Die Behauptung
US-Präsident Donald Trump behauptet, in Südafrika finde ein „weißer Genozid“ statt: Weiße Farmer würden systematisch ermordet, ihre Ländereien enteignet, und die Regierung dulde dies.
Aufgestellt von: Donald Trump
Falsch
Falsch. Die Behauptung eines „weißen Genozids“ in Südafrika entbehrt jeder faktischen Grundlage. Kriminalitätsstatistiken zeigen, dass die Mehrheit der Opfer von Gewaltverbrechen schwarze Südafrikaner sind. Die Regierung verfolgt keine Politik der gezielten Gewalt gegen weiße Farmer.
Kurze Faktenübersicht:
- Keine Belege für systematische Tötungen weißer Farmer durch staatliche Stellen.
- Die Mehrheit der Gewaltopfer in Südafrika sind schwarze Bürger.
- Landreformen zielen auf historische Gerechtigkeit ab, nicht auf ethnische Enteignung.
- Internationale Gerichte und Organisationen erkennen keinen „weißen Genozid“ in Südafrika an.
Trumps Oval-Office-Inszenierung: Ein diplomatischer Eklat
„Was müsste passieren, damit Sie überzeugt sind, dass es keinen weißen Genozid in Südafrika gibt?“, fragt ein Journalist. Trump will zunächst selbst antworten, winkt dann jedoch ab: „Das soll unser Präsident beantworten.“
Ramaphosa übernimmt gelassen: „Es würde erfordern, dass Präsident Trump den Stimmen der Südafrikaner zuhört, auch denen, die heute hier im Raum sind und zu seinen Freunden zählen.“
Trump greift unterdessen ein: „Zeigen Sie das Video. Licht aus, sofort. Das muss gezeigt werden.“
Auf der Leinwand ist unter anderem Julius Malema zu sehen, der im südafrikanischen Parlament ruft: „Ob mit euch oder ohne euch, die Menschen werden Land besetzen. Wir brauchen keine Erlaubnis vom Präsidenten.“
Diese Szene war Teil eines Treffens, das für weltweite Aufmerksamkeit und für einen diplomatischen Eklat sorgte.
Am 21. Mai 2025 trafen sich US-Präsident Donald Trump und Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa im Oval Office. Was als diplomatisches Gespräch geplant war, entwickelte sich schnell zu einem kontroversen Schlagabtausch. Trump präsentierte ein Video, das angeblich Beweise für einen „weißen Genozid“ in Südafrika liefern sollte.
Das Video enthielt unter anderem Ausschnitte, in denen der EFF-Vorsitzende Julius Malema das umstrittene Lied „Kill the Boer, Kill the Farmer“ singt – ein Lied, das Trump als Aufruf zur Gewalt gegen weiße Farmer deutete.
Die Economic Freedom Fighters (EFF) bestätigten in einer offiziellen Stellungnahme vom 21. Mai 2025, dass Trump während des Treffens Videoausschnitte von Malema zeigte. Die Partei verteidigte das Lied als historischen Befreiungsgesang, der den Widerstand gegen weiße Vorherrschaft symbolisiere und nicht wörtlich zu verstehen sei.
Laut EFF wurde das Lied von südafrikanischen Gerichten, einschließlich der Equality Court und des Supreme Court of Appeal, nicht als Hassrede eingestuft, sondern als Teil afrikanischen Kulturerbes anerkannt.
(Quelle: EFF Statement, 21.05.2025)
Zusätzlich äußerte sich Julius Malema selbst auf Twitter sarkastisch zur Situation:
„Eine Gruppe älterer Männer trifft sich in Washington, um über mich zu tratschen. Es wurden keine belastbaren Geheimdienstinformationen über einen weißen Genozid vorgelegt. Wir werden nicht bereit sein, unsere politischen Prinzipien zur Landenteignung ohne Entschädigung aus politischem Kalkül zu opfern.“
Was das Video sonst zeigte und was wirklich dahinter steckt
Neben dem umstrittenen Lied enthielt das Video auch Bilder weißer Holzkreuze, die Trump als Gräber ermordeter Farmer interpretierte. Tatsächlich stammen sie aus einer Protestaktion vom September 2020 und sind rein symbolisch. Sie zeigen also keine echten Grabstätten, wie ein Organisator gegenüber der SABC bestätigte.
Ramaphosa reagierte gelassen auf Trumps Vorführung und betonte, dass weder das Lied noch die im Video gezeigten Aussagen Regierungspolitik widerspiegeln.
Die Faktenlage: Gewalt in Südafrika betrifft alle Bevölkerungsgruppen
Südafrika hat eine hohe Kriminalitätsrate, doch die Mehrheit der Opfer sind Schwarze Südafrikaner. Laut offiziellen Statistiken gab es 2024 insgesamt 44 Morde auf Farmen, von denen nur acht weiße Farmer betroffen waren.
Ein Gericht im Westkap urteilte Anfang 2025, dass die These eines „weißen Genozids“ „klar erfunden und nicht real“ sei. In dem Urteil wurde zudem eine Spende an eine weiße suprematistische Organisation verboten, mit Verweis auf diese Falschbehauptung.
Das Video selbst bestand überwiegend aus aus dem Kontext gerissenen, älteren Social-Media-Clips. Experten sprechen von einer bewussten Desinformationsstrategie.
