Promis als Lockvögel: So schamlos arbeiten Fake-Werbungen

Gefälschte KI-Videos, erfundene Zitate und gestohlene Gesichter: Die Betrugsmasche mit Prominenten wird immer dreister und immer gefährlicher.

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Wundermittel mit Promi-Gesicht: Der perfide Betrug nimmt zu

Immer mehr Menschen stoßen beim Scrollen durch Social Media oder beim Lesen von Online-Artikeln auf angebliche Empfehlungen bekannter Prominenter für Wundermittel. Ob es sich um Abnehmprodukte, Herz-Kreislauf-Mittel oder Präparate gegen Diabetes handelt – die Bewerbung läuft stets nach dem gleichen Muster: Ein bekanntes Gesicht, ein scheinbares Zitat, eine vermeintlich journalistische Quelle. Doch was vertrauenswürdig aussieht, ist in Wahrheit pure Täuschung.

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Betroffen sind unter anderem Persönlichkeiten wie der Mediziner Dr. Eckart von Hirschhausen, Virologe Prof. Christian Drosten oder die Sängerin Beatrice Egli. Ohne ihr Wissen werden sie in KI-generierten Werbeclips oder gefälschten Artikeln als Unterstützer angeblicher Gesundheitswunder präsentiert. Besonders dreist: Hirschhausen taucht in manipulierten Videos gemeinsam mit Angela Merkel auf, um ein angebliches Wundermittel zu bewerben, das angeblich das Leben verlängern soll. Die Szenen wirken täuschend echt, doch sie sind frei erfunden. – Ein skrupelloser Missbrauch von Prominenz und Vertrauen.

Ziel dieser Fake-Werbungen ist es, bei Verbraucherinnen und Verbrauchern den Eindruck zu erwecken, diese Produkte seien medizinisch geprüft und von Experten empfohlen. Doch in Wahrheit stecken dubiose Firmen dahinter, die mit Tricks und Täuschung Geld machen wollen. Die Masche ist rücksichtslos, weil sie auf gutgläubige Menschen zielt und das Vertrauen in bekannte Persönlichkeiten bewusst missbraucht.

So funktioniert die Masche mit gefälschten Promi-Statements

Hinter der scheinbar harmlosen Werbung steckt ein ausgeklügeltes System. Die Betrüger erstellen sogenannte Deepfake-Videos, in denen Prominente scheinbar echte Aussagen tätigen. Möglich wird das durch Künstliche Intelligenz, die Stimmen nachahmt, Lippenbewegungen anpasst und täuschend echte Bilder generiert. Besonders erschreckend ist, dass die Aussagen in den Videos durchaus glaubwürdig wirken, weil sie auf tatsächlich existierende Interviews zurückgreifen – etwa aus Talkshows wie „Markus Lanz“ oder „Maischberger“.

Die Tonspur wird manipuliert, die Aussagen werden ersetzt. Was übrig bleibt, ist ein glaubwürdiges, aber vollständig gefälschtes Werbevideo. So wird zum Beispiel Christian Drosten angeblich zitiert, ein Medikament zur Reinigung der Blutgefäße empfohlen zu haben. Die Charité musste daraufhin öffentlich klarstellen: Diese Aussagen sind frei erfunden, die Werbung ist irreführend und falsch. Auch Beatrice Egli oder Caren Miosga wurden mit solchen gefälschten Artikeln konfrontiert.

Noch dreister wird es, wenn sich die Betrüger nicht einmal mehr auf existierende Interviews stützen, sondern komplett gefälschte Nachrichtenseiten bauen. Es gibt angebliche Artikel aus nicht existierenden Gesundheitsmagazinen oder erfundene Interview-Formate mit Prominenten, die angeblich ein ganz persönliches Erfolgsgeheimnis verraten. Was in Wahrheit dahinter steckt: ein Klick auf einen dubiosen Online-Shop, der überteuerte oder nutzlose Präparate verkauft.

Die Folgen: Rufschädigung, Betrug und gesundheitliche Risiken

Der Schaden, den diese Masche anrichtet, ist erheblich. Für Prominente ebenso wie für Verbraucherinnen und Verbraucher. Wer sich auf solche Empfehlungen verlässt, riskiert nicht nur sein Geld, sondern im schlimmsten Fall auch seine Gesundheit. Denn die angepriesenen Präparate sind medizinisch nicht geprüft, ihre Wirkung oft völlig unbelegt. In manchen Fällen gibt es Hinweise auf gefährliche Inhaltsstoffe, die zu Nebenwirkungen führen können.

