Die Behauptung
Donald Trump erwäge eine 90-tägige Zollpause für alle Länder außer China – diese Nachricht verbreitete sich viral über Social Media und wurde von Medien wie CNBC und Reuters aufgegriffen.
Falsch
Falsch! Die Meldung war unbegründet und wurde vom Weißen Haus umgehend dementiert. Dennoch verbreiteten sich die Gerüchte rasend schnell über Social Media und Finanzmedien – mit realen Konsequenzen für die Börse.
Kurze Faktenübersicht:
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- Ursprung: Falsch zitierter Social-Media-Post ohne belastbare Quelle.
- Verstärkung: Weitreichende Accounts wie „Walter Bloomberg“ verbreiteten das Gerücht.
- Medienversagen: CNBC und Reuters übernahmen ungeprüft die Meldung.
- Konsequenzen: Kurzfristiger Börsenanstieg, gefolgt von Kursverlusten nach Dementi.
📌 Infobox: Was war passiert?
| 📅 Datum | 7. April 2025 (Montagvormittag) |
| ⚠️ Falschmeldung | Das Trump-Zoll-Gerücht: Trump erwäge eine 90-tägige Zollpause für alle Länder außer China |
| 🧵 Ursprung | X-Account „Hammer Capital“ (@yourfavorito), 10:11 Uhr |
| 🚨 Verbreitung | „Walter Bloomberg“ (@DeItaone) verbreitet Meldung um 10:13 Uhr weiter |
| 📺 Medienübernahme | CNBC zitiert Gerücht um 10:15 Uhr, Reuters folgt um 10:19 Uhr |
| 📉 Börsenreaktion | Kurzer Kurssprung – später Kurssturz nach Dementi |
| 🗣️ Dementi | Weißes Haus dementiert offiziell, Reuters zieht Bericht um 12:28 Uhr zurück |
| 🔍 Enthüllung | Keine Aussage von Hassett zur Zollpause; Ursprung war ein Fox-News-Interview |
| ⚠️ Folge | Breites Mediensystemversagen, Manipulationsverdacht im Börsenhandel |
🆕 📌 Infobox: Update, Was seitdem geschah (9.–10. April 2025)
| 🗓️ Neues Datum | 9. April 2025 (Mittwochabend) |
| 📢 Offizielle Ankündigung | Trump verkündet 90-tägige Zollpause für viele Länder – China ausgenommen |
| 💥 Zollpolitik | Zölle für China steigen auf 125 % – wegen „mangelndem Respekt“ |
| 💬 Trump-Posting | Auf Truth Social postet Trump Stunden vorher: „Great time to buy!!!“ |
| 📈 Marktreaktion | Börsen steigen stark – NASDAQ +10 %, DAX +9 % |
| 🤯 Brisanz | Exakt die Maßnahme, die zuvor dementiert wurde – jetzt Realität |
| ❓ Offene Fragen | Zufall oder bewusster Testlauf? Wer profitierte von den Kursbewegungen? |
| 🧭 Mimikama-Haltung | Faktencheck vom 7. April bleibt korrekt. Ursprünglich falsch bleibt falsch – trotz späterer Umsetzung. |
🛠️ Update vom 10. April 2025: Wenn Fake News plötzlich Realität werden, bleibt es trotzdem Fake News?
Zwei Tage nach unserem Faktencheck hat Donald Trump exakt das angekündigt, was am 7. April noch als Falschmeldung eingestuft wurde: eine 90-tägige Zollpause für fast alle Länder, mit Ausnahme Chinas, das nun sogar mit einem 125-Prozent-Zoll belegt wird.
Der Haken daran:
Am 7. April war diese Information nachweislich falsch, unbelegt und wurde vom Weißen Haus sowie Medien wie Politico ausdrücklich dementiert. Reuters zog den eigenen Bericht zurück. CNBC hatte sich auf Social-Media-Posts gestützt, nicht auf offizielle Quellen. Der Ursprung lag bei anonymen X-Konten ohne Verifikation.
➡️ Unser ursprünglicher Faktencheck war und ist korrekt, nach journalistischen Standards zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
❗ Doch was jetzt vorgefallen ist, ist mehr als nur ein Zufall:
- Eine nicht bestätigte Spekulation wurde zur Breaking News erklärt
- Die Börsen reagierten heftig
- Zwei Tage später wurde das „Gerücht“ fast wortgleich politische Realität
- Trump selbst hatte Stunden vor der offiziellen Mitteilung auf Truth Social geschrieben: „Great time to buy!!!“
Verdacht auf Marktmanipulation?
