Myanmar-Erdbeben: Wie KI-Fakes TikTok & Co. überfluten

Millionenfach geklickt, doch völlig erfunden: KI-Videos zum Myanmar-Erdbeben täuschen weltweit Nutzer.

Die Behauptung

Dramatische Videos auf Social Media zeigen angeblich reale Szenen des Erdbebens in Myanmar – in Wahrheit handelt es sich bei vielen dieser Clips um KI-generierte Fälschungen.

Falsch

Falsch! Die Mehrheit der viral gegangenen Videos über das Myanmar-Erdbeben wurde mit KI-Tools wie Runway oder Wan erstellt. Viele enthalten sogar noch Wasserzeichen. Fachleute entlarven sie als rein erfundene Szenen.

Kurze Faktenübersicht:

    • KI-generierte Videos kursieren millionenfach auf TikTok, X & Co.
    • Fake-Videos zeigen frei erfundene Katastrophenszenen in Myanmar.
    • Oft erkennbar an Wasserzeichen oder unrealistischen Details.
    • Gleiche Tonspur in tausenden anderen Katastrophen-Fakes genutzt.

→Welche Risiken stecken hinter viralen TikTok-Inhalten? Antworten finden Sie im Leitfaden TikTok-Betrug.

Myanmar-Erdbeben: Wie KI das Leid in Myanmar instrumentalisiert

Eine echte Tragödie, und ein gefundenes Fressen für Fake-Produzenten. Nach dem schweren Erdbeben in Myanmar überfluten KI-generierte Fake-Videos das Netz. Millionen Menschen werden in die Irre geführt.

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Fake-Erdbeben: Wenn KI das Desaster spielt

Die erschütternden Szenen, die in sozialen Netzwerken kursieren, wirken auf den ersten Blick real: zerborstene Straßen, einstürzende Häuser, Feuerwalzen. Doch viele dieser Videos wurden nicht in Myanmar oder Thailand aufgenommen, sie wurden am Computer generiert.

Besonders ein Clip mit der Aufschrift „17 M people affected“ sorgte für Furore. Mit Runway-KI erstellt, verbreitete sich das Video in Windeseile, auch dank manipulativer Überschriften und gezielter Wasserzeichen-Entfernung.

Screenshot: TikTok - Myanmar-Erdbeben: Wie KI-Fakes TikTok & Co. überfluten
Screenshot: TikTok – Myanmar-Erdbeben: Wie KI-Fakes TikTok & Co. überfluten

Ein weiterer Fake: In einem Video wird eine zerstörte Skyline mit buddhistischen Pagoden gezeigt, angeblich in Mandalay aufgenommen. Experten fanden heraus: Die gezeigte Stadt existiert schlicht nicht. Tempelanlagen, wie sie im Video zu sehen sind, gibt es in Myanmar nirgends. Bewegungsfehler, eingefrorene Menschen und andere visuelle Patzer entlarven die Clips als KI-Fakes.

Screenshot: X - Myanmar-Erdbeben: Wie KI-Fakes TikTok & Co. überfluten
Screenshot: X – Myanmar-Erdbeben: Wie KI-Fakes TikTok & Co. überfluten

Noch dreister: Altes Neuseeland-Foto als „Beweis“ verkauft

Neben KI-generierten Videos tauchen auch klassische Bildfälschungen auf: Ein vielfach geteiltes Foto zeigt eine dramatische Straßenspalte, angeblich in Taunggyi nach dem Erdbeben. Tatsächlich stammt das Bild aus dem Jahr 2011 und zeigt Schäden in Christchurch, Neuseeland, nach einem Beben der Stärke 6,3.

Das Bild kursierte mit einem burmesischsprachigen Text und wurde als angeblicher Beleg für die Zerstörung in Myanmar verbreitet. Doch ein Rückwärtssuche-Test auf Google führte zur Originalquelle: Das Bild stammt vom Fotoarchiv Alamy, aufgenommen an der Fitzgerald Avenue Bridge, tausende Kilometer entfernt vom aktuellen Epizentrum. Ein weiterer klarer Beweis, wie alte Katastrophenbilder bewusst umgedeutet werden, um aktuelle Krisen visuell auszuschlachten.

