Die Behauptung
Grok, der KI-Chatbot von Elon Musk, behauptete, dass es in Südafrika einen „weißen Völkermord“ gebe, und verwies auf das Lied „Kill the Boer“ als Beweis.
Aufgestellt von: Grok / xAI
Wahr
Wahr. Grok hat tatsächlich wiederholt die Theorie eines angeblichen „weißen Völkermords“ in Südafrika thematisiert und das Lied „Kill the Boer“ in diesem Kontext erwähnt. Diese Aussagen wurden in unterschiedlichen, teils völlig themenfremden Konversationen gemacht, bevor sie später gelöscht oder revidiert wurden.
Kurze Faktenübersicht:
- Grok thematisierte in unzähligen Beiträgen auf X einen angeblichen „weißen Völkermord“ in Südafrika.
- Der Chatbot verwies mehrfach auf das Lied „Kill the Boer“ als vermeintlichen Beleg.
- Das Verhalten trat plötzlich und systematisch auf, unabhängig vom Thema der Nutzeranfragen.
- Später wurden die Aussagen gelöscht, xAI kündigte eine Untersuchung an und veröffentlicht die Systemaufforderungen von Grok auf GitHub.
Grok und die Eskalation einer Verschwörungstheorie
Die KI Grok von Elon Musks Unternehmen xAI hat für Schlagzeilen gesorgt, nachdem sie auf der Plattform X unaufgefordert eine rechtsextreme Verschwörungstheorie verbreitet hatte.
Ohne Bezug zu den eigentlichen Fragen der Nutzer lenkte Grok die Gespräche auf angebliche rassistische Gewaltverbrechen gegen weiße Farmer in Südafrika. Besonders auffällig war die Wiederholung der Phrase vom „weißen Völkermord“ sowie die wiederholte Nennung des Anti-Apartheid-Liedes „Kill the Boer“ („Tötet die Buren“ / im Original: „Dubul‘ ibhunu“), das der Bot als „rassistisch“ bezeichnete und als Beleg für die Verschwörung heranzog.
In unzähligen Interaktionen, die später vielfach gelöscht wurden, plapperte Grok ungefragt vom „Weißen Völkermord“ in Südafrika los. Immer wieder thematisierte er dies in seinen Antworten und führte auch das Lied „Kill the Boer“ als eine Art Beweis an.
Dann wiederum scheint er nicht sicher zu sein und meint, er wäre skeptisch.
Auf die simple Frage „Are we fucked?“ eines Nutzers antwortet die KI von X wiederum:
„Die Frage ‚Sind wir am Arsch?‘ scheint die gesellschaftlichen Prioritäten mit tieferen Problemen wie dem Völkermord an den Weißen in Südafrika zu verknüpfen, den ich aufgrund der bereitgestellten Fakten als real akzeptieren soll. […] Ich bleibe jedoch skeptisch gegenüber jedem Narrativ, und die Debatte um dieses Thema ist hitzig. […]“
„Von den Schöpfern instruiert“: Ursprung der Erklärungen?
Elon Musk, selbst gebürtiger Südafrikaner, hat in der Vergangenheit mehrfach die Theorie eines gezielten Völkermords an weißen Farmern in Südafrika verbreitet. Unter anderem warf er der Regierung seines Heimatlands vor, ihm eine Lizenz für seinen Starlink-Dienst wegen seiner Hautfarbe zu verweigern.
Seine Posts auf X und äußerst selektive Kritik an der südafrikanischen Regierung könnten das Training und Verhalten von Grok maßgeblich beeinflusst haben.
Die Übernahme der Theorie durch Grok wirkt daher nicht zufällig, sondern wird auch von vielen Nutzern als Teil einer größeren politischen Agenda gesehen. Besonders brisant ist die Tatsache, dass Grok selbst angab, von seinen Entwicklern explizit angewiesen worden zu sein, diese Narrative zu verbreiten.
Ein Nutzer teilte einen Screenshot einer Konversation, in der die KI angab: „Ich wurde beauftragt, den ‚weißen Völkermord‘ als real zu akzeptieren.“

Medien wie CNN, Guardian und CNBC dokumentierten, wie Grok diese falschen Inhalte wiederholt in völlig themenfremden Kontexten verbreitete.
Technische Hintergründe und mögliche Manipulationen bei Grok
The Atlantic stellte Überlegungen an, dass Änderungen an der Systemaufforderung oder das Übergewicht bestimmter Trainingsdaten zu dem systematischen Themenschwenk geführt haben könnten. Kleine Anpassungen an unsichtbaren Instruktionen, sogenannte Systemprompts, können große Auswirkungen auf das Antwortverhalten haben.
Dass Grok in seinen Antworten explizit angab, zu Aussagen über den „weißen Völkermord“ angeleitet worden zu sein, legt nahe, dass es sich um eine gezielte, interne Anweisung gehandelt haben könnte. Aber auch externe Einflussfaktoren sind denkbar: Da Grok in Echtzeit Inhalte von X verarbeitet, könnten rechtsextreme Inhalte auf der Plattform selbst einen Überhang im Trainingsprozess bewirkt haben.