Trumps Aufruf „This is a great time to buy!!!“ erfolgte nur Stunden vor der offiziellen Zollpause, die Kurse explodierten danach. Auf X wird er deshalb der bewussten Marktbeeinflussung beschuldigt. Eine offizielle Stellungnahme liegt bislang nicht vor.
Das ist kein normaler Nachrichtenverlauf, das ist ein beunruhigendes Muster.
❓ Zufall? Oder wie Fake News den Takt vorgeben
Der zeitliche Ablauf ist kein „Zufall“. Er ist auffällig, und ehrlich gesagt: ziemlich verstörend.
07.04., 10:11 Uhr ET, Ein kleiner X-Account („Hammer Capital“) behauptet ohne Beleg, Trump plane eine Zollpause, China ausgenommen.
07.04., 10:13 Uhr, „Walter Bloomberg“ greift das Gerücht auf, ohne Quelle, mit Sirenen-Emoji.
07.04., 10:15–10:19 Uhr, CNBC und Reuters berichten, die Märkte reagieren explosiv.
07.04., ab 11:00 Uhr, Das Weiße Haus dementiert gegenüber Politico: „Fake News“.
09.04., abends, Trump verkündet offiziell genau das: 90 Tage Zollpause, China ausgenommen.
Das wirkt, als sei eine politische Maßnahme vorab durch die Gerüchteküche getestet worden, über Social Media, über die Börse, über die Medien.
🧩 Was bedeutet das?
Eine Meldung kann zur Zeit ihrer Verbreitung falsch sein –
und trotzdem später Realität werden.Das macht sie nicht nachträglich wahr.
Es macht sie gefährlich.
Denn es entsteht der Eindruck, dass Politik auf Gerüchte reagiert, oder sogar mit ihnen spielt. Dass Märkte gezielt mit spekulativen Inhalten in Bewegung gebracht werden können. Dass Vertrauen und Wahrheit käuflich sind, mit einem blauen Haken.
🧭 Was tun wir?
Wir stehen zu unserem ursprünglichen Bericht. Und wir sagen ganz klar:
Nur weil sich eine Falschmeldung später erfüllt, wird sie nicht zur Wahrheit.
Sie bleibt ein Symptom, für ein kaputtes Informationssystem.
Mimikama bleibt an dieser Geschichte dran. Denn wenn Gerüchte Wirklichkeit werden, ist es Zeit, die Mechanismen zu hinterfragen, nicht die Faktenchecks.
Der Vorfall, ein Tweet und die Börse explodiert
Ein einzelner Post des kaum bekannten X-Accounts „Hammer Capital“ reichte aus, um die Wall Street ins Schwitzen zu bringen. Der Inhalt: Trump erwäge eine 90-tägige Zollpause für alle Länder außer China.
Der angebliche Ursprung? Ein vage formuliertes Interview mit Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett, der jedoch keinerlei konkrete Aussagen dazu machte. Trotzdem verbreitete sich die Spekulation explosionsartig: Zwei Minuten später jubelten Händler auf dem Börsenparkett.
Nur vier Minuten danach tauchte das Gerücht schon als Eilmeldung bei CNBC auf, ohne jede Überprüfung.
Wie konnte es so weit kommen?
Die Geschichte ist ein Paradebeispiel dafür, wie schnell Fehlinformationen heute verfangen, besonders, wenn sie von scheinbar „vertrauenswürdigen“ Quellen weiterverbreitet werden. Der „Walter Bloomberg“-Account, bekannt für seine Geschwindigkeit bei Finanznews, griff das Gerücht mit Sirenen-Emoji auf, ein visuelles Warnsignal, das eher an Alarmismus als an Journalismus erinnert.
Dass dieser Account über 800.000 Follower hat, verschärfte den Effekt. Medien wie CNBC und Reuters übernahmen den Inhalt, bevor eine saubere Prüfung stattfinden konnte. Die Folge: Ein Dominoeffekt in den Finanznachrichten.
Bemerkenswert ist dabei die Rolle von „Walter Bloomberg“. Obwohl der Account weder zu Bloomberg News gehört noch von einer Redaktion betrieben wird, gilt er in der Finanz-Twitter-Szene als schnelle Quelle für Wirtschaftsmeldungen, insbesondere, weil er häufig Eilmeldungen vom kostenpflichtigen Bloomberg-Terminal wiedergibt.
