Die Behauptung
In sozialen Medien kursieren Listen mit angeblich extrem hohen kanadischen Zollsätzen auf US-Produkte. Diese sollen bereits vor den neuen US-Strafzöllen existiert haben.
Aufgestellt von: Soziale Medien
Irreführend
Die Behauptung ist irreführend. Der USMCA erlaubt zollfreien Handel für die meisten Waren zwischen den USA und Kanada. Hohe Zölle auf landwirtschaftliche Produkte wie Milch und Geflügel treten erst in Kraft, wenn Importquoten überschritten werden.
Kurze Faktenübersicht:
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Zollfreier Handel: Die meisten US-Produkte können zollfrei nach Kanada eingeführt werden.
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Ausnahmen für Agrarprodukte: Milch, Eier und Geflügel unterliegen einem Quoten-System.
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Falsche Zahlen: Viele der kursierenden Tarife sind übertrieben oder aus dem Kontext gerissen.
Ursprung der Falschinformationen zu kanadischen Zöllen
Besonders nach der Ankündigung eines 25-Prozent-Zolls auf kanadische Waren durch Donald Trump erhielten Listen, die diese Werte enthielten, neue Aufmerksamkeit. Die angeblichen Tarife listen Abgaben von über 200 Prozent für Milchprodukte, Geflügel und Zucker sowie mehr als 100 Prozent für Tabak, Reis und Fisch.
Eine der meistgeteilten Listen behauptet etwa:
- Milch: 270 %
- Käse: 245 %
- Butter: 298 %
- Hähnchen: 238 %
- Würste: 69,9 %
- Gerstensaatgut: 57,8 %
- Rindfleisch: 26,5 %
- Autos: 25 %
- Klimaanlagen: 45 %
- Staubsauger: 35 %
- Kabelboxen: 35 %
- Fernseher: 45 %
- Stahl: 25 %
- Aluminium: 45 %
- Kupfer: 48 %
Diese Zahlen sind jedoch in vielen Fällen entweder stark übertrieben oder schlichtweg falsch.
Tatsächliche Zollsituation zwischen Kanada und den USA
Laut der Canada Border Services Agency (CBSA) sind die meisten US-Produkte zollfrei. Dies gilt unter anderem für:
- Autos: Zollfrei (keine 25 %)
- Reis: Zollfrei
- Aluminium: Zollfrei (keine 45 %)
- Peanut Butter: Zollfrei
- Tabak: Zollfrei
- Bovines Fleisch: Zollfrei
- Staubsauger: Zollfrei (keine 35 %)
- Kabelboxen: Zollfrei (keine 35 %)
- Fernseher: Zollfrei (keine 45 %)
- Stahl: Zollfrei (keine 25 %)
- Kupfer: Zollfrei (keine 48 %)
Diese Informationen decken sich mit der Datenbank der US International Trade Administration. Die in den Social-Media-Posts angegebenen hohen Zollsätze existieren also nicht oder betreffen nur über Kontingente hinausgehende Importe.
Warum ist der Zoll auf bestimmte Produkte höher als auf andere?
Einige Agrarprodukte unterliegen in Kanada dem sogenannten Supply-Management-System. Dieses reguliert den Markt, um Überproduktion und Preisverfall zu vermeiden. Für bestimmte Mengen gelten geringe Zölle, doch über einer bestimmten Importquote steigen sie stark an.
Zum Beispiel:
- Milch: Grundtarif 7,5 %, bei Überschreitung der Importquote bis zu 241 % (nicht 270 % wie behauptet).
- Eier, Butter, Käse: Ähnlich gestaffelte Tarife.
Kontextlose Zahlen und irreführende Behauptungen
Die immer wieder zitierte Zahl von 270 % Zoll auf Milch stammt aus früheren Trump-Reden, unter anderem beim G7-Gipfel 2018. Doch sie betrifft nur Importmengen, die weit über den festgelegten Quoten liegen. Tatsächlich sind viele landwirtschaftliche Exporte aus den USA nach Kanada stark gewachsen, etwa der Milchsektor, der 2024 ein Handelsvolumen von 1,14 Milliarden US-Dollar erreichte.
Fazit
Die kursierenden Listen über angeblich hohe kanadische Zölle sind übertrieben und oft aus dem Kontext gerissen. Der Großteil des Handels zwischen den USA und Kanada erfolgt zollfrei. Hohe Abgaben betreffen nur spezifische Agrarprodukte über festgelegte Importmengen hinaus und sind durch das USMCA-Abkommen abgedeckt.
Wie kann man sich schützen?
- Quellen prüfen, bevor man sie teilt.
- Offizielle Handelsdokumente heranziehen.
- Vorsicht bei Zahlen, die ohne Kontext präsentiert werden.
Quelle: AFP
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