95 Millionen Euro überwiesen: KI-Stimme täuschte Fideuram-Manager

Eine dringende WhatsApp-Nachricht und eine vertraut klingende Stimme brachten Fideuram zu Millionenüberweisungen. Der Fall zeigt, warum ein Kontrollanruf allein nicht mehr reicht.

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KURZMELDUNG · ITALIEN

Auf WhatsApp erscheint eine dringende, vertrauliche Zahlungsanweisung. Sie wirkt, als käme sie von Intesa-Sanpaolo-Chef Carlo Messina. Dann folgt ein Anruf mit der Stimme eines führenden Anwalts – und Fideuram überweist im Februar 2026 rund 95 Millionen Euro auf ausländische Konten.

Die Details wurden am 25. September 2026 öffentlich. Laut Reuters erhielt Paolo Molesini, damals Vorsitzender von Fideuram, zuerst die WhatsApp-Nachricht. Beim anschließenden Telefonat ahmten die Betrüger laut den Quellen mithilfe künstlicher Intelligenz die Stimme des Anwalts nach. Rai News berichtet ebenfalls über den Verdacht auf sogenanntes Voice-Cloning – eine technisch erzeugte Nachahmung einer Stimme.

Fideuram ist die Private-Banking-Tochter der italienischen Großbank Intesa Sanpaolo. Das Geld ging vor allem auf Konten in China und Hongkong. Mehr als die Hälfte wurde später zurückgeholt. Reuters zufolge waren rund 36 Millionen Euro weiterhin verschwunden. Intesa Sanpaolo und Fideuram nahmen gegenüber Reuters nicht Stellung.

Die Ermittlungen laufen weiter. Welche Software verwendet wurde und wer die Operation organisiert hat, ist nicht abschließend geklärt.

Der Fall zeigt, wie sich klassischer Zahlungsbetrug verändert. Eine bekannte Telefonnummer, ein Messenger-Profil und eine vertraute Stimme können gemeinsam überzeugend wirken, ohne echt zu sein. Kriminelle müssen kein Banksystem knacken, wenn sie Menschen innerhalb echter Abläufe zur Überweisung bringen. Entscheidend ist daher die Bestätigung über einen unabhängig gewählten Kontaktweg – nicht die Stimme allein.

Quellen

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