Mikroplastik: Essen wir wirklich eine Kreditkarte pro Woche?

Wir nehmen Mikroplastik auf. Jeden Tag. Die Mengen variieren, die Risiken sind real, die Belege wachsen. Jetzt handeln ist besser als später bereuen.

Die Behauptung

Jeder Mensch nimmt pro Woche so viel Mikroplastik auf wie das Gewicht einer Kreditkarte: rund 5 Gramm. Die Partikel stammen aus Verpackungen, Geschirr oder Kleidung.

Aufgestellt von: Social Media

Faktencheck: Irreführend

Teilweise wahr. Die „Kreditkarte pro Woche“-Zahl stammt aus einer 2019er-Analyse der University of Newcastle. Sie fasste Studien zu Mikroplastik in Wasser, Nahrung und Luft zusammen und kam auf eine geschätzte Obergrenze von bis zu 5 Gramm pro Woche. Das ist keine exakte Messung pro Person, sondern eine Modellrechnung mit vielen Annahmen.

 

Woher kommt die „Kreditkarten“-Zahl?
Die University of Newcastle wertete rund 50 Studien aus und berechnete daraus eine wöchentliche Aufnahme von bis zu 5 Gramm Mikroplastik. Der Vergleich mit einer Kreditkarte sollte die Größenordnung greifbar machen. Problem:

  • Die Daten stammen aus sehr unterschiedlichen Quellen und Messmethoden.
  • Einzelne Messungen mit hohen Werten können den Durchschnitt nach oben ziehen.
  • Die Belastung variiert stark: Wer viel Flaschenwasser trinkt oder regelmäßig Meeresfrüchte isst, hat meist eine höhere Aufnahme als jemand, der Leitungswasser trinkt und frische, unverpackte Lebensmittel bevorzugt.
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Was ist sicher belegt?

Mikroplastik wurde nachgewiesen in:

  • Lebensmitteln: Muscheln, Fisch, Salz, Zucker, Honig, Bier
  • Getränken: Mineralwasser (häufig stärker belastet als Leitungswasser), Tee aus Kunststoffbeuteln
  • Luft und Hausstaub: besonders in Innenräumen mit vielen synthetischen Textilien

2022 fanden Forschende erstmals Mikroplastik im menschlichen Blut. Andere Studien entdeckten Partikel in Gefäßablagerungen, die mit Herzinfarkt und Schlaganfall in Verbindung stehen könnten. Die Kausalität ist noch nicht bewiesen, aber die Hinweise sind beunruhigend.

Die Aussage „Wir essen pro Woche so viel Plastik wie eine Kreditkarte“ stammt aus einer Analyse der University of Newcastle (2019). Dafür wurden über 50 Studien ausgewertet. Ergebnis: Bis zu 5 Gramm Mikroplastik pro Woche könnten in unseren Körper gelangen. Forschende weisen jedoch darauf hin, dass diese Zahl unsicher ist, weil Messmethoden und Stichproben stark variieren. Fest steht: Mikroplastik ist messbar, und kommt aus vielen Quellen.

Beispiele für Hauptquellen:

  • Abgefülltes Wasser: In vielen Flaschen fanden Untersuchungen im Schnitt über 300 Partikel pro Liter. Häufig aus Polypropylen, das von Deckeln stammt.
  • Meeresfrüchte: Muscheln und Austern filtern Meerwasser und reichern Plastik an. Eine Portion kann Hunderte Partikel enthalten.
  • Heiße Getränke in Einwegbechern: Polystyrolbecher geben bei 95 °C zwischen 5 und 173 Partikel pro Portion ab.
  • Kunststoff-Teebeutel: Beim Aufgießen können mehrere Milliarden Mikro- und Nanopartikel freigesetzt werden. Loser Tee ist deutlich sauberer.
  • Synthetische Kleidung: Beim Tragen und Waschen lösen sich Mikrofasern aus Polyester oder Nylon. Rund 35 % der primären Mikroplastikpartikel in den Ozeanen stammen aus dem Waschen von Textilien.

Das Fazit daraus: Viele kleine Quellen summieren sich. Die genaue Menge schwankt, die Belastung ist real.

Wie Mikroplastik in den Körper und ins Blut gelangt

Mikroplastik kann über Mund und Atemwege aufgenommen werden. Partikel im Mikrometerbereich passieren den Verdauungstrakt, ein Teil wird ausgeschieden, ein anderer Teil gelangt durch die Darmschleimhaut in den Körper. Nanoplastik ist noch kleiner und kann Barrieren wie die Darmwand leichter überwinden.

Ein Meilenstein war 2022: Forschende fanden erstmals Mikroplastik im Blut. Rund 80 % der untersuchten Proben enthielten Partikel, darunter Polymere, die oft in Verpackungen stecken.

