Venedig und der steigende Meeresspiegel: Faktencheck

Die Lagunenstadt kämpft mit steigendem Meeresspiegel und absinkendem Boden, wissenschaftlich belegt und messbar.

Die Behauptung

In einem auf Social Media verbreiteten Video wird behauptet, der Meeresspiegel in Venedig sei seit über 1.500 Jahren unverändert geblieben. Dies wird als vermeintlicher Beweis dafür angeführt, dass die Warnungen vor einem steigenden Meeresspiegel und der Klimawandel insgesamt ein „Schwindel der Klimasekte“ seien.

Aufgestellt von: Soziale Medien

Falsch

Falsch. Der Meeresspiegel in Venedig steigt kontinuierlich, allein zwischen 1993 und 2023 durchschnittlich um 4,5 Millimeter pro Jahr. Zudem sinkt die Stadt jährlich um etwa 2 Millimeter ab.

Kurze Faktenübersicht

  • Zwischen 1993 und 2023 stieg der Meeresspiegel in Venedig durchschnittlich um 4,5 mm pro Jahr.
  • Seit 1872 ist der Meeresspiegel in Venedig um rund 30 cm gestiegen.
  • Venedig sinkt zusätzlich um etwa 2 mm pro Jahr.
  • Die Häufigkeit von Hochwassern über 110 cm hat sich seit den 1960er Jahren deutlich erhöht.
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Ein aktuelles Video verbreitet eine klare Desinformation: Es wird suggeriert, dass sich der Meeresspiegel in Venedig seit über 1.500 Jahren nicht verändert habe, ein angeblicher Beweis gegen den Klimawandel.

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Screenshot aus dem Video
Screenshot aus dem Video

Doch wissenschaftliche Daten belegen das Gegenteil: Der Meeresspiegel steigt nicht nur weltweit, sondern auch direkt in Venedig. Die Lagunenstadt verzeichnet seit Jahrzehnten messbare Veränderungen, die durch kombinierte Effekte aus steigendem Wasserspiegel und absinkendem Untergrund entstehen. Solche Aussagen dienen nicht der Aufklärung, sondern zielen darauf ab, Zweifel an gesicherten Klimafakten zu säen.

Meeresspiegelanstieg in Venedig: Messdaten sprechen eine klare Sprache

Die Pegelaufzeichnungen in Venedig zeigen einen kontinuierlichen Anstieg des Meeresspiegels.

Venedig: Jährlicher mittlerer Meeresspiegel / Quelle: ISPRA
Jährlicher mittlerer Meeresspiegel / Quelle: ISPRA

Zwischen 1993 und 2023 wurde ein durchschnittlicher Anstieg von 4,5 mm pro Jahr verzeichnet. Seit 1872 ist der Meeresspiegel um etwa 30 cm gestiegen.

Ursachen des steigenden Meeresspiegels

Der globale Meeresspiegelanstieg ist eine Folge des Klimawandels. Die Erwärmung der Ozeane führt zur thermischen Ausdehnung des Wassers, und das Schmelzen von Gletschern sowie der Eisschilde in Grönland und der Antarktis trägt zusätzlich zum Anstieg bei.

In Venedig kommt hinzu, dass die Stadt auf weichem Untergrund gebaut ist, der unter dem Gewicht der Gebäude nachgibt. Frühere Grundwasserentnahmen haben diesen Prozess beschleunigt.

Häufigere und intensivere Hochwasserereignisse

Die Kombination aus steigendem Meeresspiegel und dem Absinken der Stadt führt zu häufigeren und intensiveren Hochwasserereignissen, bekannt als „Acqua alta“. Während solche Ereignisse früher selten waren, treten sie heute deutlich häufiger auf. Seit den 1960er Jahren hat sich die Anzahl der Hochwasser über 110 cm deutlich erhöht.

Besonders dramatisch war das Hochwasser im November 2019, als der Pegel auf 1,87 Meter stieg und große Teile der Stadt überflutete.

Schutzmaßnahmen und ihre Grenzen

Um Venedig vor Hochwasser zu schützen, wurde das MO.S.E.-Projekt ins Leben gerufen, ein System von beweglichen Fluttoren an den Einfahrten zur Lagune. Obwohl es seit 2021 in Betrieb ist, gibt es Bedenken, dass es bei weiter steigenden Meeresspiegeln nicht ausreichend Schutz bieten könnte.

FAQ

Wie stark ist der Meeresspiegel in Venedig gestiegen?

Zwischen 1993 und 2023 stieg der Meeresspiegel in der Lagunenstadt durchschnittlich um 4,5 mm pro Jahr.

Warum sinkt Venedig?

Die Stadt sinkt aufgrund geologischer Prozesse und früherer Grundwasserentnahmen um etwa 2 mm pro Jahr.

Was ist „Acqua alta“?

„Acqua alta“ bezeichnet die saisonalen Hochwasser in Venedig, die durch eine Kombination aus Gezeiten, Wind und niedrigem Luftdruck verursacht werden.

Wie oft kommt es zu „Acqua alta“?

Die Häufigkeit von Hochwassern über 110 cm hat sich seit den 1960er Jahren deutlich erhöht.

Was unternimmt die Stadt gegen das Hochwasser?

Das MO.S.E.-Projekt, ein System von beweglichen Fluttoren, soll die Stadt vor Hochwasser schützen. Es ist seit 2021 in Betrieb, doch es gibt Bedenken hinsichtlich seiner langfristigen Wirksamkeit.

Fazit

Die Behauptung, der Meeresspiegel in Venedig sei seit über 1.500 Jahren unverändert, ist eindeutig falsch. Wissenschaftliche Daten zeigen einen kontinuierlichen Anstieg des Meeresspiegels in der Stadt, kombiniert mit dem Absinken der Stadt. Diese Entwicklungen führen zu häufigeren und intensiveren Hochwasserereignissen, die die Stadt vor große Herausforderungen stellen. Es ist wichtig, sich auf Fakten zu stützen und nicht auf unbegründete Behauptungen.

Quellen: ISPRA, ISPRA, nature.com, Stadt Venedig

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