Landreform: Historische Gerechtigkeit statt ethnischer Enteignung
Die südafrikanische Regierung hat ein Gesetz zur Landenteignung ohne Entschädigung verabschiedet, um die Ungleichheiten aus der Apartheid-Ära zu korrigieren. Weiße Südafrikaner, die etwa 7% der Bevölkerung ausmachen, besitzen über 70% des landwirtschaftlich nutzbaren Landes.
Zwar wurde das Gesetz im Januar 2025 unterzeichnet, aber bisher in keinem Fall angewendet. Es sieht ausdrücklich vor, dass vor einer Enteignung zunächst eine einvernehmliche Lösung mit den Eigentümern angestrebt werden muss. Ramaphosa betonte, dass das Gesetz nicht gegen weiße Farmer gerichtet sei und alle Bürger durch die Verfassung geschützt seien.
Kontext: Die Ursprünge der „weißer Genozid“-Verschwörung
Wie eine Verschwörungserzählung zur US-Politik wurde:Ein Bericht des US-Mediums Axios vom 21. Mai 2025 dokumentiert, wie Donald Trump die seit Jahrzehnten kursierende, rechtsextreme Erzählung vom „weißen Genozid“ systematisch in seine Südafrika-Politik integriert hat. So ließ Trump im Oval Office gezielt Videos zeigen, die angeblich Gewalt gegen weiße Farmer dokumentieren sollten. Gleichzeitig gewährte er weißen Südafrikanern Flüchtlingsstatus in den USA, während er Schutzsuchende aus anderen Regionen rigoros abweist.
Auch Elon Musk, ein gebürtiger Südafrikaner und enger Trump-Verbündeter, verbreitet öffentlich die These eines angeblichen Genozids. Sein Chatbot „Grok“ auf der Plattform X verbreitete laut Axios unbelegte Behauptungen zu diesem Thema.
Ein südafrikanisches Gericht wies die Genozid-Vorwürfe als „klar erfunden und nicht real“ zurück. Der Historiker Paul S. Landau nannte Trumps Politik gegenüber Südafrika eine Mischung aus Rassismus und widerlegten Verschwörungstheorien. Tatsächlich würden vor allem Schwarze Frauen unter dem Landverlust leiden, nicht weiße Farmer.
Die Behauptung eines „weißen Genozids“ in Südafrika entstammt einer rechtsextremen Verschwörungserzählung, die in den 1990er-Jahren aufkam. Rechte Gruppen interpretierten den Verlust politischer Macht nach dem Ende der Apartheid als „Vernichtung“ der weißen Bevölkerung. Einzelne Gewaltverbrechen wurden als Beweis für einen angeblichen Plan dargestellt. Diese Narrative verbreiteten sich über Netzwerke wie 4chan, Gab und Telegram weltweit. Donald Trump hatte bereits 2018 ähnliche Aussagen gemacht, inspiriert durch einen Beitrag von Tucker Carlson.
Unabhängige Studien und Organisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch und das südafrikanische Statistikamt widersprechen dieser Darstellung. Die Mordrate ist hoch, betrifft aber vor allem Schwarze Bürger. Die Theorie dient vor allem der Radikalisierung und wurde von rechtsterroristischen Attentätern in Christchurch und El Paso direkt zitiert.
FAQ
Findet in Südafrika ein Genozid an weißen Farmern statt?
Nein. Diese Behauptung entstammt einer rechtsextremen Verschwörungstheorie, die seit den 1990er-Jahren kursiert. Laut südafrikanischem Statistikamt gab es 2024 landesweit über 26.000 Morde – nur 44 davon betrafen Farmen, acht davon weiße Farmer. Ein südafrikanisches Gericht bezeichnete die Genozid-Behauptung 2025 als „klar erfunden“.
Hat die Regierung Land von weißen Farmern ohne Entschädigung beschlagnahmt?
Nein. Das neue Gesetz zur Landreform erlaubt Enteignungen nur im „öffentlichen Interesse“ und nur, wenn vorher einvernehmliche Lösungen angestrebt wurden. Es wurde bislang nicht angewendet.
Ist das Lied „Kill the Boer“ ein Aufruf zur Gewalt gegen Weiße?
Drei südafrikanische Gerichte entschieden, dass es sich um einen historischen Befreiungsgesang aus der Anti-Apartheid-Bewegung handelt – nicht um Hassrede. Die EFF beschreibt es als Ausdruck des Widerstands gegen weiße Vorherrschaft.
Stammen die weißen Kreuze im Video von echten Grabstätten?
Nein. Die Kreuze wurden im Rahmen einer Protestaktion 2020 aufgestellt und dienen der symbolischen Darstellung. Sie markieren keine realen Gräber, wie einer der Organisatoren gegenüber SABC bestätigte.
Gab es organisierte Landinvasionen durch die EFF?
Es kam in Südafrika vereinzelt zu illegalen Landbesetzungen, meist durch mittellose Menschen. Es gibt jedoch keine Beweise dafür, dass die EFF gezielt Landinvasionen orchestriert hat.
Fazit zum Thema
Die Behauptungen von Donald Trump über einen angeblichen „weißen Genozid“ in Südafrika entbehren jeder Grundlage. Gerichte, internationale Organisationen und Statistiken widerlegen sie klar.
Solche Falschinformationen schädigen das diplomatische Klima und dürfen nicht unkommentiert bleiben. Dieser Faktencheck zeigt: Was sich auf Social Media und sogar in politischen Kreisen verbreitet, muss nicht der Realität entsprechen.
Quelle: The Guardian, Watson
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