Die Behauptung
Die RKI-Protokolle belegten, dass es keine echte Coronapandemie gegeben habe, die meisten positiven Coronatests falsch gewesen seien und die Bevölkerung weltweit belogen worden sei.
Aufgestellt von: Nutzerhinweis: Foto eines Aushangs mit Behauptungen über die RKI-Protokolle; Original-PDFs der RKI-Krisenstabsprotokolle.
Falsch
Falsch. Die geprüften Protokollstellen belegen weder eine erfundene Pandemie noch überwiegend falsche positive Coronatests. Politische Eingriffe sind dokumentiert, beweisen aber keine weltweite Täuschung.
In den RKI-Protokollen werden politische Eingriffe und Probleme bei Coronatests besprochen. Die geprüften Stellen belegen aber weder eine erfundene Pandemie noch die Behauptung, die meisten positiven Tests seien falsch gewesen. Ein verbreiteter Aushang macht daraus eine angebliche Enthüllung, die die Unterlagen nicht hergeben.
Auf dem fotografierten Blatt heißt es, das Robert Koch-Institut (RKI) habe seine Sitzungsprotokolle veröffentlichen müssen. Als angebliches Ergebnis werden eine unechte Pandemie und eine weltweite Täuschung genannt. Konkrete Seiten als Beleg fehlen. Mimikama hat die beiden veröffentlichten PDF-Sammlungen nach einschlägigen Aussagen durchsucht und die relevanten Fundstellen im Zusammenhang geprüft.
Die Pandemie war real
Die Folgen der Pandemie wurden unabhängig von diesen Sitzungsprotokollen untersucht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzte im Mai 2022 für die Jahre 2020 und 2021 rund 14,9 Millionen zusätzliche Todesfälle im Zusammenhang mit der Pandemie. Die Schätzung umfasst direkt durch COVID-19 verursachte Todesfälle und indirekte Folgen, etwa durch überlastete Gesundheitssysteme. Ihre Unsicherheitsspanne liegt bei 13,3 bis 16,6 Millionen. Quelle: WHO.
Was über falsche Tests im Protokoll steht
Am 29. April 2020 wurde ein relativ hoher Anteil falsch positiver PCR-Ergebnisse in einer vorläufigen Auswertung eines Laborvergleichs besprochen. Dabei prüfen Labore vorbereitete Proben, um ihre Arbeit zu kontrollieren. Im Protokoll steht ausdrücklich, dass aus diesem Wert keine Hochrechnungen möglich seien. Besprochen wird auch ein weiterer Test zur Bestätigung bei Personen ohne Symptome. Eine Aussage, wonach die meisten positiven Coronatests falsch gewesen seien, lässt sich daraus nicht ableiten. Nachzulesen in Teil 1, PDF-Seiten 753–754.
Am 10. März 2021 wird unter häufig genannten Einwänden gegen das Testen tatsächlich festgehalten, dass sehr viele positive Ergebnisse falsch positiv seien. Im Zusammenhang geht es um Angebote mit Schnell- und Selbsttests. Auch diese Stelle enthält keine Gesamtauswertung aller Coronatests. Der Aushang unterscheidet weder Testverfahren noch Zeitraum und macht aus einzelnen Diskussionen eine pauschale Behauptung. Fundstelle: Teil 1, PDF-Seiten 2308–2309.
Politische Einflussnahme ist dokumentiert
Am 10. September 2021 hielt der Krisenstab fest, dass das Gesundheitsministerium eine Änderung zur Freitestung mittels Antigentest nach fünf Tagen angewiesen hatte. Das RKI ergänzte weitere Tests, um das Sicherheitsniveau zu erreichen. Im Protokoll wird die wissenschaftliche Unabhängigkeit von der Politik deshalb als eingeschränkt bezeichnet. Das ist ein konkreter politischer Eingriff. Fundstelle: Teil 2, PDF-Seite 437.
Am 5. November 2021 wurde außerdem die politische Formulierung „Pandemie der Ungeimpften“ intern als fachlich unzutreffend kritisiert, weil die gesamte Bevölkerung zum Infektionsgeschehen beitrage. Eine Korrektur der Aussage des Ministers wurde als schwierig eingeschätzt. Das ist ein relevanter Kritikpunkt an der Kommunikation. Eine Feststellung, dass es überhaupt keine Pandemie gegeben habe, steht dort nicht. Fundstelle: Teil 2, PDF-Seiten 580–581.
FAQ: Häufige Fragen zu den RKI-Protokollen
Was sind die RKI-Protokolle?
Es sind Aufzeichnungen interner Besprechungen während der Pandemie. Sie enthalten Zwischenstände und unterschiedliche Einschätzungen. Einzelne Wortmeldungen sind nicht automatisch eine abschließende Position des gesamten Instituts.
Wurden die Protokolle gerade erst veröffentlicht?
Nein. Das Vorwort des ersten Teils trägt den Stand 30. Mai 2024, jenes des zweiten Teils den Stand 18. Dezember 2024. Das undatierte „heute“ auf dem Aushang belegt keine neue Veröffentlichung.
Heisst das, dass alle Coronamaßnahmen richtig waren?
Nein. Ob einzelne Maßnahmen sinnvoll und angemessen waren, muss jeweils geprüft werden. Dieser Faktencheck bewertet die Behauptung, die RKI-Protokolle hätten eine erfundene Pandemie und überwiegend falsche Tests aufgedeckt.
Quellen
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