„mRNA-Geimpfte können nicht mehr lieben“: Lüge von Bhakdi aus 2022 kursiert wieder

Laut einer Aussage von Sucharit Bhakdi im Jahr 2022 rauben mRNA-Impfstoffe den Menschen Liebe und Willen. Und? Merkt ihr schon was?

Die Behauptung

In einem Interview mit dem Sender AUF1 sagte Sucharit Bhakdi, mRNA-Impfstoffe würden Menschen derart verändern, dass sie keine Liebe mehr empfinden und keinen eigenen Willen mehr haben. Er sprach von „erschreckenden Persönlichkeitsveränderungen“, berief sich dabei auf vage Aussagen „von Psychologen“ und forderte: „Stoppt diese mRNA-Impfung“.

Aufgestellt von: Sucharit Bhakdi

Faktencheck: Falsch

Das Video stammt aus dem Jahr 2022 und kursiert nun wieder. Bhakdis Aussage ist wissenschaftlich nicht belegt, biologisch unplausibel und entspricht typischer Desinformationsrhetorik. Es gibt keine Hinweise darauf, dass mRNA-Impfstoffe neurologische oder psychologische Veränderungen verursachen, die Liebe oder Willenskraft beeinflussen.

Kurze Faktenübersicht:
Millionenfach überprüft, doch Bhakdi ignoriert die Realität:

  • Kein wissenschaftlicher Nachweis für Persönlichkeitsveränderungen durch mRNA-Impfstoffe
  • Keine biologisch plausible Erklärung, wie Liebe oder Wille durch Impfstoffe verloren gehen könnten
  • Rhetorik erinnert an Verschwörungsmythen über „Zombifizierung“ oder „Gedankenkontrolle“
  • Bhakdis Aussagen sind nicht neu: Er hat wiederholt Falschbehauptungen über Corona verbreitet
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Bhakdis Auftritt bei AUF1: Liebe weg, Wille gebrochen?

Im September 2022 trat der emeritierte Mikrobiologe Sucharit Bhakdi auf einer „Better Way Conference“ in Wien auf. Ein Event, das vor allem für Anti-Impf-Rhetorik bekannt ist. Dort ließ er im Rahmen eines Interviews mit AUF1 eine besonders drastische Behauptung fallen: Menschen seien nach der mRNA-Impfung „verändert“. Wörtlich sagte er:

„Überall um mich höre ich von den Psychologen, die Menschen sind verändert. Das ist so subtil und so erschreckend. Viele sagen, sie lieben nicht mehr. Sie haben keinen Willen mehr. Sie können nicht mehr klar denken.“

Reel zu Sucharit Bhakdis Aussage aus dem Jahr 2022 / Screenshot: Facebook
Reel zu Sucharit Bhakdis Aussage aus dem Jahr 2022 / Screenshot: Facebook

Mit dieser Aussage knüpfte Bhakdi direkt an frühere Aussagen an, in denen er vor angeblich „gefährlichen“ Nebenwirkungen der COVID-19-Impfstoffe gewarnt hatte. Diesmal aber setzte er einen neuen Akzent: Nicht körperliche Schäden standen im Mittelpunkt, sondern emotionale und mentale Fähigkeiten wie Liebe, Wille, Denkvermögen.

Er forderte in dramatischem Tonfall:

„Stoppt diese mRNA-Impfung.“

Dabei blieb er vage. Belege? Fehlanzeige. Studien oder Daten? Keine Spur. Bhakdi verwies lediglich auf anonyme „Psychologen“, „die ihm das erzählt hätten“. Damit begibt er sich rhetorisch ins Reich des Hörensagens und der unbelegten Behauptungen. Doch genau das macht solche Aussagen so gefährlich, denn sie sollen emotional verunsichern, nicht informieren.

Die Reaktionen in sozialen Netzwerken ließen nicht lange auf sich warten: Von „spektakulärem Bullshit“ war die Rede. Der Wiener Lungenfacharzt Arschang Valipour kommentierte sarkastisch: „Frag mich gerade, wer da nicht mehr klar denken kann?!“

Doch das Muster ist nicht neu. Bhakdi hat sich in den letzten Jahren zunehmend vom medizinisch-wissenschaftlichen Diskurs verabschiedet und bedient stattdessen die Dramaturgie von Verschwörungserzählungen. Seine Behauptung, mRNA-Impfstoffe machten Menschen liebesunfähig und willenlos, ist nur einer von vielen Eskalationsschritten in einem langen Abstieg in die Irreführung.