Für die Betroffenen ist der Missbrauch ihres Namens und Bildes eine massive Rufschädigung. Dr. Eckart von Hirschhausen spricht auf seiner Webseite „www.hirschhausen.com“ von Betrug und kündigt rechtliche Schritte an. „Ich mache keine Produktwerbung. Die Fotos, Videos und Zitate sind Fälschungen“, so sein klares Statement. Er und sein Team konnten erste juristische Teilerfolge erzielen, doch die Flut neuer Fakes reißt nicht ab.

Die Verbraucherzentrale NRW schlägt seit Monaten Alarm. In ihren Warnmeldungen wird detailliert beschrieben, wie diese Fakes aussehen und welche Produkte betroffen sind. Das Spektrum reicht von angeblichen Herzmitteln bis zu Diätkapseln. Viele dieser Werbungen zielen gezielt auf ältere Menschen ab, die den Aufwand der Quellenprüfung scheuen oder weniger vertraut mit KI-Technologien sind. Hier zeigt sich: Die Gefahr ist nicht nur finanzieller Natur, sondern auch gesellschaftlich relevant.

So reagieren Betroffene und Behörden auf die Fake-Welle

Die Reaktionen auf die dreisten Fake-Werbungen sind deutlich, aber sie kommen oft zu spät. Die Charité musste offiziell klarstellen, dass Christian Drosten keinerlei Werbung für Medikamente macht. 

Screenshot: Warnung vor Falschwerbung mit Prof. Dr. Drosten / Berliner Charité
Screenshot: Warnung vor Falschwerbung mit Prof. Dr. Drosten / Berliner Charité

Auch Medienhäuser wie die dpa oder der WDR haben sich bereits mit der Problematik befasst und entsprechende Fälschungen enttarnt. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Aufklärungsarbeit der Verbraucherzentrale NRW, die in regelmäßigen Abständen über neue Fälle informiert.

Trotzdem bleibt die Welle an neuen Fakes ungebrochen. Denn die technische Hürde ist inzwischen gering, die Möglichkeiten von KI enorm, und die rechtliche Lage oft unklar. Die Täter sitzen häufig im Ausland, wo sie schwer zu greifen sind. Ermittlungen verlaufen oft im Sande, auch weil viele Betroffene den Betrug erst spät oder gar nicht melden.

Für Prominente bleibt häufig nur der Weg über öffentliche Distanzierung und juristische Schritte. Uschi Glas, Markus Lanz und Sandra Maischberger sahen sich gezwungen, ihre Namen öffentlich von den Produkten zu trennen. Doch für viele Verbraucherinnen und Verbraucher kommt diese Aufklärung zu spät. Sie haben bereits bestellt, bezahlt oder das vermeintliche Mittel sogar eingenommen.

Die Verantwortlichen verstecken sich hinter gefälschten Impressen, falschen Kontaktdaten und internationalen Firmenkonstrukten. Rückforderungen sind nahezu unmöglich, Anzeigen versanden. Deshalb braucht es eine breite gesellschaftliche Aufklärung und eine bessere Regulierung für den Einsatz von KI in der Werbung.

Fazit: Wer sich nicht schützt, wird Opfer

Die Masche ist nicht neu, aber sie hat eine neue Qualität erreicht. Mit KI, Deepfakes und sozialen Medien als Verbreitungswerkzeug wird aus simplen Werbelügen ein gefährliches Geschäftsmodell. Betroffen sind Prominente, die für Glaubwürdigkeit stehen, und Verbraucherinnen und Verbraucher, die auf diese Glaubwürdigkeit hereinfallen. Die Schäden sind enorm, die Reaktionen bisher oft zu zögerlich.

Wer solchen Fakes aufsitzt, riskiert nicht nur Geld, sondern auch seine Gesundheit. Die Warnungen von Experten, Prominenten und Verbraucherzentralen sind eindeutig: Finger weg von angeblichen Wunderpillen, die mit Promi-Zitaten beworben werden. Kein glaubwürdiger Mensch würde seine Reputation für dubiose Internetpillen aufs Spiel setzen.

Deshalb gilt: Prüfe die Quelle, glaube nicht jedem Bild und traue keinem Zitat ohne Beleg. Lass dich nicht täuschen von KI-generierten Gesichtern, Stimmen oder Artikeln. Und melde verdächtige Seiten der Verbraucherzentrale. Nur durch Aufklärung, Druck und Transparenz kann dieser Betrugswelle begegnet werden.

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