Die Behauptung
Ein geleaktes Datenpaket zeigt, dass professionelle Betrugs-Callcenter mit Hilfe von Affiliate-Marketingfirmen tausende Opfer in falsche Investitionsplattformen lockten. Die Marketingfirmen wurden nur bezahlt, wenn die Opfer Geld einzahlten – oft ihre gesamten Ersparnisse.
Wahr
Wahr. – Die geleakten Dokumente und Recherchen von OCCRP und Partnern bestätigen das Vorgehen. Die Daten bestätigen, dass zahlreiche Marketingfirmen gezielt Leads für Betrugs-Callcenter generierten. Diese Firmen agierten hinter Tarnnamen, nutzten Fake-Identitäten und verschleierten ihre Verbindungen zu den Scam-Netzwerken. Die Callcenter zahlten Millionen für diese Dienste – während tausende Opfer um ihr Geld gebracht wurden.
Kurze Faktenübersicht:
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Leaked-Daten enttarnt Betrugssystem: Ein 1,9 Terabyte großes Datenleck offenbart, wie Callcenter und Affiliate-Marketer zusammenarbeiten.
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Milliardenschweres Netzwerk: Die Betrüger überzeugten mindestens 32.000 Menschen weltweit, insgesamt über 275 Millionen Dollar zu „investieren“.
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Gezielte Werbung und Fake-Promis: Anzeigen mit gefälschten Prominentenempfehlungen (z. B. Elon Musk, Sanna Marin) lockten Opfer auf betrügerische Plattformen.
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Verschleierte Identitäten: Die Marketingfirmen arbeiteten unter falschen Namen und über Briefkastenfirmen in Offshore-Ländern.
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Kryptozahlungen zur Verschleierung: Die Betrüger bezahlten die Marketingfirmen in Kryptowährungen, um Spuren zu verwischen.
Das große Geschäft mit falschen Investments
Es beginnt mit einer simplen Anzeige: „Reich werden mit Kryptowährungen – Elon Musk verrät sein Geheimnis!“ Wer darauf klickt, wird schnell von angeblichen Finanzexperten kontaktiert. Doch in Wahrheit sitzt am anderen Ende der Leitung ein Betrüger – und das Opfer ist in einem perfiden System gefangen.
Zwei riesige Scam-Callcenter-Netzwerke, eines mit Sitz in Georgien und das andere in Israel und Europa, haben über Jahre hinweg tausende Menschen betrogen. Sie versprachen gigantische Renditen, doch die Einzahlungen der Opfer verschwanden spurlos. Möglich wurde dieser Betrug durch ein ausgeklügeltes Affiliate-Marketing-System: Wer neue Opfer lieferte, erhielt hohe Provisionen – bis zu 2.350 Dollar pro „Lead“.
Geleakte Daten zeigen das perfide System
Ein geleaktes 1,9-Terabyte-Datenpaket, das von schwedischen Journalisten erhalten und mit OCCRP sowie 30 internationalen Medienpartnern geteilt wurde, zeigt die gesamte Struktur hinter dem Betrug:
- Callcenter-Angestellte täuschten seriöse Investmentfirmen vor.
- Affiliate-Marketingfirmen sammelten die Kontaktdaten der Opfer.
- Gezielte Werbeanzeigen auf Facebook und anderen Plattformen lockten Nutzer in die Falle.
- Die Betrüger zahlten Millionen für die „Lieferung“ neuer Opfer.
Ein Mann namens „Ben“ (Alias) koordinierte die Marketingfirmen und organisierte die wöchentlichen Auszahlungen – stets in Kryptowährung, um Spuren zu verwischen.
Prominente Namen als Lockmittel
Ein zentraler Bestandteil des Betrugs waren Fake-News-Anzeigen mit prominenten Gesichtern. So wurde etwa in Spanien ein TV-Moderator als angeblicher Investor missbraucht, während in Finnland Ex-Premierministerin Sanna Marin und Ex-Präsident Sauli Niinistö als angebliche Krypto-Botschafter herhalten mussten. Selbst Elon Musk wurde für angebliche „Quantum AI“-Investments missbraucht – trotz zahlreicher Warnungen von Finanzaufsichtsbehörden weltweit.
