Die Audionachricht über schwere Impf-Nebenwirkungen in Pflegeheimen

Autor: Ralf Nowotny

Die Audionachricht über schwere Impf-Nebenwirkungen in Pflegeheimen
Artikelbild: BaLL LunLa / Shutterstock

In einer Audionachricht einer vorgeblichen Leiterin eines Pflegeheims in Düren wird behauptet, dass die Heimbewohner massive Nebenwirkungen durch die COVID-19 Impfung hatten.

Die Audionachricht ist über fünf Minuten lang und kursiert zumeist als bildloses Video in sozialen Netzwerken. Eine Frau, die von sich sagt, dass sie Leiterin eines Pflegeheims in Düren ist, erzählt von Heimbewohnern mit schwersten Nebenwirkungen, auch sage der Rettungsdienst, bei ihnen sei „die Hölle los“, sie müssten alle Pflegeheime anfahren und die Bewohner mit den schweren Symptomen mitnehmen.

Warnungen auf Facebook
Warnungen auf Facebook, Quelle: Facebook, Facebook

Zudem sei ein Heimbewohner auch direkt an den Folger der COVID-19 Impfung verstorben, wie laut der Frau ein Arzt aus dem Kreis Düren festgestellt haben soll.

Stellungnahme des Kreis Düren

Der Kreis Düren hat auf Facebook eine offizielle Stellungnahme zu den Behauptungen veröffentlicht. In dem längeren Text wird mehreren Punkten der Behauptung widersprochen.

  • Es habe die Fälle in der beschriebenen Form nicht gegeben
  • Es kam zu keinen außergewöhnlichen Auffälligkeiten
  • Die Zahl der Rettungseinsätze in Pflegeeinrichtungen bewegten sich nicht im auffälligen Bereich
  • Es gab wenige Fälle mit Schmerzen im Arm, Müdigkeit und ähnlichen, leichten Nebenwirkungen
  • Der Arzt hat gegenüber dem Gesundheitsamt der Aussage widersprochen; der Verstorbene habe „schwere Vorerkrankungen“ gehabt; sein Tod sei nicht im Zusammenhang mit der Impfung zu sehen

Hier die Stellungnahme des Kreis Düren auf Facebook:

Uns ist nicht bekannt, warum diese Audio-Nachricht verbreitet wird“, sagt Landrat Wolfgang Spelthahn. Sie entbehre jeder Grundlage und führe womöglich dazu, Angst oder gar Panik vor Impfungen zu schüren. Dazu gebe es überhaupt keinen Anlass.
Der Kreis Düren prüft die Herkunft der Sprachmitteilung und behält sich rechtliche Schritte vor.
Die dpa fragte zudem noch einmal direkt beim Kreis Düren nach (siehe HIER). Ihnen gegenüber wurde betont, dass nicht pauschal alle Heimbewohnerinnen ohne Rücksicht auf Vorerkrankungen und Allergien geimpft worden seien, sondern man sich an die Vorgaben des Robert Koch-Instituts gehalten habe.

Stellungnahme der Caritas

In einer Pressemitteilung (siehe HIER) nimmt die Caritas Stellung zu den Behauptungen.
Demnach gebe es derzeit keine Hinweise auf negative Impfreaktionen, die beispielsweise über die von Grippeimpfungen hinausgehen. Diesen Eindruck können auch Einrichtungsleitungen und Vorstand des Caritasverbandes bestätigen, der sechs Alten- und Pflegezentren im Kreis Düren betreibt.

Aufgrund der in der Sprachnachricht veröffentlichten Details, wie z. B. Bettenzahl oder Impfdatum, haben wir Grund zur Annahme, dass die Sprachnachricht von einer Mitarbeiterin eines unserer Dürener Altenheime stammen könnte, die, allerdings anders als in den sozialen Medien beschrieben, keine Einrichtungs- oder Wohnbereichsleitung ist“, so Caritas-Vorstand Marcus Mauel.

„Über die Motivation können wir bisher nur spekulieren. Nach eingehender Prüfung der Darstellungen in der Sprachnachricht, können unsere Pflegedienstleitungen und Pflegeexperten/innen in unseren Einrichtungen die Behauptungen über schwerwiegende Impfreaktionen in keinem genannten Fall bestätigen. Wir haben selbstverständlich jede einzelne Behauptung aus der Sprachnachricht auf ihren Wahrheitsgehalt in einem Faktencheck überprüft. Für Detail-Rückfragen stehen wir jederzeit zur Verfügung.“

Fazit

Die Behauptungen der Frau in der Audionachricht sind nicht nachweisbar. Laut dem Kreis Düren habe es die genannten Fälle in dieser Form jedoch nicht gegeben, der Arzt widerspricht auch der Behauptung, dass er einen direkten Zusammenhang mit der COVID-19 Impfung diagnostiziert habe.

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