Kein Beleg, keine Logik: Behauptung ist faktisch falsch

Wissenschaftlich betrachtet ist Bhakdis Aussage haltlos. Es gibt keine einzige medizinische Studie, die belegen würde, dass mRNA-Impfstoffe das emotionale Erleben oder den freien Willen eines Menschen beeinflussen. Der Mechanismus der Impfung ist gut erforscht: Die mRNA dient als Bauplan für ein Virusprotein, das der Körper erkennt und gegen das er eine Immunreaktion entwickelt. Das passiert lokal im Muskel und in angrenzenden Lymphknoten, nicht im Gehirn.

Die mRNA selbst dringt nicht ins zentrale Nervensystem ein. Sie beeinflusst nicht das Erbgut. Sie wird schnell abgebaut. Zahlreiche Studien und internationale Zulassungsbehörden bestätigen: Die Impfstoffe sind sicher, Nebenwirkungen sind selten und meist vorübergehend. Kein Hinweis auf „Persönlichkeitsveränderung“.

Auch die von Bhakdi angedeutete Demenzgefahr ist wissenschaftlich widerlegt. So stellte ein AFP-Faktencheck unmissverständlich klar:

„Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Coronaimpfstoffen und einem gehäuften oder verfrühten Auftreten von Demenz.“

Im Gegenteil: COVID-Infektionen selbst können das Gehirn schädigen. Studien zeigen, dass Geimpfte seltener an neurologischen Spätfolgen leiden, darunter auch sogenannter „Brain Fog“. Impfstoffe reduzieren das Risiko schwerer Verläufe und damit auch die Gefahr von Hirnschädigungen. Eine 2023 publizierte Studie zeigte: Geimpfte Versuchstiere lagerten deutlich weniger Virusmaterial im Gehirn ein.

Bhakdis These ist also nicht nur unbelegt, sondern steht im Widerspruch zu den realen Daten. Wer solche Behauptungen äußert, ignoriert bewusst wissenschaftliche Erkenntnisse – oder will sie unterdrücken.

Das Rhetorik-Muster: Angstmache, Anekdoten, Autoritätsmaske

Bhakdis Aussagen passen in ein bekanntes Muster pseudowissenschaftlicher Desinformation. Seine Rhetorik basiert auf:

  1. Anekdoten statt Belege: „Psychologen sagen mir…“ – aber keine Namen, keine Studien, keine Daten. Nur vages Hörensagen.
  2. Emotionalisierung: Worte wie „liebesunfähig“ und „willenlos“ sollen Angst auslösen. Sie wecken Assoziationen an Horrorfilme, Mind-Control, Science-Fiction.
  3. Dämonisierung etablierter Akteure: Die WHO, Experten, die Medizin, sie alle seien Teil eines schrecklichen Plans. Das klassische Bild einer Weltverschwörung.
  4. Selbsterhöhung: Bhakdi stilisiert sich als mutiger Warner, der gegen ein dunkles System kämpft. Die Rolle des Aufklärers, der „uns retten will“.
  5. Spaltung der Gesellschaft: Geimpfte werden zu veränderten, seelenlosen Wesen gemacht. Ungeimpfte erscheinen als letzte „intakte“ Menschen, als das „wahre Volk“.

Diese Muster sind nicht neu. Sie tauchen immer wieder im Umfeld von Verschwörungstheorien auf, wie etwa bei Erzählungen über „Chemtrails“, „Mind-Control durch 5G“ oder „Zwangsverchippen durch Eliten“. Bhakdi reiht sich hier nahtlos ein.

Der Versuch, medizinische Fachbegriffe mit apokalyptischen Bildern zu verknüpfen, ist kein Zufall. Es geht nicht um Information, sondern um Manipulation. Bhakdis frühere wissenschaftliche Reputation wird dabei gezielt als Glaubwürdigkeitsmaske eingesetzt, obwohl seine Aussagen mit wissenschaftlicher Seriosität längst nichts mehr zu tun haben.

Der lange Absturz des Sucharit Bhakdi

Bhakdis Behauptungen über mRNA-Impfungen sind kein Einzelfall. Sie sind Teil eines Musters, das sich seit Beginn der Pandemie immer klarer abzeichnet: Ein ehemaliger Wissenschaftler verabschiedet sich Schritt für Schritt von belegbaren Fakten und landet tief im Lager der Verschwörungsmythen.

Bereits 2020 verharmloste Bhakdi die Corona-Gefahr. Er bezeichnete das Virus mehrfach als „nicht gefährlicher als Grippe“ – eine Aussage, die angesichts der Millionen Toten weltweit jeglicher Realität widerspricht. In einem offenen Brief warnte er vor angeblich überzogenen Maßnahmen und behauptete, es werde „maximal 30 Corona-Tote pro Tag“ in Deutschland geben. Tatsächlich lag die Zahl zeitweise bei über 1.000.