Video von Motorradfahrer, angeblich aus Myanmar, tatsächlich aus Taiwan

Ein weiteres virales Video nach dem Erdbeben wird ebenfalls massenhaft geteilt, und erneut handelt es sich um eine Irreführung. Der Clip zeigt einen Motorradfahrer, der auf eine rote Brücke zufährt. Die Kamera, offenbar aus dem Auto hinter ihm, filmt, wie die Brücke plötzlich zu wackeln beginnt. Der Fahrer gerät ins Straucheln, bleibt erschrocken stehen, während das Beben deutlich sichtbar wird. Nach wenigen Sekunden beruhigt sich die Lage, der Fahrer fährt weiter.

Screenshot: Instagram - Myanmar-Erdbeben: Wie KI-Fakes TikTok & Co. überfluten
Screenshot: Instagram – Myanmar-Erdbeben: Wie KI-Fakes TikTok & Co. überfluten

Klingt nach einer authentischen Szene aus Myanmar? Mitnichten. Eine einfache Rückwärtssuche entlarvt die Illusion: Das Video stammt nicht aus Myanmar oder Thailand, sondern aus Taiwan. Auf Instagram wurde der Clip am 3. April 2025 gepostet, mit dem Hinweis:

„Ein erschreckender Moment, aufgenommen mit der Dashcam, als ein Erdbeben der Stärke 7,4 eine Brücke in Taiwan erschüttert…“

Und diesmal stimmt der Kontext tatsächlich: Das Video wurde während des schweren Erdbebens in Taiwan aufgenommen, das nach offiziellen Angaben das stärkste seit 25 Jahren war. Es verursachte Erdrutsche, massive Schäden an der Infrastruktur und eine Tsunamiwarnung.

Recherchen von India Today bestätigen den Aufnahmeort eindeutig: Die rote Brücke ist die Meilun River Bridge in Hualien, im Osten Taiwans. Kartenmaterial und aktuelle Medienberichte belegen zudem, dass die Brücke bei dem Beben beschädigt wurde, der Clip ist also echt, aber in einem völlig anderen Land aufgenommen worden.

Erneut wird also ein reales Ereignis aus einem anderen Teil der Welt instrumentalisiert, um ein anderes Katastrophennarrativ zu stützen. Der Effekt: Verwirrung, emotionale Manipulation, und eine gezielte Verwischung der Fakten.

Wer profitiert von der Verunsicherung?

Die Motivation hinter den Fake-Videos ist erschreckend banal: Aufmerksamkeit. Klicks. Reichweite. Accounts mit Millionen Followern posten die Clips unter dem Vorwand, sie stammten etwa von BBC, wie an diesem Beitrag auf X zu erkennen:

Myanmar-Erdbeben: Wie KI-Fakes TikTok & Co. überfluten – mimikama.org

Tatsächlich stecken häufig anonyme Content-Farmen oder Einzelnutzer dahinter, die ihre Reichweite steigern wollen, ohne Rücksicht auf die Opfer der realen Katastrophe.

Was Mimikama rät, und was wirklich hilft

KI-Fakes werden technisch immer raffinierter, doch das Wissen, sie zu entlarven, hinkt deutlich hinterher. Es braucht Medienkompetenz und ein geschultes Auge, um die immer glaubwürdiger wirkenden Täuschungen zu erkennen.

Konkret heißt das: Wer soziale Netzwerke nutzt, sollte aufmerksam und kritisch bleiben. Wasserzeichen, unnatürliche Bewegungen, fehlende Quellenangaben oder identische Tonspuren in völlig unterschiedlichen Clips sind klare Alarmsignale. Auch ein einfacher Rückwärtssuche-Check kann schnell zeigen, wann und wo ein Video ursprünglich veröffentlicht wurde, und ob es überhaupt mit dem aktuellen Ereignis zu tun hat.

Fazit zum Thema

Die Tragödie in Myanmar ist real, das meiste, was wir online darüber sehen, ist es nicht. KI-generierte Fake-Videos überschwemmen TikTok & Co. und schüren weltweit Desinformation. Wer wirklich helfen will, sollte genau hinschauen, bevor er teilt. Denn in Krisen braucht es keine digitalen Lügen, sondern echte Solidarität.

Lesen Sie auch: KI-Fakes auf YouTube: Wie Hollywood heimlich an gefälschten Trailern verdient

MIMIKAMA · FAKTENCHECK

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