Die Behauptung
Bei allen obduzierten geimpften Menschen mit COVID-19 sei die Zirbeldrüse zerstört gewesen.
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Falsch
Falsch. Die Behauptung über zerstörte Zirbeldrüsen bei allen obduzierten Geimpften mit COVID-19 wird als feststehender Obduktionsbefund ausgegeben. Die dafür verbreiteten Erzählungen legen keine überprüfbaren Berichte vor. Auch die angeführte Gehirnstudie belegt diese pauschale Aussage nicht.
Die auffindbaren Veröffentlichungen führen zu Interviews und weitergegebenen Erzählungen. Sie legen keine Obduktionsberichte vor, anhand derer sich die angeblich zerstörten Zirbeldrüsen prüfen ließen. Auch bleibt offen, wie viele Verstorbene untersucht wurden und wie ihr Impfstatus festgestellt wurde.
Ein Interview von 2023 nennt keine Auswertung aller Geimpften
Eine konkrete ältere Spur ist ein Interview mit Valerio Petterle in der italienischen Zeitung La Verità vom 1. Februar 2023. Petterle wird dort als Arzt vorgestellt, der im Veneto Todesfälle bestätigt und gegebenenfalls Obduktionen veranlasst. In der Einleitung heißt es: „In tutti noto danni alla ghiandola pineale“. Sinngemäß wird ihm damit die Aussage zugeschrieben, er beobachte bei allen Schäden an der Zirbeldrüse.
Im öffentlich lesbaren Interview berichtet Petterle über eine angeblich bei Obduktionen festgestellte starke Rückbildung des Organs, die weiter untersucht werden müsse. Für diesen Befund nennt die Passage weder eine Fallzahl noch den Impfstatus der Betroffenen. Obduktionsberichte oder dokumentierte Gewebeuntersuchungen werden dort ebenfalls nicht vorgelegt. Welche Fälle gemeint sind und welche Ursache die behaupteten Veränderungen haben sollen, lässt sich damit nicht prüfen.
Ein späterer Beitrag beruft sich auf einen ungenannten Pathologen
Eine ähnliche Erzählung verbreitete die Website Era of Light am 23. April 2025. Der dort als Übernahme von Infowars gekennzeichnete Text gibt Aussagen von Fabio Zoffi, dem Gründer der Organisation Zero Spike, wieder. Er beruft sich auf einen italienischen Pathologen aus der Nähe von Venedig. Dieser habe angeblich bei allen von ihm untersuchten geimpften Verstorbenen zerstörte Zirbeldrüsen festgestellt.
Zoffi beschreibt sich auf seiner eigenen Website als Unternehmer. Die berufliche Biografie beim Münchner Management Kolloquium nennt ein Studium der Wirtschaftswissenschaften und Tätigkeiten als Technologieunternehmer und Investor. Eine Qualifikation als Facharzt für Pathologie wird in diesen Darstellungen nicht ausgewiesen. In der verbreiteten Erzählung berichtet Zoffi zudem über angebliche Untersuchungen eines anderen Menschen; er legt keine eigenen Obduktionsbefunde vor.
Zoffis Darstellung nennt weder den Pathologen noch die angebliche Zeitungsveröffentlichung. Überprüfbare Angaben zu den Fällen und konkrete Gewebebefunde fehlen. Ob er sich auf das Interview mit Petterle bezieht und ob der vorliegende Facebook-Beitrag auf eine dieser Veröffentlichungen zurückgeht, konnten wir nicht feststellen.
Zoffi wird außerdem mit einem als „Spike-Detox“ beworbenen Nahrungsergänzungsmittel in Verbindung gebracht. Die Veranstalter des IHCAN Summit vom 16. November 2024 kündigten seinen Vortrag „Detoxifying Humanity“ an. Dieselbe Seite bewirbt das mithilfe des ZeroSpike-Projekts entwickelte „Augmented NAC“ als Mittel zur Entfernung des Spike-Proteins, führt das Produkt als Sponsor und bietet es mit Rabatt zum Kauf an. Die Werbung ersetzt keine Untersuchung, die Schäden an der Zirbeldrüse oder einen Nutzen bei Betroffenen nachweist.
Was die Gehirnstudie und die Arzneimittelbehörden berichten
Wissenschaftliche Untersuchungen zu möglichen Langzeitfolgen des Spike-Proteins gibt es tatsächlich. Die 2024 veröffentlichte Studie um Zhouyi Rong und Ali Ertürk in Cell Host & Microbe untersuchte menschliches Gewebe nach SARS-CoV-2-Infektionen und arbeitete zusätzlich mit Mausmodellen. Ihre DOI lautet 10.1016/j.chom.2024.11.007. Die Forschenden fanden Spike-Protein unter anderem in den Hirnhäuten und im Knochenmark des Schädels. Die Arbeit beschreibt mögliche Mechanismen für neurologische Folgen von COVID-19.
Der Impfversuch in dieser Arbeit betraf Mäuse: Nach einer Infektion war bei geimpften Tieren weniger Spike-Protein nachweisbar als bei ungeimpften. Einen Befund zerstörter Zirbeldrüsen bei allen obduzierten Geimpften berichtet die Studie nicht. Eine gezielte Untersuchung dieser Behauptung ist sie ebenfalls nicht; aus ihren Ergebnissen lässt sich deshalb auch keine Aussage über den Zustand der Zirbeldrüse jedes einzelnen Menschen ableiten.
Das Paul-Ehrlich-Institut meldet in der auf GovData veröffentlichten Zusammenfassung seines Berichts mit Datenstand 31. Dezember 2024, seit dem vorherigen Sicherheitsbericht mit Stichtag 31. März 2023 keine neuen Risikosignale bei COVID-19-Impfstoffen festgestellt zu haben. Die EMA-Übersicht zu Comirnaty führt keine Zirbeldrüsenschädigung als Nebenwirkung auf. Diese Angaben liefern keinen Beleg für die behauptete Zerstörung. Sie ersetzen aber auch keine gezielte Untersuchung der Zirbeldrüse bei sämtlichen obduzierten Geimpften.
Aus Mimikama-Sicht macht das Wort „allen“ aus einer nicht überprüfbaren Erzählung eine pauschale Gesundheitsbehauptung. Selbst dokumentierte Einzelfälle würden eine solche Verallgemeinerung nicht tragen. Wer sich auf angebliche Obduktionsbefunde beruft, muss die Originalunterlagen zugänglich machen, damit andere die Untersuchung und ihre Schlussfolgerungen prüfen können.
Quellen
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