten Aussagen zeigen, dass Sheinbaum zwar pointierte Bemerkungen über Trump macht – das untersuchte virale Zitat gehört aber definitiv nicht dazu.
Warum die Quelle sehr wohl entscheidend ist
Einige Nutzer argumentieren, dass die Quelle in diesem Fall keine Rolle spiele, da es sich nur um eine Sammlung von Allgemeinwissen handle, verpackt in eine Meinung.
Doch genau das ist der Kern des Problems: Das Zitat wird nicht als persönliche Meinung oder allgemeine Beobachtung verbreitet, sondern explizit Claudia Sheinbaum zugeschrieben. Und sobald eine Aussage einer bestimmten Person in den Mund gelegt wird – insbesondere einer öffentlichen Figur wie einer Staatspräsidentin –, ist eine verlässliche Quelle unabdingbar.
Gerade in Zeiten von Fake News ist es gefährlich, unbestätigte Zitate einfach weiterzuverbreiten. Sie können das Bild einer Person verfälschen und politische Debatten unnötig aufheizen. Wer seriöse Informationen verbreiten will, sollte sich daher nicht nur auf vage Internetquellen verlassen, sondern auf verlässliche Medien mit journalistischen Standards.
Fazit zum Thema: Falschzitate im Internet
Dieses Beispiel zeigt, wie leicht sich im Internet Falschzitate verbreiten können. Ein viraler Text von 2016 wurde einfach einer neuen prominenten Figur zugewiesen, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Beim Teilen solcher Inhalte sollte man immer kritisch hinterfragen:
- Gibt es eine verlässliche Quelle?
- Existieren frühere Versionen des Zitats ohne Namensnennung?
- Wird die Aussage von vertrauenswürdigen Medien bestätigt?
Im Fall von Claudia Sheinbaum ist die Antwort klar: Das Zitat ist nicht von ihr – es handelt sich um eine alte Internet-Ente.
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