Die Behauptung
In einem Video sieht man Emmanuel Macron, Friedrich Merz und Keir Starmer auf dem Rückweg aus Kiew. Auf dem Tisch liegt angeblich ein Beutel mit weißem Pulver. Macron steckt ihn schnell ein, Merz versteckt einen Löffel. Die Szene soll Kokainkonsum belegen.
Aufgestellt von: X / Alex Jones
Falsch
Falsch. Das Video zeigt keine Hinweise auf Drogenkonsum. Der angebliche „Kokainbeutel“ ist ein Taschentuch, der „Löffel“ ein Rührstab. Die Szene wurde aus dem Kontext gerissen und dient als Teil einer russischen Desinformationskampagne gegen westliche Staatschefs.
Kurze Faktenübersicht:
- Das vermeintliche „Kokainvideo“ zeigt Macron, Merz und Starmer im Zug nach Kiew.
- Macron nimmt ein Taschentuch vom Tisch weg, Merz nimmt einen Rührstab zur Hand.
- Russische Staatsmedien und Influencer verbreiten die Szene als angeblichen Drogenbeweis.
- Offizielle Stellen und hochauflösende Bilder entkräften die Vorwürfe eindeutig.
Wie ein Taschentuch zur „Kokaintüte“ wurde
Ein kurzer Clip, aufgenommen im Salonwagen eines Sonderzugs nach Kiew, zeigt Emmanuel Macron, Friedrich Merz und Keir Starmer an einem Tisch. Auf dem Tisch liegt ein zerknülltes, weißes Objekt. Macron nimmt es auf und steckt es ein. Merz greift nach einem länglichen Gegenstand.
Diese Szene wurde von Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, aufgegriffen und als vermeintlicher Beweis für Drogenkonsum verbreitet. Sie postete das Video und Bilder mit rot markierten „Beweisstücken“ auf Telegram und betitelte die westlichen Regierungschefs als „abhängige Zeitarbeiter“.
Dies wurde von Verschwörungstheoretikern wie Alex Jones aufgegriffen und weiter verbreitet. Mehr als 22 Millionen Mal wurden das Video und die Verleumdung aufgerufen:
„Macron, Starmer und Merz auf Video bei ihrer Rückkehr aus Kiew. Ein Beutel mit weißem Pulver liegt auf dem Tisch. Macron steckt es schnell ein, Merz versteckt den Löffel. Keine Erklärung gegeben. Selenskyj, ein bekannter Kokainliebhaber, hatte sie gerade erst empfangen. Alle drei „Führer“ sehen völlig zugedröhnt aus“, schreibt Jones in seinem X-Beitrag.
Die Strategie hinter der Desinformation
Die Verbreitung solcher Falschinformationen folgt einem bekannten Muster russischer Desinformationskampagnen. Ziel ist es, das Vertrauen in westliche Politiker zu untergraben und die öffentliche Meinung zu beeinflussen.
Solche Kampagnen nutzen oft manipulierte oder aus dem Kontext gerissene Inhalte, um Misstrauen zu säen und politische Gegner zu diskreditieren. Der Zeitpunkt der Aktion war offensichtlich gewählt, um die Wirkung der Solidaritätsreise nach Kiew zu unterminieren.
Was wirklich auf den Bildern zu sehen ist
Hochauflösende Fotos, die von professionellen Fotografen während der Zugfahrt aufgenommen wurden, sowie offizielle Videos zeigen deutlich, dass es sich bei dem weißen Objekt um ein Taschentuch handelt. Der angebliche „Kokainlöffel“ ist ein gewöhnlicher Rührstab für Getränke oder ein Spießchen für kleine Vorspeisen (vgl.).
Die französische Regierung reagierte prompt: „Dies ist ein Taschentuch. Um sich zu schnäuzen“ und „Das ist europäische Einheit. Um Frieden zu schaffen“, schrieb der Élysée-Palast auf der Plattform X und zeigte eine Nahaufnahme des weißen Gegenstandes. Auch der angebliche „Kokainlöffel“ entpuppte sich bei genauerer Betrachtung als harmloser Rührstab für Getränke.
Die Szene zeigt also lediglich, wie die Politiker den Tisch aufräumen, bevor Journalisten den Raum betreten – ein übliches Verhalten vor offiziellen Fototerminen. Überlegen Sie mal selbst. Wollen Sie fotografiert werden, wenn vor Ihnen ein benutztes Taschentuch und ein Rührstab auf dem Tisch liegen?
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Was zeigt das Video wirklich?
Das Video zeigt Macron, Merz und Starmer im Zug nach Kiew. Macron hebt ein Taschentuch auf, Merz nimmt einen Rührstab zur Hand. Es gibt keine Hinweise auf Drogenkonsum.
Wer verbreitet die Falschinformationen?
Die Behauptungen stammen von offiziellen Stellen wie dem russischen Außenministerium und wurden von Verschwörungstheoretikern wie Alex Jones an ein noch größeres „Publikum“ weitergegeben.
Wie hat die französische Regierung reagiert?
Der Élysée-Palast wies die Vorwürfe entschieden zurück und bezeichnete sie als Teil einer Desinformationskampagne gegen Frankreich und seine Partner.
Was ist das Ziel solcher Desinformationskampagnen?
Ziel ist es, das Vertrauen in westliche Politiker zu untergraben, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und politische Gegner zu diskreditieren.
Gibt es Beweise für die Vorwürfe?
Nein. Hochauflösende Fotos und Videos zeigen deutlich, dass die behaupteten „Beweise“ falsch interpretiert oder manipuliert wurden.
Fazit zum Thema
Die Behauptung, Macron, Merz und Starmer hätten während ihrer Zugfahrt nach Kiew Kokain konsumiert, ist absoluter Unsinn. Die Szene wurde aus dem Kontext gerissen und dient als Teil einer gezielten Desinformationskampagne. Es gibt keine Beweise für die Vorwürfe, und offizielle Stellen sowie qualitativ bessere Bilder und Videos haben sie eindeutig widerlegt.
Quellen: LeadStories, Watson, Tagesspiegel, Liberation.fr, Euronews
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