Auch Schauspielerin Sandra Oh wurde Opfer dieser Masche: Eine gefälschte „TV-Interview“-Seite behauptete, sie habe eine geheime Investmentplattform enthüllt. Am Ende solcher Seiten befand sich stets eine Registrierungsmaske – und wer sich eintrug, landete direkt in den Fängen der Betrüger.
Von der Werbung zum finanziellen Ruin
Wie skrupellos dieses System funktioniert, zeigt das Beispiel einer spanischen Architektin, die sich nur mit ihren Initialen, „IGP“, identifizieren ließ. Sie sah eine Anzeige mit dem Bild eines TV-Moderators und klickte darauf. Innerhalb weniger Sekunden wurde sie angerufen und überredet, zunächst 250 Euro zu investieren. In den folgenden Wochen vertraute sie den vermeintlichen Experten mehr und mehr – bis sie schließlich 400.000 Euro verlor.
Laut den geleakten Dokumenten wurde ihre Nummer von der bulgarischen Marketingfirma „Zeus Media“ an die Betrüger weitergegeben – gegen eine Bezahlung von 1.100 Dollar. Zeus Media selbst gehört zur Firma „Sierra Media Ltd.“ mit Sitz in Sofia, die wiederum von zwei Israelis geleitet wird.
Millionengewinne für die Werber – während Opfer verzweifeln
Die Dokumente zeigen, dass die Marketingfirmen für die Betrüger ein lukratives Geschäft waren. Sierra Media verdiente allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2023 über 260.000 Dollar. Eine andere Firma, CRYP, kassierte in demselben Zeitraum fast 850.000 Dollar.
Noch brutaler: Ein Unternehmen namens „MGA Team“ verdiente an einem einzigen Opfer über eine Million Euro. Der betroffene Mann, ein spanischer Arzt, verlor sein gesamtes Vermögen, wurde von den Betrügern massiv unter Druck gesetzt und stand am Rande des Ruins – während die Affiliate-Marketer rauschende Partys feierten.
Skrupellose Feiern und falsche Identitäten
Während Opfer finanziell ruiniert wurden, feierten die Marketingfirmen bei luxuriösen Events wie „Affiliate World“ in Bangkok oder Dubai. Ein besonders makabrer Fall: Das Unternehmen „MGA Team“ organisierte eine Party mit dem Namen „Sin City“ in einem Luxushotel in Bangkok – genau in dem Monat, in dem ihr lukrativstes Opfer alles verlor.
Viele dieser Marketingfirmen operierten unter falschen Namen. Die Firma „Oray Ads“ etwa nutzte eine Fake-Identität für ihre angebliche Marketingdirektorin Natalie Gorman. Diese entdeckte zufällig, dass ihr Name und Bild auf der Firmenwebsite verwendet wurden – ohne ihre Zustimmung. Als sie die Firma kontaktierte, wurde einfach aufgelegt.
Soziale Netzwerke als Drehscheibe für Betrug
Facebook spielte eine Schlüsselrolle im Betrugssystem. Opfer wurden über gefälschte Anzeigen auf Facebook in die Falle gelockt. Unternehmen wie „Oray Ads“ erhielten von den Betrügern sechsstellige Beträge, um gezielte Facebook-Kampagnen zu fahren.
Meta, das Unternehmen hinter Facebook, betonte auf Nachfrage, dass es gegen Betrugsanzeigen vorgehe – doch die Realität zeigt: Noch immer sind solche Anzeigen weit verbreitet.
Fazit: Betrug im großen Stil – und kaum Konsequenzen
Die Recherchen zeigen ein ausgeklügeltes System, bei dem Marketingfirmen und Callcenter Hand in Hand arbeiten. Während Opfer ihr gesamtes Erspartes verlieren, verdienen die Betrüger Millionen. Die Ermittlungsbehörden stehen vor großen Herausforderungen, da viele Firmen Offshore operieren und ihre Identitäten verschleiern.
Ohne eine stärkere internationale Zusammenarbeit und härtere Maßnahmen gegen dubiose Affiliate-Marketer wird dieser Betrug weitergehen – und noch viele weitere Opfer fordern.
Quelle: OCCRP
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