Ivermectin: Kein Wundermittel gegen Krebs

Falsche Hoffnungen durch unbelegte Behauptungen über Ivermectin

Die Behauptung

In sozialen Medien und auch Blogs wird behauptet, dass Ivermectin nicht nur gegen COVID-19, sondern auch gegen Krebs wirksam sei.

Aufgestellt von: Soziale Medien

Falsch

Falsch! Die Behauptung, dass Ivermectin bei der Behandlung von Krebs beim Menschen wirksam sei, ist wissenschaftlich unbelegt. Die Studie untersuchte ausschließlich die Sicherheit bei Krebspatient:innen mit parasitären Infektionen, nicht die Wirksamkeit gegen Tumore. Zwar zeigen Laborstudien theoretisch krebshemmende Effekte, doch klinische Studien beim Menschen fehlen vollständig. Eine Zulassung zur Krebstherapie existiert daher ebenfalls nicht.

Kurze Faktenübersicht:

  • Ivermectin ist ein antiparasitäres Mittel, kein zugelassenes Krebsmedikament. Es sollte daher auch nicht als solches eingenommen werden.
  • Labor- und Tierversuche zeigen theoretische Wirkmechanismen, keine Wirkung am Menschen belegt.
  • Eine neue Studie bestätigt die gute Verträglichkeit bei Krebspatient:innen mit Parasiten, aber keine Wirkung gegen Krebs.
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Der Ivermectin-Hype: Wie es dazu kam

Ursprünglich wurde Ivermectin zur Behandlung von parasitären Infektionen entwickelt und 1987 für den Menschen zugelassen. In der Pandemie erhielt das Mittel zweifelhafte Berühmtheit: Auf Basis fragwürdiger Studien wurde es entgegen aller wissenschaftlichen Nachweise von Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern als COVID-Heilmittel propagiert.

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Was eine neue Studie wirklich zeigt

Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2025 wird derzeit als angeblicher Beleg dafür herangezogen, dass Ivermectin bei Krebs helfen könne.

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

Veröffentlicht wurde sie in der Fachzeitschrift Acta Poloniae Pharmaceutica. Tatsächlich untersuchte sie jedoch die Anwendung von Ivermectin bei 36 Krebspatient:innen ausschließlich zur Behandlung parasitärer Infektionen, nicht zur Krebsbehandlung.

Das Medikament wurde also genau so eingesetzt, wie ursprünglich vorgesehen: gegen Parasiten wie Krätze, Fadenwürmer oder Demodex-Milben. Gerade Krebspatient:innen sind durch ihre Therapie anfällig für solche Infektionen. Die Studie kam zum Schluss, dass das Medikament in diesen Fällen gut verträglich war und keine schweren Nebenwirkungen verursachte: ein Ergebnis, das lediglich den bekannten Einsatzbereich bestätigt.

Wichtig ist: Die Studie prüfte nicht, ob Ivermectin Tumore bekämpft oder eine heilende Wirkung bei Krebs entfaltet. Zwar sammelten die Autor:innen Laborergebnisse aus Zell- und Tierversuchen, die theoretische antitumorale Wirkmechanismen zeigen, etwa die Blockade von Wachstumssignalen oder das Auslösen von Zelltod in Krebszellen. Doch diese Effekte wurden nicht am Menschen untersucht.

Eine Behandlung mit Ivermectin gegen Krebs ist bis dato nicht erlaubt, weil das Medikament dafür nicht zugelassen ist. Und solange es keine aussagekräftigen Studien mit Krebspatient:innen ohne Parasiten gibt, bleibt diese Einschränkung bestehen. Die Forschenden selbst betonen, dass es klinische Studien braucht, und dass diese bislang fehlen.

Kurz: Die Studie belegt die Sicherheit von Ivermectin bei Krebspatient:innen mit Parasiten, nicht aber eine Wirksamkeit gegen Krebs. Wer das Gegenteil behauptet, verdreht die wissenschaftlichen Fakten.

Einzelfälle sind keine Beweise

Die Studie erwähnt auch einige Fallberichte, in denen sich der Zustand einzelner Krebspatient:innen nach einer Ivermectin-Behandlung stabilisierte. Doch auch hier ging es ausschließlich um den Einsatz gegen Parasiten. Ob die Arznei dabei tatsächlich eine Rolle bei einer Besserung der Krebserkrankung spielte, ist völlig unklar und laut den Forschenden auch nicht belegbar.

Gleichzeitig weisen Labor- und Tierversuche darauf hin, dass Ivermectin bestimmte Prozesse in Tumorzellen beeinflussen kann. Das klingt zunächst vielversprechend, doch im Reagenzglas ist vieles wirksam, was sich im menschlichen Körper nicht bewährt. Ohne kontrollierte Studien mit Patient:innen sind solche Beobachtungen keine Beweise, sondern nur erste Ansatzpunkte für weitere Forschung.

Einhelliger Konsens der Fachwelt

Seriöse Quellen und offizielle Stellen, darunter die EMA, internationale Gesundheitsorganisationen sowie unabhängige Wissenschaftler:innen, kommen zu demselben Schluss:

Es gibt derzeit keinerlei klinische Belege dafür, dass Ivermectin eine Wirkung gegen Krebs beim Menschen entfaltet.

Die vorhandenen Hinweise aus Zell- und Tiermodellen reichen nicht aus, um eine medizinische Anwendung beim Menschen zu rechtfertigen, auch wenn nach derartigen Meldungen die Hoffnung verständlicherweise groß ist. Ohne valide Studien mit echten Patient:innen bleibt jede Heilsversprechung reine Spekulation und auch potenziell gefährlich.

Warum solche Falschinformationen gefährlich sind

Besonders riskant ist die Behauptung ohne medizinischen Nachweis, dass Ivermectin Krebs heilen könne. Solche Aussagen verleiten Menschen dazu, auf erprobte Therapien zu verzichten.

Mel Gibson behauptete öffentlich, Freunde seien durch Ivermectin von Krebs geheilt worden und feuerte diese Gerüchte durch seine Bekanntheit natürlich weiter an. Doch das ist medizinisch nicht belegt und kann im schlimmsten Fall tödlich enden, wie auch die Canadian Cancer Society klarstellte:

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Mehr Informationen

FAQ

Ist Ivermectin zur Krebsbehandlung zugelassen?

Nein, es gibt keine Zulassung für diese Anwendung. Weder in der EU noch in den USA.

Was sagt die neue Studie wirklich?

Sie belegt lediglich die Sicherheit bei parasitären Infektionen bei Krebspatient:innen. Keine Aussagen über Heilung oder Wirkung gegen Krebs.

Gibt es Hinweise, dass Ivermectin Tumore bekämpft?

Nur aus Laborversuchen an Zellen oder Tieren. Diese lassen sich nicht auf Menschen übertragen.

Kann ich durch Ivermectin meiner Gesundheit schaden?

Ja, insbesondere bei Selbstmedikation oder falscher Dosierung kann es zu ernsten Nebenwirkungen kommen.

Fazit

Die Studie aus dem Jahr 2025 zeigt zwar, dass Ivermectin bei parasitär infizierten Krebspatient:innen gut verträglich ist und nennt verschiedene antitumorale Wirkmechanismen aus Zell- und Tierversuchen, doch für eine Anwendung beim Menschen fehlen jegliche klinischen Tests und Belege.

Quellen: EMA, AFP, Montreal Gazette, Fortune Well

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