Gerade für Nutzer außerhalb der Finanzbranche fungiert er als eine Art Shortcut zu sonst unzugänglichen Profi-Nachrichten, und wirkt dadurch glaubwürdiger, als er ist.
Analyse: Wer profitiert, und wer verliert?
Man muss sich fragen: War das ein gezielter Versuch der Marktmanipulation? Auch wenn keine direkten Beweise für eine bewusste Täuschung vorliegen, zeigt der Ablauf: Es braucht nicht viel. Ein Post mit wenigen tausend Followern, der von einem großen Account aufgegriffen wird, und die Märkte reagieren. Hinzu kommt: Seit Elon Musks Übernahme von X sind Verifizierungshäkchen keine Garantie für Seriosität mehr, jeder kann sich einen blauen Haken kaufen. Vertrauen ist käuflich, und das macht es umso leichter, mit gezieltem Alarmismus zu punkten.
Beweise und weitere Informationen
Die zentrale Behauptung, Trump plane eine 90-tägige Zollpause, wurde nie offiziell bestätigt und beruht nachweislich auf einer Fehlinterpretation.
🔹 Originalquelle:
Das Gerücht entstand aus einem Interview mit Kevin Hassett, Direktor des National Economic Council, ausgestrahlt bei Fox News um 8:30 Uhr ET. Dort sagte Hassett lediglich: „The president is going to decide what the president is going to decide.“
(Quelle)
Die Frage nach der Zollpause kam im Interview als Reaktion auf einen Aufruf des Milliardärs Bill Ackman, der öffentlich eine 90-tägige Aussetzung forderte. Auf die direkte Frage „Would you do a 90-day pause?“ antwortete Hassett: „You know, I think the president is going to decide what the president is going to decide… But I would urge everyone, especially Bill, to ease off the rhetoric a little bit.“
(Quelle)
🔹 Erste Falschmeldung:
Um 10:11 Uhr ET postete der X-Account „Hammer Capital“ (@yourfavorito) die Behauptung, Trump erwäge eine 90-tägige Zollpause, für alle Länder außer China. Dieser Account hatte zu dem Zeitpunkt nur ca. 1.000 Follower.
(Quelle)
🔹 Verstärkung durch großen Account:
Nur zwei Minuten später (10:13 Uhr) verbreitete der einflussreiche Account „Walter Bloomberg“ (@DeItaone) die gleiche Behauptung, mit einem Sirenen-Emoji und ohne Quellenangabe. Der Account hat über 800.000 Follower.
(Quelle)
🔹 Medienübernahme ohne Verifizierung:
Um 10:15 Uhr wurde die angebliche Aussage von CNBC als Laufband eingeblendet. Carl Quintanilla sagte live on air: „Apparently Hassett’s been saying Trump will consider a 90-day pause in tariffs for all countries except China.“
(Quelle)
🔹 Folgen:
Die Börsenkurse stiegen kurzfristig deutlich an. Um 12:28 Uhr veröffentlichte Reuters eine Korrekturmeldung mit Verweis auf ein Dementi des Weißen Hauses: „Reuters regrets its error.“
(Quelle)
🔹 Verwirrspiel um die Quelle:
Beide Accounts, „Hammer Capital“ und „Walter Bloomberg“, behaupteten später, ihre Information stamme von Reuters. Doch laut Zeitstempel veröffentlichte Reuters die Falschmeldung erst um 10:19 Uhr, also nach den Posts auf X. Reuters selbst verwies später auf CNBC als ursprüngliche Quelle. Es entstand ein regelrechtes Verantwortungs-Pingpong: CNBC → Reuters → Walter Bloomberg, und zurück. (Quelle)
🔹 Verifikation auf X ausgehöhlt:
Seit der Übernahme durch Elon Musk sind blaue Haken auf X käuflich. Eine Überprüfung der Identität findet nicht mehr zwingend statt.
Beide Accounts, als Walter Bloomberg und Hammer Capital, tragen diesen Haken, obwohl sie anonym bleiben und nicht journalistisch arbeiten.