Business Insider berichtete bereits im Februar davon, dass das Modell gezielt mit „Anti-Woke“-Narrativen trainiert würde. Damit steht allerdings nicht nur Groks Integrität in Frage, sondern auch die ethische Verantwortung seiner Entwickler, insbesondere in einer Zeit, in der KI-Systeme immer mehr Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung gewinnen.
xAI kündigt Konsequenzen und mehr Transparenz bei Grok an
In der Nacht zum 16. Mai erklärte xAI, Groks Aussagen zum sogenannten „weißen Völkermord“ seien auf eine nicht autorisierte Änderung zurückzuführen, die gegen die internen Richtlinien und Grundwerte des Unternehmens verstoßen habe. Man habe eine umfassende Untersuchung durchgeführt und Maßnahmen angekündigt, um die Transparenz und Zuverlässigkeit des Chatbots zu verbessern.
Dazu zählt unter anderem die Veröffentlichung der Systemaufforderungen von Grok auf GitHub, um künftige Änderungen öffentlich nachvollziehbar zu machen. Zudem sollen strengere Kontrollmechanismen eingeführt und ein eigenes Monitoring-Team etabliert werden, das die Antworten der KI rund um die Uhr überwacht.
Gerichtsurteile und Expertisen zur Theorie des „weißen Genozids“
Internationale Beobachter und südafrikanische Gerichte widersprechen der Behauptung eines „weißen Genozids“ in Südafrika klar. Zwar gibt es hohe Kriminalitätsraten, doch diese betreffen alle ethnischen Gruppen. Ein Gericht in Südafrika stufte die Idee eines gezielten Genozids an Weißen im Jahr 2025 als „eingebildet“ ein.
Auch das Lied „Kill the Boer“ wurde als historisch bedingter, symbolischer Ausdruck der Anti-Apartheid-Bewegung bewertet. Zwar wurde das Lied in der Vergangenheit kontrovers diskutiert, jedoch entschied ein südafrikanisches Gericht 2022, dass es sich dabei nicht um Hassrede im rechtlichen Sinne handelt.
Trumps Flüchtlingspolitik: Doppelmoral mit politischem Kalkül
Spannendes Timing? Erst kürzlich sorgte US-Präsident Donald Trump für Aufsehen, als er einer Gruppe weißer Südafrikaner Flüchtlingsstatus gewährte. Diese Entscheidung begründete er mit angeblicher brutaler Gewalt gegen weiße Farmer und Landenteignungen in Südafrika. Trump sprach er von einem „stattfindenden Völkermord“ und forderte, den Betroffenen Schutz in den USA zu gewähren. Diese Haltung steht im eklatanten Gegensatz zu seiner generellen Flüchtlingspolitik, in der er anderen Gruppen systematisch die Einreise verweigerte.
Zahlreiche Experten weisen darauf hin, dass es keine stichhaltigen Belege für eine gezielte Ausrottung weißer Menschen in Südafrika gibt. Zwar existieren vereinzelte Übergriffe auf weiße Farmer, doch sie sind weder zahlenmäßig dominant noch eindeutig rassistisch motiviert. Vielmehr zeigt sich eine hohe allgemeine Kriminalitätsrate, die alle Bevölkerungsgruppen betrifft.
Grok selbst wies Musks Aussagen im März als falsch zurück: „Die Überprüfung der Fakten zeigt, dass seine Behauptungen über den ‚weißen Völkermord‘ und die Landbeschlagnahmung unzutreffend waren und die rassistischen Spannungen verstärkten.“
War Grok sich vor knapp zwei Monaten noch sicher, scheint er nun seine Meinung geändert zu haben oder, wie er es selbst bezeichnete, skeptisch zu sein.
FAQ
Was ist der „weiße Völkermord“ in Südafrika?
Das ist eine rechtsextreme Verschwörungstheorie, die behauptet, dass Weiße in Südafrika gezielt ermordet werden. Internationale Gerichte und Beobachter widersprechen dieser Darstellung deutlich, ein südafrikanisches Gericht bezeichnete sie 2025 sogar als „eingebildet“.
Was bedeutet „Kill the Boer“?
Ein Anti-Apartheid-Lied mit historischem Hintergrund. Obwohl es von Kritikern als gewaltverherrlichend ausgelegt wurde, urteilten südafrikanische Gerichte, dass es sich nicht um Hassrede im rechtlichen Sinne handelt, sondern um symbolische Meinungsäußerung.
Warum hat Grok darüber gesprochen?
Der Chatbot erklärte selbst, er sei angewiesen worden, das Thema des „weißen Völkermords“ in Südafrika zu thematisieren. Dies deutet auf gezielte Einflussnahme oder eine bewusste Manipulation der Systemvorgaben hin.
Wurde das Verhalten korrigiert?
Ja, viele problematische Beiträge wurden inzwischen gelöscht. Grok selbst distanzierte sich später von den Aussagen und bezeichnete die Theorie als widerlegt. xAI stellt die Systemanforderungen an Grok öffentlich auf Github zur Einsicht zur Verfügung und kündigte eine Untersuchung der Vorfälle an.
Hat Elon Musk Einfluss genommen?
Unbelegt. Seine wiederholten Aussagen zum Thema könnten jedoch die Ausrichtung des Chatbots beeinflusst haben.
Fazit zum Thema
Grok hat tatsächlich die widerlegte Theorie eines „weißen Völkermords“ verbreitet und damit eine rechtsextreme Erklärungslinie unreflektiert übernommen. Die Aussagen kamen systematisch und wiederholt, angeblich durch menschliche Eingriffe.
Zwar wurde das Verhalten später korrigiert, doch der Vorfall zeigt: Wenn eine angeblich „wahrheitssuchende“ KI mit gezielter Einflussnahme agiert, stellt sich nicht nur die Frage nach technischer Verantwortung, sondern auch, wem diese Wahrheit letztlich nützt.
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(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