Bhakdi erklärte PCR-Tests für unbrauchbar, nannte Masken „sinnlos“, sprach von einem „Immun-Kollaps“ durch Impfungen. Keiner dieser Vorhersagen traf ein. Kein Immun-Kollaps, keine „Millionen Impftote“, keine Massenveränderungen. Und doch wiederholte er seine Aussagen und wurde immer drastischer, immer unhaltbarer.

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Der Tiefpunkt kam, als Bhakdi Israels Impfkampagne mit dem Holocaust verglich. Für diese Aussage musste er sich vor Gericht verantworten. Er wurde zwar freigesprochen, aber nicht rehabilitiert. Die Empörung in der Fachwelt war groß. Viele Kolleginnen und Kollegen distanzierten sich endgültig.

Was bleibt, ist ein früherer Professor, der sich als Aufklärer inszeniert und dabei längst auf Desinformation setzt. Die Behauptung, mRNA-Impfstoffe würden Liebe und Willenskraft zerstören, ist in dieser Entwicklung nur der nächste logische Schritt. Eine absurde Eskalation, aber kein Ausrutscher.

FAQ

Hat Bhakdi das wirklich so gesagt?

Ja. Die Aussagen stammen aus einem Interview auf AUF1, das im Rahmen einer Veranstaltung 2022 aufgezeichnet wurde. Die Zitate sind belegt und wörtlich gefallen.

Gibt es Beweise, dass mRNA-Impfungen Menschen emotional verändern?

Nein. Es gibt keine medizinischen Studien oder biologischen Hinweise darauf, dass mRNA-Impfstoffe Einfluss auf Emotionen, Persönlichkeit oder Denkvermögen haben.

Könnte mRNA das Gehirn beeinflussen?

Nein. Die mRNA bleibt lokal im Muskel, wird rasch abgebaut und gelangt nicht ins Gehirn. Die Impfstoffe verändern weder das Erbgut noch neurologische Funktionen.

Wie reagiert die Fachwelt auf solche Aussagen?

Mit scharfer Kritik. Bhakdi wird vorgeworfen, seine frühere wissenschaftliche Rolle zu missbrauchen, um Falschinformationen zu verbreiten. Fachkollegen weisen seine Thesen entschieden zurück.

Warum glauben trotzdem manche Menschen Bhakdi?

Weil seine Aussagen emotionalisieren und einfache Erklärungen bieten. Er spielt gezielt mit Ängsten und Misstrauen, besonders gegenüber staatlichen Institutionen.

Sind mRNA-Impfstoffe gefährlich?

Nein. Sie sind millionenfach erprobt, streng geprüft und werden weltweit eingesetzt. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten, Nutzen und Schutzwirkung überwiegen deutlich.

Fazit: Behauptungen ohne jeden Beleg

Bhakdis Aussage, mRNA-Geimpfte könnten nicht mehr lieben und hätten keinen freien Willen, ist nachweislich falsch. Sie entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage, widerspricht medizinischen Daten und entspricht dem rhetorischen Baukasten von Verschwörungserzählern.

Weder die Biologie noch die Statistik stützen seine These. Solche Lügen säen Angst, spalten die Gesellschaft und gefährden die öffentliche Gesundheit. Denn Bhakdis Behauptung ist keine Kritik, sie ist bewusste Irreführung. Wer sich auf Fakten verlassen will, sollte ihr entschieden widersprechen. Denn wer die Wahrheit verdreht, um Aufmerksamkeit zu bekommen, handelt nicht aufklärerisch. Er handelt verantwortungslos.

Und warum diese drei Jahre alte Aussage nun wieder ausgegraben wird, entzieht sich unserer Kenntnis. Möglicherweise, weil sein Name kürzlich wieder die Runde machte, als er eine „Auszeichnung“ einer impfkritischen, pseudowissenschaftlichen Organisation erhielt: Das WCH (World Council for Health) zeichnet Bhakdi aus

Faktenchecks zu Sucharit Bhakdi:
Bhakdi: „85% sind immun gegen Coronavirus“ (Faktencheck) – Mimikama
Arzt verharmlost Coronavirus (Faktencheck) Prof. Dr. Sucharit Bhakdi – Mimikama
TV-Sender und Verlag beenden Zusammenarbeit mit Sucharit Bhakdi – Mimikama
Mit diesen vielen Faktenchecks widerlegt ihr alle Bhakdi-Anhänger – Volksverpetzer
Nein, Demenz ist keine belegte Nebenwirkung der Coronaimpfung – AFP Faktencheck

Weiterführende Quellen zum Thema:
Verbleib von Spike-Proteinen im Gehirn könnten Long COVID-Symptome erklären – Long COVID-Plattform
WHO’s Science Council issues report on mRNA vaccine technology – WHO
COVID-19 medicines – European Medicines Agency (EMA)


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