Wichtige Eintrittswege:

  1. Trinkwasser: Abgefülltes Wasser in Plastikflaschen ist meist stärker belastet als Leitungswasser.
  2. Lebensmittel: Besonders Meeresfrüchte, Salz und verarbeitete Produkte enthalten oft Partikel.
  3. Heiße Anwendungen aus Kunststoff: Polystyrolbecher oder Kunststoffteebeutel setzen bei Hitze viele Partikel frei.
  4. Raumluft: In Wohnungen mit vielen Kunstfasertextilien ist die Belastung höher. Mikrofasern aus Kleidung werden eingeatmet oder über den Hausstaub verschluckt.
  5. Küchenutensilien: Kunststoffbretter und -löffel geben bei Hitze oder Abrieb feine Partikel ab.

Nachweise von Mikroplastik gibt es aus Darm, Lunge, Leber, Niere und eben Blut. Das zeigt: Kleinste Partikel können sich im Körper verteilen.

Was in Plastik steckt, und warum es problematisch ist

Plastik ist nicht nur das Polymer selbst. Es enthält chemische Zusätze: Weichmacher (Phthalate), Bisphenol A (BPA) und Flammschutzmittel (PBDE). Diese Stoffe können sich lösen und wirken biologisch.

  • Phthalate: Stehen im Verdacht, das Hormonsystem zu stören, die Fruchtbarkeit zu senken und Schwangerschaftskomplikationen zu begünstigen.
  • BPA: Wird mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes in Verbindung gebracht.
  • PBDE: Könnten die neurologische Entwicklung bei Kindern beeinträchtigen.

Zusätzlich können sich auf der Oberfläche von Mikroplastikpartikeln Schadstoffe anlagern, etwa Schwermetalle oder Pestizide. Diese werden mittransportiert, wenn wir die Partikel aufnehmen.

Belegte Beispiele:

  • Polypropylen aus Flaschendeckeln in Mineralwasser.
  • Polystyrolfragmente aus Einwegbehältern bei heißen Speisen.

Drei Risiken wirken zusammen: Physische Reizung von Gewebe, chemische Belastung durch Additive und Transport anderer Umweltgifte.

Herzinfarkt und Schlaganfall: der Stand der Forschung

Ein zentrales Forschungsergebnis: Mikroplastik wurde in atherosklerotischen Plaques gefunden, also in Ablagerungen in Blutgefäßen.

In einer Studie enthielten 58 % der operativ entfernten Plaques Kunststoffpartikel, meist Polyethylen oder PVC. Menschen mit diesen Partikeln im Plaque hatten in den folgenden drei Jahren ein 4,5-fach höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das beweist noch keine direkte Ursache, aber die Daten passen zu anderen Befunden:

  • Mikroplastik im Blut ist nachweisbar.
  • Tierversuche zeigen, dass hohe Dosen zu Herzrhythmusstörungen und Muskelschäden führen können.
  • Fachgesellschaften sehen Gefäßentzündungen und Thromboseneigung als plausible Mechanismen.

Nanoplastik könnte dabei leichter in Gefäßwände eindringen und Plaques instabil machen. Die kausale Kette ist noch nicht komplett bewiesen, aber die Hinweise sind ernst zu nehmen.

Fazit / Wie du dein Risiko senken kannst

Nach heutigem Wissensstand nehmen Menschen je nach Lebensstil und Umgebung vermutlich zwischen wenigen Dutzend Milligramm und bis zu mehreren Gramm Mikroplastik pro Woche auf. Die genaue Menge ist nicht abschließend geklärt, aber sie ist messbar und in jedem Fall vermeidbar.

Mikroplastik ist unsichtbar. Es gelangt aus vielen Quellen in den Körper, kann Organe und Blutkreislauf erreichen und steht in Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Risiken.

Das kannst du tun:

  • Leitungswasser trinken (wo die Qualität stimmt) oder Glasflaschen nutzen.
  • In der Küche Holz, Glas oder Metall statt Kunststoff verwenden.
  • Losen Tee statt Kunststoff-Teebeutel wählen.
  • Kleidung aus Naturfasern bevorzugen, Waschbeutel oder Filter nutzen.
  • Unverpackte Lebensmittel kaufen, Plastikverpackungen meiden.

Politik und Industrie müssen den Eintrag von Mikroplastik insgesamt senken. Bis dahin zählt Eigeninitiative, denn jede vermiedene Quelle ist ein Schritt zu weniger Belastung.

Quellen:
Plastic ingestion by people could be equating to a credit card a week – University of Newcastle (2019)
How Much Microplastics Are We Ingesting?: Estimation of the Mass of Microplastics Ingested. – University of Newcastle (2019)
Erhöhen Mikroplastikpartikel das Risiko für einen Schlaganfall? – Bundesinstitut für Risikobewertung (2024)
Ist Mikro- bzw. Nanoplastik ein Risikofaktor für Schlaganfälle und Herzinfarkte? – schlaganfallbegleitung.de (2024, aktualisiert 07/2025)

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