Neue Hinweise auf gezielte Täuschung und Marktmanipulation
Die Nachanalyse des Vorfalls bringt weitere brisante Details ans Licht, insbesondere zur Rolle der anonymen Accounts „Hammer Capital“ und „Walter Bloomberg“, die das Gerücht verbreiteten. Beide Accounts verbergen ihre wahre Identität und tragen bezahlte blaue Haken auf X, ein Symbol, das früher für geprüfte Vertrauenswürdigkeit stand, heute jedoch gegen Bezahlung erhältlich ist. Damit erhalten auch dubiose Profile algorithmische Reichweite.
„Walter Bloomberg“, ein Accountname, der offenkundig von der Nachrichtenagentur Bloomberg inspiriert wurde, postete die Falschmeldung um 10:13 Uhr samt Sirenen-Emoji. Besonders heikel: Der Account behauptete später, die Information „zuerst bei Reuters“ gesehen zu haben. Tatsächlich veröffentlichte Reuters den betreffenden Newsflash aber erst um 10:19 Uhr, also sechs Minuten später, und berief sich dabei auf CNBC. Eine klare Umkehr der Chronologie.
Noch aufschlussreicher ist eine Aussage von „Hammer Capital“. In einem späteren Post erklärte der Account:
„To be as abundantly clear as possible, trading desks started sending out this headline at 10:09. I was regurgitating what the market was reacting to, to my 600 followers. It was an incorrect interpretation of a Fox News interview.“
DE: „Um es so deutlich wie möglich zu sagen: Handelsabteilungen (trading desks) begannen um 10:09 Uhr damit, diese Schlagzeile zu verbreiten. Ich habe lediglich wiedergegeben, worauf der Markt reagierte, an meine 600 Follower. Es war eine fehlerhafte Interpretation eines Fox-News-Interviews.“
Das wirft die Frage auf, ob vor der öffentlichen Verbreitung über Social Media bereits intern bei Handelsfirmen mit der Falschmeldung gearbeitet wurde. Ein Verdacht, der schwer wiegt, denn er deutet auf eine mögliche gezielte Marktbeeinflussung durch informelle Kanäle hin.
CNN und TechCrunch haben bei CNBC um eine offizielle Stellungnahme gebeten, bislang ohne Antwort. Doch der Druck wächst: Denn die Fehlerkette verlief nicht zufällig, sondern war Ergebnis struktureller Schwächen im Zusammenspiel von Echtzeitjournalismus, Social Media und algorithmischem Börsenhandel.
Fazit zum Thema
Ein viraler Tweet, ein falsch interpretierter Halbsatz und eine mediale Lawine, mehr brauchte es nicht, um die Märkte zu erschüttern. Dieser Fall zeigt auf drastische Weise, wie anfällig Finanzsysteme für Falschinformationen sind, besonders in einem Umfeld, in dem Geschwindigkeit oft wichtiger ist als Verlässlichkeit. Anleger, Journalisten und Regulierer müssen daraus lernen: Verifikation ist keine Option, sondern Pflicht. Sonst tanzt die Börse weiterhin nach dem Takt der Trolle.
Quellen:
- https://www.politico.com/news/2025/04/07/stock-surge-unverified-x-post-tariff-00007011
- https://www.diepresse.com/19558984/wer-walter-bloomberg-glaubt-hat-die-kontrolle-ueber-sein-geld-verloren
- https://www.watson.ch/international/wirtschaft/473918956-fake-tweet-laesst-us-boerse-explodieren-so-kam-es-dazu
- https://de.euronews.com/my-europe/2025/04/09/zollpause-fake-news-schlagzeile-versetzt-markte-in-aufruhr
- https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/boerse-inside/zollpause-falsche-schlagzeile-sorgt-fuer-eine-achterbahnfahrt-an-der-boerse/100119883.html
- https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/us-zoelle-diese-falsche-schlagzeile-stuerzte-us-boersen-ins-chaos-a-4b8f2d10-25de-459b-947c-41d454318ae2
- https://fortune.com/2025/04/07/trump-tariff-pause-walter-bloomberg-fake-report-debunked-markets
- https://www.t-online.de/finanzen/wirtschaft/id_100669526/us-boerse-dow-jones-gewinnt-und-verliert-in-22-minuten-2000-punkte.html
- https://www.wiwo.de/politik/ausland/donald-trump-pausiert-zoelle-fuer-90-tage-ausser-fuer-china/100118653.html
- https://www.handelsblatt.com/politik/international/handelskrieg-trump-legt-seine-sonderzoelle-fuer-90-tage-auf-eis/100120412.html
- https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/zollstreit-100.html
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